Genetikkongress in Berlin

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Genetikkongress in Berlin

In Berlin findet vom 12. bis zum 17. Juli der alle fünf Jahre stattfindende Genetikkongress 2008 statt, erstmals seit 81 Jahren wieder in Deutschland. Unter den Vortragenden werden sechs Nobelpreisträger sein. Doch was ist Genetik, Gentechnologie und welche Gefahren gibt es?

Bekannte Wissenschaftler werden über verschiedene Themen wie Stammzellforschung, Genetik von Krankheiten und Zukunftstehmen wie Synthetische Biologie. Viele Menschen denken bei Genetik an die aktuell stark diskutierte Stammzellforschung oder an die unselige Geschichte der Genetik. Denn am 14. Juli erließen die Nazis in Deutschland das Gesetz zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses.


Der lange Schatten der Nazis

Das Gesetz der Nazis entsprach durchaus dem damaligen wissenschaftlichen Zeitgeist. Denn Wissenschaftler aus der ganzen Welt vertraten seit Ende des 19.Jahrhunderts unter dem Begriff Eugenik (gr. = gutes Geschlecht oder sinngemäß wertvolles Leben) die Ansicht, dass kranke Mitglieder der Gesellschaft lebensunwert seien. Sie würden die Gesellschaft viel Geld kosten und die Menschheit daran hindern, sich weiter zu entwickeln. Viele Wissenschaftler aus diesem Gebiet begrüßten die rassistische Politik Adolf Hitlers.


Krank bedeutete damals erbliche Taubheit oder Blindheit ebenso wie geistige oder körperliche Behinderung. Als Konsequenz aus dieser Ansicht entstand das genannte Gesetz. Es lieferte viele Menschen dem Tod in den Konzentrationslagern aus. Selbstverständlich bezog sich der Begriff Menschheit nur auf Menschen mit weißer Hautfarbe. Farbige und andere wurden ebenfalls als genetisch minderwertig aufgefasst.



Das ist der historische Grund, warum Genetik und Gentechnologie, insbesondere in Deutschland, bei vielen Menschen Unbehagen auslöst. Ein anderer Grund ist, dass Genetik und Gentechnologie tief ins lebendige eingreifen. Viele Menschen fassen es als Frevel und Versündigung an der Schöpfung auf, wenn Organismen so verändert werden, wie es in der Natur niemals möglich wäre, etwa leuchtende Fische zu züchten (siehe Glofish® links) oder Zellen von Mensch und Tier zu medizinischen Zwecken zu vermischen, woran aktuell in England geforscht wird.


Andere wiederum packt das Unbehagen ob dieser Technologie, weil sie ein Machtinstrument darstellt. So gibt es Versuche von großen Saatgutfirmen, Saatgut so zu manipulieren, dass nur einmal geerntet werden kann. Dann muss neues Saatgut gekauft werden, was Bauern und Verbraucher abhängig macht von diesen Herstellern.


Doch was ist Genetik und Gentechnologie eigentlich?



Die DNA - ein Riesenmolekül in jeder deiner mehreren Milliarden Zellen. Dort sind Informationen über die Entwicklung deiners Körpers gespeichert. Eine Hälfte deiner DNA hast du von deinem Vater, die andere von deiner Mutter. Gentechnik zielt nun auf die Veränderung dieser DNA, in Pflanzen, Tieren und im Menschen.

Dazu muss man wissen, dass jeder uns bekannte lebende Organismus aus einer fast unvorstellbaren Anzahl an Zellen besteht. Jede Zelle kann man sich als eine Art biologischer Maschine vorstellen. Damit die Maschine weiß, wie sie zu funktionieren hat, gibt es in jeder Zelle eines Organismus so genannte DNA. Sie besteht aus vier Buchstaben und beschreiben den Organismus vollständig. Die DNA wird oft als Buch des Lebens bezeichnet, denn alle uns bekannten Organismen besitzen DNA mit den gleichen Buchstaben der Schimmelpilz genauso wie der Löwe oder du!


Bestimmte Abschnitte auf der DNA beeinflussen Hautfarbe, Augenfarbe und überhaupt dein ganzes Erscheinungsbild und auch wie anfällig du für bestimmte Krankheiten bist. Diese Abschnitte nennt man auch Gene oder Erbanlagen. Ein Gen ist also ein sinnvoller zusammenhängender Text, der aus Worten besteht, der durch die vier Buchstaben des genetischen Alphabets gebildet wird.


Ausgewickelt beträgt die Länge der in deinem Körper vorhandenen DNA eine Länge von 150 Milliarden Kilometern! Das entspricht einer Strecke von vier Millionen Mal um den Äquator oder 1000 Mal von der Erde zur Sonne.


