Die Leipziger Blindenbibliothek

Lesen in Blindenschrift ist dank der Braille-Schrift über das Tasten mit dem Finger möglich.

 

Die Leipziger Blindenbücherei hat eine lange Geschichte. Die Deutsche Zentralbibliothek für Blinde (DZB) wurde schon 1894 gegründet. Damals hieß sie noch "Verein zur Beschaffung von Hochdruckschriften und Arbeitsmöglichkeiten für Blinde". Im Krieg wurde fast der gesamte Bestand von damals immerhin 26.000 Bänden zerstört.

Mittlerweile ist die DZB nicht nur Ausleihstelle für Bücher in Braille-Schrift, sondern auch selbst zu Verlag und Produktionsstätte geworden. Aktuell sind bei der Bücherei knapp 5.700 blinde und sehbehinderte Nutzer gemeldet. Diese können aus einem breiten Bestand auswählen. Obschon die meisten Nutzer der Bibliothek über 70 Jahre alt sind, gibt es auch Kinder - und Jugendbuchliteratur wie "Harry Potter" in Blindenschrift. Außerdem produziert die DZB auch Lehrbücher für Schulen.

Was ist Blindenschrift?

Louis Braille entwickelte im Jahr 1825 in Frankreich das System mit drei Punkten in zwei Spalten, die in Papier geprägt werden. Die Punkte sind etwa 1,5 Millimeter breit, so das ein "Blindenbuchstabe" etwa vier Millimeter breit und acht Millimeter hoch ist. Je nachdem, welche der Punkte geprägt sind, also mit den Fingerspitzen getastet werden können, und welche nicht, wird ein Buchstabe codiert.

Wie wird ein Braille-Buch produziert?

Zunächst wird der Originaltext eines Buches im PC eingelesen und von einem Programm in Blindenschrift übersetzt. Anschließend vergleichen ein Blinder und ein sehender Korrekturleser die Vorlage mit dem Original. Ist der Text fehlerfrei, dann wird der Braille-Text in weiche Zinkblechplatten geprägt. Das sind die Druckvorlagen, die ihre Erhebungen schließlich in spezielles Blindendruckpapier eingraben.

Auch Landkarten zum Tasten

Es gibt allerdings nicht nur Bücher in Blindenschrift, sondern auch Karten, die als kleines 3D-Modell, ein so genanntes Relief, in Bücher und Atlanten kommen. Dabei muss zunächst geklärt werden, welche Umrisse wichtig sind und im Relief dargestellt werden sollen. Zu viele tastbare Informationen wären verwirrend. Gefragt ist also die Kunst des Weglassens.

Die darzustellenden Oberflächen und Linien werden aus den verschiedensten Materialien gebastelt. Feine Fäden und Drähte stellen Flüsse und Straßen dar, glatte Folie vielleicht einen See. Es werden nicht nur Karten als Relief dargestellt, sondern etwa in Kinderbüchern auch Figuren.

Ganz Ohr!

Die Hörbücher erleben in den letzten Jahren einen Boom. Dabei hat die DZB schon seit den 50er Jahren Hörbücher produziert. In hauseigenen Studios nehmen Schauspieler und Rundfunksprecher die Bücher auf. Dabei unterscheiden sich Hör- und gedrucktes Buch in keiner Silbe. Noch werden die von der DZB produzierten Hörbücher nur auf Kassette vertrieben, aber Technologien wie die CD werden gerade ausprobiert.

Bücher frei Haus

Wer sich für eines der 14.000 Bücher entscheidet, bekommt sein Buch Versandkostenfrei mit der Post zugestellt. Die DZB hat eigene Versandkoffer, die sogar weltweit verschickt werden - ohne Kosten. Hat man das Buch fertig, dreht man den Adressaufkleber um, und das Buch gelangt umsonst zurück.

Noch mehr Spannende zum Thema Schrift, Lesen und Bücher findest du in WAS IST WAS Das Buch