Tschernobyl - 20 Jahre nach der Atomkatastrophe

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Tschernobyl - Die Atomkatastrophe von 1986

Wie viele Menschen in Folge des Super GAU am 26. April 1986 in Tschernobyl ums Leben kamen, darüber streiten sich momentan Umweltorganisationen, Politiker und Atomlobby. Die Schätzungen von Experten schwanken zwischen 1.000 und 100.000 Opfern. Eines steht jedoch 20 Jahre nach der Katastrophe in Weißrussland fest: Es war der schwerste Unfall in einem Kraftwerk, den es seit der friedlichen Nutzung der Atomkraft jemals gegeben hat.


Auslöser des Unglücks war ein Experiment, bei dem man die sichere Notabschaltung des Reaktors überprüfen wollte. Warum der Versuch aus dem Ruder lief, es zur folgenschweren Kernschmelze kam und Block 4 explodierte, wurde nie ganz geklärt. Als Ursachen gelten heute aber die baubedingten Eigenschaften des Reaktors, extreme Sicherheitsmängel, Verletzung der Betriebsvorschriften, menschliches Versagen und mangelnde Erfahrung und Ausbildung des Personals.

Absolute Geheimhaltung

Von der russischen Regierung wird der GAU zunächst geheim gehalten. Auch in unmittelbarer Umgebung erfährt die Bevölkerung nichts. Erst drei Tage später - als in Skandinavien bereits stark erhöhte Radioaktivitätswerte gemessen werden - wird ein Zwischenfall eingeräumt, bei dem angeblich zwei Menschen ums Leben gekommen sein sollen. Inzwischen wird alles versucht, um die Spuren der Katastrophe zu beseitigen. Bereits am Morgen nach dem Störfall werden 1.000 so genannte Liquidatoren und Feuerwehrleute zum löschen und aufräumen ins Kraftwerk geschickt - und damit fast schutzlos der Strahlung ausgeliefert.

Die Wolke kennt keine Grenzen

Bei uns wird zunächst Entwarnung gegeben. Tschernobyl sei schließlich 1.800 Kilometer entfernt und eine Gefährdung der Menschen bei uns deshalb völlig ausgeschlossen. Doch zu diesem Zeitpunkt ist die radioaktive Wolke schon längst zu uns unterwegs. Vor allem in Bayern entlädt sie sich am 31. April und 1. Mai in zum Teil heftigen Regenschauern. Die Folgen sind noch heute spürbar: Pilze, Wild und Waldbeeren haben stark erhöhte Belastungswerte.


Angst und Verunsicherung

Dass Deutschland auf einen solchen Ernstfall nicht richtig vorbereitet war, spürt man in den kommenden Wochen und Monaten. Krisenstäbe werden gebildet und wieder aufgelöst, Warnungen herausgegeben und wieder zurück genommen, jedes Bundesland betreibt seine eigene Informationspolitik. Bei den Bürgern macht sich Angst und Verunsicherung breit.

Grenzwertig

Dürfen noch alle Lebensmittel gegessen werden? Sollen Kinder noch im Freien spielen? Was tun, wenn man in den Regen kommt? Zeitweise werden sogar Spielplätze und Sportanlagen gesperrt. Klassenfahrten in Ostblockstaaten finden gar nicht mehr statt. Und bei Blattgemüse und Frischmilchprodukten werden die Verbraucher vorsichtig. Schwangeren und Kleinkindern rät man teilweise sogar ganz auf bestimmte Produkte zu verzichten.

Glück im Unglück?


Wir scheinen Glück im Unglück gehabt zu haben: Die radioaktive Wolke hat vor allem Jod 131 nach Deutschland getragen, das innerhalb weniger Wochen vollständig wieder abgebaut wurde. Doch auch das gefährliche Cäsium 137 gelangte in den Boden und damit in die Nahrungskette. Dieser radioaktive Stoff hat eine Halbwertszeit von 30 Jahren. Das bedeutet nach 30 Jahren - also im Jahr 2016 - ist immer noch die Hälfte der ursprünglichen Menge Cäsium vorhanden.


Evakuation nach einem Monat

Natürlich kein Vergleich zu den Gefahren, denen die Menschen in Tschernobyl und Umgebung ausgesetzt waren. Das Gebiet wurde erst vier Wochen nach der Katastrophe offiziell evakuiert. Und vier Jahre später gaben die Russen erste Zahlen über tote und erkrankte Personen bekannt und stellten geringe Hilfsleistungen zur Verfügung.

Geisterstadt Tschernobyl

Bis heute sind in Tschernobyl die Spuren des Atomunfalls sichtbar: Ganze Landstriche sind verwaist und in direkter Umgebung des mittlerweile abgeschalteten Reaktors unbewohnbar geworden.  Viele Menschen haben gesundheitliche Probleme. Welche man wirklich auf den GAU zurückführen kann ist umstritten. Als gesichert gilt jedoch die deutlich angestiegene Zahl von Schilddrüsenkrebs bei Kindern.

Atomausstieg ist beschlossene Sache

Nicht zuletzt Tschernobyl und hat der Anti-Atomkraftbewegung wieder neuen Rückenwind verschafft.

Veraltete Technik in Russland

Weltweit ist eine nachhaltige Energiewende aber noch nicht in Sicht. Rund um den Globus sind 441 Atomreaktoren in Betrieb. Besonders beunruhigend: Noch immer liefern 16 mit Tschernobyl baugleiche Reaktoren Energie. Davon steht eines in Litauen, 15 in Russland.

Nic 26.04.2006 / Fotos: Photo Disc Science, technology and medicine, European People, Business and Lifestyles, Grafik: WAS IST WAS Energie, Band 3
Tschernobyl - 20 Jahre nach der Atomkatastrophe

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