Die Frage der Woche: Wie haben Menschen früher sich zeitlich orientiert, als man noch nicht vor und nach Christus verwendete?

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Die Frage der Woche: Wie haben Menschen früher sich zeitlich orientiert, als man noch nicht vor und nach Christus verwendete?

Jede Woche beantworten wir euch Fragen zu allen möglichen Themen. Heute fragt uns Bastian S. aus Ketsch: "Wie haben Menschen früher sich zeitlich orientiert, als man noch nicht vor und nach Christus verwendete?" Hier erfahrt ihr die Antwort ...


 

Die  Menschen, die vor vielen tausend Jahren lebten, wussten natürlich nicht, dass sie vor der Geburt Jesus Christus gelebt haben. Sie konnten deshalb auch nicht unser heutiges Zeitrechnungsschema verwenden. Zeitlich orientiert haben sie sich trotzdem.

Zeitorientierung an besonderen Ereignissen

Die meisten Kulturen nahmen damals besondere Ereignisse zum Anlass für ihre Zeitrechnung. So galt z.B. der Amtsantritt eines Herrschers, die Gründung einer Stadt oder einer Nation als erster zeitlicher Bezugspunkt.

Im alten Ägypten benutzte man beispielsweise Königslisten als Grundlage der Zeiterfassung. Auch in Rom gab es Consul-Listen zur Zeitrechnung.

Das heißt, man bezeichnete die Jahre gewöhnlich nach den amtierenden Consuln. Des Weiteren wurde in Rom mit Anno Urbis Conditae (im Jahr seit der Stadtgründung) die Zeit gemessen.

In China gibt es die 24 Dynastiegeschichten, die grundlegenden Werke der chinesischen Historiographie darstellen.

Im antiken Griechenland richtete man sich unter anderen nach Olympiaden. Eine Olympiade ist ein Zeitraum von vier Jahren, der in dem Jahr beginnt, in dem die Olympischen Sommerspiele abgehalten werden.

Im Mittelalter wurde bis zur Einführung des Gregorianischen Kalenders keine einheitlichen Datumsangaben verwendet. Statt dessen gab es einen Heiligenkalender, in dem jeder Tag einem Heiligen zugeordnet wurde. Zusammen mit besonderen Ereignissen wurde dann ein Zeitpunkt notiert, etwa: An Matthias, vier Jahre nach dem schwarzen Tod.


Zeitorientierung an religiösen Personen


Genau wie in unsere Zeitrechnung nach dem Gregorianischen Kalender, orientierten sich frühere  Kulturen an dem Gründer ihrer Kultur oder Religion.

Die noch heute in Israel verwendete jüdische Zeitrechnung beginnt ab der Erschaffung der Welt, dem 7. Oktober 3761 vor Christus.

Im Buddhismus orientiert man die Zeitrechnung traditionell am Todestag des Buddhas Siddhartha Gautama. Die islamische Jahreszählung beginnt in dem Jahr, als Mohammed von Mekka nach Medina übersiedelt.

Geologische Zeitalter

In der Geologie, der Wissenschaft vom Aufbau der Erde, wird für die Beschreibung sehr großer Zeiträume eine spezielle geologische Zeitskala verwendet.

Christliche Zeitrechnung


Zuerst folgten die christlichen Gemeinden der jeweils regional vorherrschenden Zeitrechnung. Bis der römische Mönch Dionysius Exiguus mit Hilfe des Neuen Testaments den Zeitpunkt der Geburt Jesus Christus berechnete.

Er datierte die Geburt auf das Jahr 754 seit der Gründung Roms. Hiermit begann die Christliche Zeitrechnung. Allerdings war ihm die mathematische Größe Null nicht bekannt, weshalb er das Geburtsjahr mit einer Eins datierte.

Der erste Historiker der die Christliche Zeitrechnung systematisch gebrauchte, war Beda Venerabilis. Zur Zeit Karl des Großen war sie bereits eine gebräuchliche Skala. Von dort aus verbreitete sich dieses Zeitrechnungsschema weltweit. Seit dem wird die Zeit in dem vom Christentum geprägten Teil der Welt in "vor Christi Geburt" und "nach Christi Geburt" eingeteilt.

Der gregorianische Kalender

Papst Gregor XIII beauftragte daher 1576 einige Astronomen, die einen Entwurf für eine Kalenderreform erarbeiten sollten.

Der neue Kalender, den man auch Gregorianischen Kalender nannte, kam dem Sonnenjahr von 365,2422 Tage wesentlich näher als der frühere Kalender. Erst in 3.300 Jahren weicht er um einen Tag vom Sonnenjahr ab.

Mehr über Papst Gregor und den Gregorianischen Kalender erfährst du, wenn du unten auf den entsprechenden Link klickst.

 

Gibt es andere Zeitrechnungen?


Nicht jede Zeitrechnung beginnt so wie unsere mit Christi Geburt.

Die jüdische Jahreszählung zum Beispiel fängt mit der Weltschöpfung an, die auf das Jahr 3761 v. Chr. angesetzt wird. Der Ausgangspunkt für die Zeitrechnung der Römer war die Gründung ihrer Stadt im Jahr 753 v. Chr.

Der mohammedanische Kalender beginnt dagegen erst mit dem Jahr 622 n. Chr. In diesem Jahr floh der Prophet Mohammed von Mekka nach Medina. Über die islamische Zeitrechnung gibt es einen anderen Artikel, der unter diesem Text verlinkt ist.

 

Viele verschiedene Kalender

Auch heute noch wird auf der ganzen Welt die Zeit nach verschiedenen Kalendern berechnet. Für internationale Absprachen hat man sich jedoch auf unseren Kalender geeinigt.

 

Übrigens: Der Begriff Kalender kommt aus dem Lateinischen. Im alten Rom wurde der erste Tag eines Monats öffentlich ausgerufen. Man nannte ihn "Calendae".

Text: RR, Stand: 31. 10. 2011, Bilder: WIW-Band 22: Die Zeit

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