S.D.I. Star Wars in der realen Welt

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S.D.I. Star Wars in der realen Welt

Auf dem Höhepunkt des so genannten Kalten Krieges wollte der damalige US-Präsident Ronald Reagan einen Waffengürtel im Weltraum installieren, um feindliche Interkontinentalraketen abschießen zu können. Er nannte es S.D.I, übersetzt bedeutet das "Strategische Verteidigungs-Initiative". Am 27. März 1986 stimmte auch Deutschland diesen Plänen zu.


Im Kalten Krieg richteten die Großmächte USA und Sowjetunion gegenseitig Interkontinentalraketen auf die großen Städte des Gegners aus. Keine wollte einen atomaren Erstschlag führen, aber jeder wollte dagegen gerüstet sein. Verlierer wären aber im Falle des Atomkrieges beide Seiten gewesen, denn ein Erstschlag hätte nur mit dem Abfeuern der eigenen Raketen beantwortet werden können in Endeffekt wäre die Erde vernichtet worden.


Laserstrahlen gegen Atomraketen


Dem US-Präsidenten Ronald Reagan genügte das nicht. Er wollte einen besseren Schutz für die USA erreichen und gleichzeitig den potenziellen Gegner noch mehr abschrecken. Am 23. März 1983 rief er deshalb ein komplexes Forschungsprojekt ins Leben. Es hatte die Errichtung eines Gürtels moderner teils boden-, teils satellitengestützter Waffen zum Ziel, die einen denkbaren atomaren Erstschlag der Sowjetunion abwehren sollten. Die gegnerischen Raketen sollten mittels weltraumgestützter Laserkanonen in der Luft zerstört werden, ehe sie in einer großen Stadt explodieren konnten.


Krieg in der Erdumlaufbahn


Wegen des großen Erfolges der gleichnamigen Kinofilme wurde dieses Vorhaben auch scherzhaft "Star Wars-Programm" genannt. Anti-Raketen-Raketen und atombetriebene Röntgenlaser sollten hoch droben im Weltraum die Erde umrunden. Doch bei den Militärs und Politikern gab es nicht nur Zustimmung. Viele reagierten verschreckt. Im Rüstungsdschungel bewanderte US-amerikanische Wissenschaftler warnten bald vor den Blendwerken einer real gewordenen Science-Fiction-Politik.


Problematische Technik


Die Wunschvorstellungen der SDI-Befürworter reichten weiter als die technischen Möglichkeiten, diese neu erdachten Waffen im Weltraum zu installieren. Das SDI-System sollte aus Aufklärungssatelliten, weltraumgestützten Laserkanonen und aus erdgebundenen Lasern bestehen. Die Aufklärungssatelliten sollten Raketenstarts registrieren und sofort die Anzahl und den Typ der Raketen erkennen. Die erdgebundenen Laser sollten durch Spiegel im All auf die fliegenden Raketen gerichtet werden, doch die dichte Erdatmosphäre zerstreute die tödlichen Laserstahlen in diffuse Wirkungslosigkeit.


Deutschland war dabei


1985 baten die USA die NATO sich an dem SDI-Programm zu beteiligen. Viele Länder lehnten ab, aber Deutschland sagte eine Unterstützung zu. Die CDU/FDP-Regierung unter Bundeskanzler Helmut Kohl erwartete sich dadurch einen Innovationsschub und Zugang zu neuer Hochtechnologie. Zur Zukunftstechnologie, die SDI benötigte,  gehörten vor allem auch leistungsfähige Computer, die es in den achtziger Jahren so noch nicht gab.


Allerdings waren nicht alle Deutschen so euphorisch wie die Regierung. Die SPD-Bundestagsfraktion hatte sich bereits am 2. April 1985 auf ein bedingungsloses "Nein" zu SDI festgelegt. In einem offenen Brief an Bundeskanzler Helmut Kohl lehnen am 3. Juli 1985 über 350 bundesdeutsche Wissenschaftler ihre Mitarbeit am SDI-Programm ab, weil die Stationierung von Waffensystemen im Weltall die letzten Hoffnungen auf Abrüstung zunichte machen würde.

Trotzdem werden am 27. März 1986 die geheimen Abkommen zwischen den USA und der Bundesrepublik unterzeichnet.


Ende einer Vision


Das Ende des Kalten Krieges bedeutete auch das Ende von SDI. Zwei Generationen amerikanischer Präsidenten hatten vom Krieg der Sterne geträumt, bis das Programm unter der Regierung Clinton 1993 eingefroren wurde.

Erst nach den Terroranschlägen im Jahr 2001 und die Drohung neuer Atommächte wie Nordkorea ließen den US-Präsidenten George W. Bush über eine Neuauflage des Projekts nachdenken. Die Resultate aus S.D.I gingen über in den Nachfolger "Ballistic Missile Defense" (BMD), der neuerdings auch unter dem Begriff "National Missile Defense" (NMD) firmiert.

Viele unabhängige Wissenschaftlern halten jedoch bis heute (Stand: 2006) eine Verteidigung gegen eine ganze Flotte angreifender Raketen und somit den vielbeschworenen "Schutzschild" für technisch unmöglich.



Text: RR 27. 3. 2006

Foto: PD-USGov-Military

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