Abbul Abbas: Ein Elefant für Karl den Großen

Der weiße Elefant Abul Abbas soll acht Jahre lang am kaiserlichen Hof Karls des Großen gelebt haben. Der Kaiser zeigte ihn gern um seine Macht zu demonstrieren. Quelle: © pd

 

Am 20. Juli des Jahres 802 staunten die Menschen in Aachen nicht schlecht: Ein Elefant durchschritt mit seinem Führer das Stadttor. Das majestätische Tier mit dem Namen Abul Abbas hatte auf seiner Reise über 5.000 Kilometer zurückgelegt. Es war ein Geschenk aus dem Orient für Kaiser Karl den Großen. Doch wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Gabe?

Karl suchte als erster Europäer auf friedlichem Wege Kontakt zum Islam. Bereits 797 hatte der christliche Herrscher zwei fränkische Ritter und den jüdischen Kaufmann Isaak zum gegenseitigen Austausch an den Hof von Kalif Harun ar-Raschid nach Bagdad geschickt.

Ein besonderes Geschenk

Während seine beiden Begleiter auf der langen Reise verstarben, traf Isaak am Hofe des Kalifen ein. Harun ar-Raschid gab ihm ein besonderes Geschenk für seinen Herrn mit auf den Rückweg: den indischen Elefanten Abul Abbas. Der Elefant war einst ein wertvolles Geschenk aus dem fernen Indien gewesen und sollte nun als Zeichen der Wertschätzung an den fränkischen Hof gebracht werden.

Von Bagdad nach Aachen

Die Reise von Bagdad nach Aachen traten Abul Abbas und Isaak noch im Jahr der Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahr 800 an. Bis zu ihrer Ankunft in Aachen sollte es aber gut eineinhalb Jahre dauern. Von der nordafrikanischen Hafenstadt Tunis setzten die Reisenden nach Italien über, wo sie nahe dem Lago Maggiore überwinterten. Von dort ging es dann die Alpenpässe entlang in das fränkische Reich gen Aachen.

Am Hofe des Kaisers

Acht Jahre lebte Abul Abbas in Aachen. Davon berichten die Aufzeichnungen am Hofe Karls des Großen. Sowohl in der Vita Karoli, einem Buch über die Taten Karls des Großen, als auch in den Fränkischen Reichsannalen ist von dem Elefanten aus dem Morgenland zu lesen: Über seine Reise, die Ankunft und seinen Tod.  

Ein Zeichen der Macht

Kaiser Karl liebte sein exotisches Geschenk. Er nahm den Elefant gern auf Reisen mit, um allseits seine Macht zu demonstrieren. Eine Legende besagt, dass Karl der Große seinen Elefanten sogar als Kriegswaffe eingesetzt habe. Doch das gilt als ziemlich unwahrscheinlich, da Karl das Tier so sehr als Ausdruck seiner Macht und Würde schätzte und es wohl kaum der Gefahr eines gewaltsamen Todes ausgesetzt haben dürfte.

Überreste am Rhein?

Wie Abul Abbas zu Tode gekommen ist, wurde nie genau geklärt. Vermutlich starb er während oder unmittelbar nach einer Rheinüberquerung. Im 18. Jahrhundert sollen angeblich seine Knochenreste auf einem Feld nahe dem Flusslauf gefunden worden sein. Sie konnten aber nie zweifelsfrei zugeordnet werden, da sie in private Hände verkauft wurden und damit für die Forschung verloren waren. Es ist davon auszugehen, dass es möglicherweise nur die Überreste von eiszeitlichen Mammuts waren.  

Andere Herrscher und ihre exotischen Tiere

Exotische Tier-Geschenke wie Abul Abbas waren bei Hofe auch nach Karl dem Großen in Mode. So erhielt Fürst Lorenzo de Medici 1486 als Geschenk des Mamluken-Sultans Kait-Bay eine Giraffe. Das Tier sorgte bei seiner Ankunft in Florenz für großes Aufsehen.

Für Papst Papst Leo X. war 1515 ein indisches Panzernashorn als Geschenk bestimmt. Da es noch während des Transports starb, konnte der Papst sein exotisches Präsent später nur in ausgestopfter Form entgegennehmen.

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