Wie überwintern Insekten?

Im der warmen Jahreszeit krabbeln und fliegen überall Insekten. Aber wo sind sie im Winter? Wie überwintern sie? Das fragt uns Patrick, 7 Jahre.

Warm und geschützt vor Fressfeinden: Ein Insektenhotel mit seinen vielen Löchern und Ritzen ist für Insekten der perfekte Platz zum Überwintern.

 

Den Winter zu überstehen ist für Insekten gar nicht so einfach. Zumal sie eine große Oberfläche im Vergleich zum Rauminhalt ihres Körpers haben: Sie kühlen viel leichter aus, als größere Tiere. Aber viele von ihnen haben Tricks auf Lager.

Welche Gefahren bestehen beim Gefrieren?

Um zu verstehen, wie Insekten dem Kältetod entrinnen können, muss man zunächst einmal wissen, warum es nicht möglich ist, sich einfach einfrieren und wieder auftauen zu lassen:
Jeder Organismus besteht aus einer Vielzahl an wasserhaltigen Zellen. Viel Wasser ist weiterhin in Körperflüssigkeiten wie Blut oder dem entsprechenden Gegenstück bei Insekten, der Hämolymphe, enthalten.

Wenn nun das Wasser in den Zellen oder den Körperflüssigkeiten gefriert, bilden sich Eiskristalle. Diese Eiskristalle zerstören die Zellwände und führen so zum Tod des Organismus. Um Eisbildung zu verhindern, gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Tierische Frostschutzmittel

Ähnlich wie beim Auto, das man im Winter mit Frostschutzmittel befüllt, verwenden auch Insekten Frostschutzmittel wie Gylcerin oder Eiweiße. Ein nordischer Verwandter unseres Borkenkäfers kann mit Hilfe eines speziellen Moleküls sogar Temperaturen bis zu -20° Celsius überstehen.

Keimfrei durch den Winter

Ein weiterer Trick zum Überleben eisiger Temperaturen ist das sogenannte "Supercooling", also Superkühlung, das bei geringen Mengen Flüssigkeit funktioniert. Das bedeutet: Ganz geringe Flüssigkeitsmengen können auf sehr niedrige Temperaturen gekühlt werden, ohne dass Eis entsteht.  Das geht, weil Eiskristalle zum Wachsen Keime benötigen. Eine kleine Verunreinigung im Wasser genügt, und die Eisbildung setzt an dieser an, sobald der Gefrierpunkt erreicht ist. In sehr kleinen Flüssigkeitsmengen fehlen solche Verunreinigungen.

So übersteht unsere heimische Getreideblattlaus Temperaturen bis zu -23° Celsius, weil ihre Nahrung aus Pflanzensäften besteht, in denen so gut wie keine Verunreinigungen enthalten sind. Die nordamerikanische Marienkäferart Hippodamia convergens entleert vor der Winterruhe den Darm und entledigt sich damit fast aller Kristallisationskeime. So übersteht der Marienkäfer bis zu -16° Celsius.

Kälterekordler

Der aus Alaska stammende Käfer Upis ceramboides benutzt als Frostschutzmittel das große Molekül einer besonderen Zuckerart, nämlich Xylomannan. Anders als kleine Moleküle, von denen viele benötigt werden, genügen bereits einige wenige große dieses Zuckers, und ermöglichen dem Käfer, bei Temperaturen von bis zu -60° Celsius zu überleben!

Geschützt vor der Kälte

Nicht alle Insekten nutzen spezielle Tricks zum Überwintern. Viele suchen ein geschütztes Plätzchen, um dort vor Fressfeinden wie Vögeln oder geschützt zu sein. Baumlöcher, Holzstapel oder auch spezielle Insektenhotels sind gut als Winterplatz geeignet. Ameisen krabbeln einfach tiefer in die Erde um dem Bodenfrost zu entgehen. Manche Insektenarten tun sich auch in Gruppen zusammen und überleben eng aneinandergekuschelt, zum Beispiel Marienkäfer.

Noch mehr zum Thema Insekten erfährst du in WAS IST WAS Band 30. Insekten. Überlebenskünstler auf sechs Beinen