Kongress der Weltraumforscher

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Kongress der Weltraumforscher

Am 25. Juli 2010 geht in Bremen der weltgrößte Raumfahrtkongress COSPAR zu Ende. Der Name ist eine Abkürzung für "Committee on Space Research". Das ist die Bezeichnung für einen internationaler Dachverband von Wissenschaftlern in der Weltraumforschung. Schwerpunkt dieser Tagung waren der Klimawandel und die Erkundung des Weltraums.

Die Nutzung des Weltraumes ist aus unserer modernen Welt nicht mehr wegzudenken: Wetterdaten, digitales Fernsehen, Geodaten für unsere Navigationssysteme - all das und vieles mehr kommt aus der Erdumlaufbahn, wo findige Wissenschaftler die passenden Satelliten geparkt haben.

Um sich in ihren Forschungsarbeiten auszutauschen, treffen sich die Weltraumforscher zu Kongressen. In Bremen fand bereits der 38. COSPAR-Kongress statt. Tausende Wissenschaftler, Ingenieure und Technologen aus 57 Ländern reisten zu diesem Treffen an, das alle zwei Jahre stattfindet - immer in einer anderen Stadt, in einem anderen Land.

Die Zukunft begann 1958

Nach dem Schock, den der Start des sowjetischen Sputnik-Satelliten im Jahr 1957 in der westlichen Welt verursacht hatte, wollten die Regierungen der so genannten "freien Welt" den Abstand zu den Sowjets rasch aufholen. So förderten sie die Weltraumforschung so gut es ging. Auf einem internationalen Kongress wurde COSPAR im Jahr 1958 gegründet. Es war als weltweites Forum für Weltraumwissenschaftler gedacht. Auch Wetterforscher und Astronomen waren willkommen.

Die Wissenschaftler wollten die aufkommenden Fragen aus einem rein wissenschaftlichen Blickwinkel behandeln und die Politik auf ihren Themen und Betrachtungen heraushalten.

Brücke zwischen Ost und West


Durch diese Selbstverpflichtung erreichte COSPAR eine Sonderstellung zwischen den Fronten des Kalten Krieges. Allerdings kam das erst später.


In den fünfziger und frühen sechziger Jahren gab es heftige Streitereien zwischen Ost und West vor allem um die neutrale Besetzung des Präsidenten-Postens. Das alleinige Vorschlagsrecht dafür hatten die US-amerikanische und die sowjetische Akademie.

Eine Vereinbarung der beiden Institute hielt die Politik aussen vor.  

Aus diesem Grund wurde COSPAR eine frühe und wichtige Brücke zwischen Ost und West.

Wissen für alle


Für den 2002 gewählten Präsidenten Roger-Maurice Bonnet vom französischen CNES (Zentrum für Raumfahrtstudien) stand vor allem der freie Zugang zum erforschten Wissen (Open Access") im Vordergrund.

Für ihn war es wichtig, dass die gesamte Wissenschaftsgemeinschaft ein Zugriffsrecht auf die Resultate nationaler Weltraum-Aktivitäten und der internationalen Raumstation bekam.

Tagungen mit Tradition

Der erste internationale COSPAR-Kongress fand im Januar 1960 in Nizza statt. In den 1980ern gingen die Veranstalter auf eine zweijährige Abfolge der Generalversammlungen über. In Bremen fand der 38. COSPAR-Kongress statt. Rund 4.500 Vorträge, Diskussionsforen und Poster-Präsentationen wurden den Teilnehmern geboten.


Ein anderer Blick auf die Erde

Aus dem All lassen sich mit Satelliten viele Prozesse auf der Erde einfacher verfolgen als von der Erdoberfläche aus.


Deshalb fördert COSPAR vor allem eine weltraumbezogene Grundlagenforschung und ihre Anwendung mit Raumsonden, Raketen und Ballonsonden. Gerade für die Erforschung des Klimawandels ist die Raumfahrt eine wichtige Hilfe.

Einige Vorträge beschäftigten sich mit der Suche oder Herstellung von Wasser auf anderen Himmelskörpern.

Bedrohlicher Weltraumschrott

Auch der zunehmende Weltraumschrott beschäftigte die Kongressteilnehmer. Mehrere tausend Tonnen Überreste von Raketen und anderen Raumfahrzeugen bedrohen nicht nur die über 800 aktiven Satelliten in der Umlaufbahn der Erde, sondern auch die Internationale Raumstation ISS und deren Versorgungsraumschiffe.




Paralleluniversen und schwarze Löcher

Auch theoretische Themen standen auf dem Programm. Es klang nach Science-Fiction, als über die Entstehung von schwarzen Löchern im All, die Existenz von Paralleluniversen und den Urknall diskutiert wurde.

Tatsächlich geht die Wissenschaft diese Themen ernsthaft an: 2020 startet die Weltraummission "LISA" (Laser Interferometer Space Antenna). Es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt der europäischen und amerikanischen Weltraumbehörden "ESA" und "NASA". Der Satellit soll ab 2020 nach schwarzen Löchern und verschmelzenden Galaxiezentren suchen.

Der nächste COSPAR Weltraumkongress wird vom 14 - 22 Juli 2012 in der indischen Stadt, Mysore abgehalten.

Wenn dich Raumfahrt interessiert, dann wirf doch auch einen Blick in unseren WAS IST WAS-Band 16: Planeten und Raumfahrt.


Text: RR, Stand: 25. 7. 2010, Fotos: Alfred-Wegener-Institut, ESA, NASA

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