Vor 65 Millionen Jahren: Säugetiere lösen Saurier ab

 

Das Paraceratherium war mit einer Schulterhöhe von 5,5 Metern wahrscheinlich das größte jemals lebende Säugetier. Es lebte vor etwa 23 Millionen Jahren und gehört damit nicht mehr zu den frühesten Säugetieren. Es war ein Verwandter unserer heutigen Nashörner.

Denken wir an Säugetiere, so fallen uns eine Vielzahl von Haus- und Wildtieren ein. Auch wenn heute nur etwa 5500 von den vielen Millionen Tierarten zur Klasse der Säugetiere gehören, so sind sie uns doch am bekanntesten und vertrautesten.

Ihre beherrschende Stellung im Tierreich haben sich die Säugetiere erdgeschichtlich betrachtet jedoch erst vor relativ kurzer Zeit erobert. Das war in der gleichen Periode, als die Dinosaurier ausstarben. Wie es dazu kam, und wie die frühen Säugetiere aussahen, dazu kommen wir später. Zunächst sehen wir uns die heutigen Säugetiere an.

Wodurch zeichnet sich ein Säugetier aus?

Ob Igel oder Elefant, ob Katze oder Känguru welche Merkmale haben alle Säugetiere gemeinsam? Wie ihr Name schon sagt, säugen diese Tiere ihre Nachkommen mit Milch aus ihren Brustdrüsen. Meist ist damit auch eine intensive Brutpflege verbunden.

Äußerlich erkennt man die meisten von ihnen am Fell. Nur wenige Säuger haben aus klimatischen Gründen keinen Pelz, wie etwa Elefanten, Nashörner oder Flusspferde. Auch im Wasser lebende Säuger wie die Wale ersetzten das Fell durch eine Fettschicht.

Alle Säugetiere sind Warmblüter. Sie halten ihre Körpertemperatur konstant, unabhängig von äußeren Einflüssen. Es gibt noch eine Reihe weiterer körperlicher Merkmale, die nur bei Säugetieren vorkommen. So z. B. die Gehörknöchelchen im Ohr, die Art des Kiefergelenkes oder bestimmte Aspekte des Schädels und des Gehirns, doch die sind eher für Fachleute interessant.

Wann entstanden die ersten Säugetiere?

In jeder Phase der Erdgeschichte war eine Tierklasse bestimmend. Das heißt nicht, dass die vorhergehende Klasse mit dem Auftreten der nachfolgenden völlig verschwand, doch die Mehrheit ihrer Arten starb jeweils aus, wenn sich die besser entwickelte Klasse breit machte.

 

Während im Erdaltertum (vor 545 Mio. Jahren bis vor 248 Mio. Jahren) die wirbellosen Tiere von den Fischen und Amphibien abgelöst wurden, dominierten im Erdmittelalter (vor 248 Mio. Jahren bis vor 65 Mio. Jahren) die Reptilien, zu denen auch die Dinosaurier gehörten. Zur gleichen Zeit entstanden wohl die ersten Säugetiere, die jedoch gegenüber den alles beherrschenden Sauriern ein Schattendasein führten.

 

Wie sahen die frühen Säugetiere aus?

Man geht davon aus, dass die meisten Säugetier-Arten des Erdmittelalters relativ klein, etwa so groß wie Ratten waren. Größere Arten konnten sich wahrscheinlich deshalb nicht herausbilden, weil die mittelgroßen und riesigen Saurier keine Konkurrenz aufkommen ließen. Um den meist tagaktiven Sauriern zu entgehen waren die Kleinsäuger eher nachts unterwegs. Die Ausbildung ihrer Sinnesorgane deutet zumindest darauf hin.

Es gibt

Zwischenformen

von Reptilien und Säugetieren, die beweisen, dass sich die Säuger aus den Reptilien entwickelten. Zu ihnen gehören der Pflanzenfresser Dicynodon ebenso wie der Raubsäuger Cynognathus. Cynognathus hatte bereits ein säugetierähnliches Gebiss, seine Beine standen schon unter dem Körper und nicht wie bei den Reptilien seitlich.

Heute noch gibt es ein

Ursäugetier

, das zwar Eier legt, aber doch schon seine Jungen säugt: Das Schnabeltier (siehe Bild rechts). Man findet es nur noch in Australien und Tasmanien. Wahrscheinlich entwickelten sich auch die ersten vorzeitlichen Säugetiere auf diese Weise von eierlegenden Reptilien zu lebendgebärenden Säugern.

Zu den sehr frühen Formen der Säugetiere gehören auch die Beuteltiere. Heute leben die rund 320 Beuteltierarten in Amerika und Australien. Ihre Jungtiere werden als embryoartige Winzlinge geboren und wachsen meist in einem Beutel fest mit den Zitzen der Mutter verbunden heran..

 

Wenig Fossilien wenig Beweise

Leider ist die Entstehung und die frühe Entwicklung der Säugetiere nur durch relativ wenige fossile Funde belegt. Fundorte für Fossilien also für Überreste vorzeitlicher Lebewesen finden sich vor allem dort, wo sich früher Wasser, Eis, Moor oder z. B. Erdöl oder Teer befand. Überall da also, wo der Leichnam von Sauerstoff abgeschlossen war sich daher nicht vollständig zersetzte und auch nicht von anderen Tieren komplett aufgefressen werden konnte.

Da die meisten Säugetiere jedoch an Land lebten, gibt es von ihnen wesentlich weniger vorzeitliche Zeugnisse als z. B. von Meerestieren. Ausnahmen bilden beispielsweise Mammuts, von denen schon viele in Dauerfrostböden gefunden wurden.

Warum starben die Dinosaurier aus?

Doch wie kam es zur Ablösung der Saurier durch die Säuger? Konnten sich die Säugetiere erst deshalb entfalten und vielfältige Arten entwickeln, weil die Saurier nach und nach ausstarben und so ökologische Nischen frei wurden? Oder wirkten die Säugetiere aktiv am Ausrottungsprozess der Reptilien mit?

Oder starben die Dinosaurier tatsächlich durch einen gigantischen Meteoriteneinschlag? Warum überlebten dann aber Säugetiere und Vögel diese Katastrophe?

Eindeutige Beweise für eine dieser Ursachen gibt es nicht. Möglich ist jedoch, dass verschiedene Faktoren zusammenwirkten. Vielleicht war es so: In einer länger andauernden Krisenzeit von vielen Millionen Jahren hatten die größeren Reptilienarten immer schlechtere Überlebenschancen. Ein Klimawandel ließ die Nahrung knapp werden und verschlechterte die Brutbedingungen.

Die Säugetiere waren besser angepasst und konnten sich immer mehr ausbreiten und neue Arten entwickeln. Die Saurier kamen dadurch noch stärker in Bedrängnis. Ob nun eine Naturkatastrophe das endgültige Aus für die Dinos war oder ob sie in den verschiedenen Erdteilen zu unterschiedlichen Zeiten von der Bildfläche verschwanden, bleibt bisher noch ein Rätsel.

Übrigens starben auch die meisten der vorzeitlichen Säugetiere wieder aus. So zum Beispiel das Mammut, das noch bis vor rund 9000 Jahren lebte (Bild: Wollhaarmammut).