Genetik kann man auch als Vererbungslehre bezeichnen. Du hast vielleicht schon von Gregor Mendel und seinen Experimenten gehört? Genetik gehört zur Biologie und beschäftigt sich mit dem Aufbau und der Funktion von Genen.


Gentechnologie wiederum nutzt die Erkenntnisse der Genetik und verwendet Methoden aus der Molekularbiologie, der Physik und der Chemie, um die DNA zu verändern, um also neue Abschnitte oder ganze Seiten ins Buch des Lebens eines Organismus einzufügen oder zu löschen. In der öffentlichen Diskussion unterscheidet man drei Gebiete der Gentechnik oder Biotechnologie, auch wenn die Bezeichnung der Gebiete nicht wissenschaftlich sauber ist.


Weiße Biotechnologie: Die offizielle Definition sagt, dass hier die Werkzeuge der Natur in der industriellen Produktion verwendet werden. Klingt beeindruckend, ist aber im Prinzip nichts Neues: Die Gewinnung von Alkohol durch Hefe und die Gewinnung von Käse und Essig durch Bakterien wird schon seit Jahrtausenden praktiziert.


Neu ist der industrielle Maßstab: Heute werden mit Hilfe von gezielt gezüchteten Mikroorganismen Produkte gewonnen. Dazu gehören Medikamente wie Antibiotika, Substanzen wie Enzyme, die die Waschkraft von Waschmitteln verbessern oder auch Vitamine und Kunststoffe, die durch Mikroorganismen hergestellt werden. Auch Insulin für Diabetiker wird durch Mikroorganismen hergestellt.


Rote Biotechnologie: Dieser Begriff bezieht sich auf die medizinische Anwendung von Gentechnologie. Auch dieser Bereich hat seinen Ursprung schon vor mehreren Jahrzehnten, als Alexander Fleming das Penicillin entdeckte. Aktuell stehen Gentherapien in der Debatte. Dabei nutzt man Viren, deren eigenes Erbgut man entfernt hat, als Transporter für gesunde menschliche Gene. Dann injiziert man diese Viren in einen Menschen, der eine erbliche Krankheit hat und hofft, dass die gesunden Gene aus den Viren an der richtigen Stelle ins menschliche Erbgut eingebaut werden.


Grüne Biotechnologie: Auch als Agrargentechnik bekannt, ist dieses Gebiet am meisten in den Medien präsent. Besonders, wenn Gegner von Freilandversuchen Felder zerstören, auf denen genetisch veränderte Pflanzen wachsen. Grüne Gentechnik ist wohl am umstrittensten. Denn rote und weiße Gentechnik können sozusagen im geschlossenen Labor betrieben werden. Eine Verschmutzung der Umwelt durch veränderte Gene kann so nahezu ausgeschlossen werden.


Doch wenn in Pflanzen verändertes Erbgut eingesetzt wird und diese Pflanzen in die freie Natur gesetzt werden, dann kann es dazu kommen, dass sich diese Gen unkontrolliert in der Natur verbreitet, mit unvorhersehbaren Folgen für die Natur. und einmal freigesetzt, lassen sich Gene nicht wieder zurückholen. Und die Versprechen der Hersteller, dass man mit gentechnisch veränderten Pflanzen weniger Chemie auf die Felder sprühen muss, hat sich in der Form nicht bewahrheitet. Ausführliches dazu findet ihr im angehängten Link zu Greenpeace.


Die Verwendung von Farbbezeichnungen hat mit dem jeweiligen Arbeitsumfeld zu tun: Weiße Gentechnik findet in Labors statt, rote hat ihre Bezeichnung vom Blut, und grüne von denPflanzen. Es gibt auch noch graue Biotechnologie, die sich mit der Verwertung von Abfall befasst, sowie blaue, die sich mit Wasserlebewesen befasst.


Biotechnologie ist auf jeden Fall ein Wissenschaftsgebiet der Zukunft. Wie die Gesellschaft mit möglichen Risiken umgeht, sollte von Wissenschaftlern und Politikern mit der ganzen Bevölkerung diskutiert werden. Denn zweifelsohne hat die Gentechnologie in bestimmten Bereichen große Vorteile, wohingegen in anderen Forschungszweigen unkalkulierbare Gefahren lauern. Auch hat man Angst davor, dass man als Verbraucher irgendwann nicht mehr die Wahl haben wird zwischen gentechnisch veränderter und gentechnikfreier Nahrung.


Ein Science-Fiction-Film von 1989 beschreibt ein missglücktes genetisches Experiment: Veränderte Mikroorganismen verwandeln alles Papier auf der Welt in Zucker: Reiner Erler Zucker.

Text: -jj- 11.7.2008 // Bilder: Petrischale PD; Phage: Gleiberg cc-by-sa; DNA Brian0918 PD; Bioreaktor Eva Decker/PD; Fisch: http://www.glofish.com;

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