Leben (fast) ohne Plastik - eine Familie in Österreich hat es ausprobiert

 

 

 

 

 

Unser Planet droht an Plastikmüll zu ersticken. Nachwachsende Rohstoffe können dazu beitragen, dieses Problem zumindest zu verringern.

 

 

 

 

Ein Monat ohne Plastik? Geht das überhaupt? Familie Krautwaschl-Rabensteiner aus Graz (Österreich) hat das zu einem Zeitpunkt ausprobiert, als das Bewusstsein dafür noch nicht so ausgeprägt war: 2011. Ihre Erfahrungen hat die Familie im Blog www.keinheimfuerplastik.at veröffentlicht, der noch immer besteht. Der Anreiz für das Experiment: Umweltbewusster leben und der Macht der Werbung trotzen ist aktueller denn je!

 


Anstoß für den Versuch war der Film „Plastic Planet“, der im Herbst 2011 mehr als 85.000 Menschen in die Kinos lockte. Der Film erzählt von Plastik in all seinen Facetten und wie das vielseitige Material das Leben und Verhalten der Menschen in den letzten 100 Jahren nachhaltig geprägt und verändert hat. Und er macht nachdenklich: denn eigentlich wissen wir gar nicht so genau, woraus Plastik gemacht wird und verwenden es trotzdem sorglos in sämtlichen Lebensbereichen.

 

Die Vor- und Nachteile von Plastik

 

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wird Plastik industriell hergestellt. Die Vorteile des neuartigen Werkstoffs lagen auf der Hand: er war billig zu produzieren, sehr haltbar und unglaublich vielfältig einsetzbar. Ob Babyschnuller oder Einkaufstüte, Lebensmittelbehälter oder Gartenmöbel, Blumenkästen oder die gesamte Innenausstattung eines Autos - all das wird aus Plastik gemacht.  

 

Wir sind eine Wegwerfgesellschaft

 

Woran man damals kaum dachte: Könnten gesundheitsschädliche Stoffe enthalten sein? Und: Wo wird das ganze Plastik, das man herstellt und irgendwann auch einmal wegwirft, entsorgt? Der Trend zum Plastik hat außerdem dafür gesorgt, dass wir nicht mehr so sorgsam mit vielen Dingen umgehen. Geht etwas kaputt, wird es oft durch ein billiges Produkt aus Plastik ersetzt. Wir sind zu einer Wegwerfgesellschaft geworden.

 

Plastik ist allgegenwärtig

 

Heute ist Plastik allgegenwärtig: Die Menge des bis heute produzierten Kunststoffs würde ausreichen, um die Erde ein halbes Dutzend Mal komplett in Verpackungsmaterial einzuwickeln. Kein Wunder: Denn ein Großteil unserer Alltagsgegenstände besteht daraus. Nicht zu vergessen die ganzen Dinge, die wir, oft in mehreren Schichten, eingepackt kaufen, um sie dann umgehend zu Hause auszupacken und die Verpackung wegzuwerfen.

 

Der Versuch: Ein Monat (fast) ohne Plastik

 

Diese Entwicklung hat auch die Krautwaschls aus Graz zum Umdenken bewegt. Ihre Idee: wenn man weitgehend ohne Plastik lebt, ebnet man nachhaltigen Produkten den Weg. Nachhaltig bedeutet, dass Produkte aus Materialien hergestellt werden, die natürlich sind, wieder nachwachsen und damit unsere Umwelt nicht so stark belasten. Kauft man diese häufiger, fördert man dadurch einen verantwortungsvolleren, gesünderen Lebensstil.

Durch ihren Webblog merkte die Familie aus Österreich bald: wir sind nicht allein! Viele User gaben Tipps und tauschten sich mit ihnen über ihre eigene Erfahrungen für ein Leben ohne Plastik aus.

 

Recyclebare Alternativen

 

Zunächst galt es, für den Versuch alles verzichtbare Plastik aus dem Haus zu verbannen. Klar, auf vieles wollte die Familie nicht verzichten, etwa das Auto, den Computer, das Telefon, Fahrradhelme, den Kühlschrank oder den Staubsauger. Aber bei vielen Produkten hatte sie die Wahl, Gegenstände aus Plastik durch recyclebare Materialien wie Glas, Keramik, Holz, Metall und pflanzlichen Fasern zu ersetzen.  
 

 

Einkaufsrevier: Großmarkt und Bioladen

 

Mit Hilfe ihrer 3 Kinder Samuel, Marlene und Leonard (zum damaligen Zeitpunkt 13, 10 und 7 Jahre) räumten Sandra Krautwaschl und ihr Mann Peter Rabensteiner sämtliches Plastik in den angebauten Stall ihres Bauernhauses: Kinderspielzeug, Plastikbehälter, Shampooflaschen, Gartenstühle, Sportgeräte, Rucksäcke und vieles mehr. Daraufhin wurden Bioläden und Reformhäuser ebenso zum Einkaufsrevier wie Großmärkte, weil es da zum Beispiel Toilettenpapier in Pappverpackungen zu kaufen gab.

 

Zahnbürsten aus Kautschuk, Brotboxen aus Metall

 

Weiterhin auf dem Einkaufszettel: Kautschukzahnbürsten mit Naturborsten, umweltfreundlich verpackte Putz- und Waschmittel, Zahnpasta in Metalltuben und sämtliche Milchprodukte nur noch in Glasbehältern. Für die Kinder, die ihre Plastikspielsachen fast komplett entsorgten, wurden Metallbrotboxen ebenso angeschafft wie Füller, die direkt aus dem Tintenfass zu befüllen sind. Und das sind nur einige Beispiele!

 

Experiment geglückt

 

Für die Krautwaschls hat sich das Experiment gelohnt: Inzwischen verzichtet die Familie schon weitgehend auf Kunststoff. Kaum etwas von den weggeräumten Plastikprodukten wurde wieder ins Haus geholt. Auch für die Zukunft hat sich die Familie vorgenommen: Je weniger konsumiert und weggeworfen wird, desto besser. Außerdem sind Sandra Krautwaschl und Peter Rabensteiner mittlerweile in die Politik eingestiegen. Sandra Krautwaschl sitzt für die Grünen im Steiermärkischen Landtag.   Tipps für den plastikfreien Einkauf Was meint ihr? Wäre ein Leben ohne Plastik auch etwas für euch? Vielleicht habt ihr ja einige Anregungen gefunden, die sich aufgreifen lassen. Und wenn es nur mal ein Test ist. In ihrem Bblog gibt Sandra Krautwaschl weiterhin Tipps für den plastikfreien Einkauf. Hier kommt ihr zu www.keinheimfuerplastik.at.