Die Himmelsscheibe von Nebra

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Die Himmelsscheibe von Nebra

Vor fünf Jahren wurde in Nebra in Sachsen- Anhalt ein außergewöhnlicher Fund gemacht: Man entdeckte eine Himmelsscheibe aus der Bronzezeit. Heute gilt sie als die älteste konkrete Darstellung des Kosmos weltweit! Diese Scheibe steht nun gemeinsam mit einem weiteren archäologischen Fund von Weltrang, dem Sonnenwagen von Trundholm, im Mittelpunkt der Landesausstellung in Halle. Bis 24. April 2005 präsentiert das Landesmuseum für Vorgeschichte "Der geschmiedete Himmel - Die weite Welt im Herzen Europas vor 3600 Jahren".

Bronzefigur von Fardal, Nationalmuseum Kopenhagen

Was ist die Bronzezeit?

Die Entdeckung der Metallurgie, also der Erzverarbeitung, das Schmieden und Gießen von Metallen, hat die Geschichte der Menschheit stark beeinflusst. Im Mittelmeerraum war die Kupfer- und Goldverarbeitung bereits um 4500 vor Christus bekannt. Schmiede fanden heraus, wie sie Kupfer für Waffen und Gerätschaften härter machen konnten. Gab man zum Kupfer Zinn, wurde die Mischung, auch Legierung genannt, beim Schmelzen gehärtet und erhielt zudem eine goldglänzende Farbe. Neun Teile Kupfer und ein Teil Zinn ergaben Zinnbronze. Diese wurde ab 1500 vor Christus in Mitteleuropa ein begehrtes und kostbares Material für Waffen und Werkzeuge. Bronze bestimmte maßgeblich die Veränderungen des Lebens in dieser Zeit - daher der Name "Bronzezeit".

Wie Bronze den Handel in Schwung brachte

Doch die Erze für den Bronzeguss gab es nicht überall. Das Kupfer stammte in Mitteleuropa aus den Ostalpen, dem Erzgebirge, Thüringer Wald und Harz. Das seltene Zinn kam aus dem Erzgebirge oder aus Cornwell in England. Es entstanden Bergbau und neue Berufszweige. Außerdem trieben die neuen Waren wie Gewandnadeln, Rasiermesser, Schilde, Helme, Dolche, Schwerte oder auch Schmuck europaweit auch den Handel an. Da die Bronzeware teuer war konnten nur Adelige, Priester oder Könige sie sich leisten.

Der Sonnenwagen von Trundholm

Leihgabe aus dem Nationalmuseum Kopenhagen

Auf der Spur der Mythen und Riten der Bronzezeit ist der erste Themenbereich der Ausstellung. Spannend ist dabei der weltberühmte "Sonnenwagen von Trundholm", der eigentlich im dänischen Kopenhagen ausgestellt ist. Die Frage, wie der Mond oder die Sonne sich über den Himmel bewegten, faszinierte die Menschen. Für sie war die Erde eine Scheibe und darüber wölbte sich eine Kuppel. Sie stellten sich vor, dass ein Schiff die Sonne über den Himmelsozean brachte. Es konnte aber auch ein Pferdewagen sein, wie in der kleinen Skulptur "Sonnenwagen von Trundholm". Hier schafft die Sonne ihre nächtliche und tägliche Reise über den Himmel dank eines Pferdewagens.

Himmelsscheibe von Nebra Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle

Vor 3600 Jahren wurde die Scheibe gemeinsam mit wertvollen Schwertern, Schmuck und Gerät auf dem Gipfel des Mittelberges bei Nebra niedergelegt. Die geschmiedete Bronzescheibe mit Goldauflagen zeigt die bislang älteste konkrete Darstellung des Kosmos weltweit. Deshalb ist sie ein Schlüsselfund für die Archäologie, aber auch für die Astronomie und die Religionsgeschichte.

Auf ihr sind die Sonne, der Sichelmond und Sterne aus dünnem Goldblech angebracht. Außerdem eine "Sonnenbarke" und zwei so genannte Horizont- Bögen, von denen einer aber verloren gegangen ist. Nach Meinung der Forscher zeigt die Himmelsscheibe, wie ein Schiff die Sonne nach dem Untergang im Westen über das dunkle Wasser in den Osten trägt.

Dieser Fund belegt außerdem, dass die Menschen der Bronzezeit in Mitteldeutschland schon wussten, wie sich die Sterne bewegten und die Aussaat auf den Feldern danach richteten. 25 Kilometer vom Fundort der Himmelsscheibe entfernt steht auch das über 2000 Jahre alte Sonnenobservatorium. Forscher gehen davon aus, dass die Menschen damals die Sonnenscheibe als Kalender und für ihren Sonnenkult nutzten.

Bronzesichel von Frankenleben, Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle

Gerade die ungeheuren Schätze zeugen davon, wie reich Fürsten in Mitteldeutschland waren. Sie hatten sozusagen den Reichtum vor der Tür, denn Kupfer und Salz konnten sie abbauen und der Boden war ertragreich. Noch reicher wurden sie durch den Handel mit den begehrten Rohstoffen. Mächtige Grabanlagen, umfangreiche Bronzeschätze, Goldschmuck und einzigartige Prunkwaffen zeugen davon. Viele dieser Schätze aus Sachsen-Anhalt und Thüringen sind in der Ausstellung zu bewundern.

Skandal um den Fund

Vor fünf Jahren hatten Raubgräber die Himmelsscheibe auf dem Mittelberg bei Nebra ausgebuddelt und gestohlen. Dann verkauften sie den Schatz weiter. Im Februar 2002 fasste die Polizei ein Hehlerpärchen aus Nordrhein-Westfalen in einem Hotel in Basel, als die zwei die Scheibe verkaufen wollten. Die Polizei hatte eine Kaufaktion vorgetäuscht. 2003 waren die beiden zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Die Verteidigung hatte gegen dieses Urteil Berufung eingelegt.

Goldschiffchen von Nors aus dem Nationalmuseum Kopenhagen

Ähnlichkeiten in weiten Teilen Europas

Spannend ist, dass ähnliche Symbole Tausende Kilometer entfernt in weiten Teilen Europas ebenfalls auftauchten. Neben den 1600 Ausstellungsstücken aus dem Fundus des Museums, ergänzen außergewöhnliche Funde aus ganz Europa die Ausstellung. So erhält man einen umfassenden Eindruck vom Leben und der Kunst der Bronzezeit. Zu sehen sind neben der Himmelsscheibe von Nebra und dem Sonnenwagen von Trundholm zum Beispiel auch die Goldschiffchen von Nors in Dänemark, ein Rasiermesser mit Pferdeköpfen von Hallingkov oder Funde von den Britischen Inseln, Griechenland oder dem Libanon.

Ausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle:

"Der geschmiedete Himmel"

Richard-Wagner-Str. 9

06114 Halle (Saale)

Tel.: 0345 - 52 47-30

Fax: 0345 - 52 47-351

Eintritt: Erwachsene 6,- Euro / Ermäßigt 4,- Euro / Kinder 6-14 Jahre 2,- Euro

vom 15. Oktober 2004 bis 24. April 2005

Di - So, Feiertage: 9.00-19.00 Uhr.

Internet: www.archlsa.de/

-ab-14.10.04 Text / Fotos: von Juraj Lipták (München), die Bildrechte liegen beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Halle (Saale).

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt