Mit den Augen hören? - Deutscher Zukunftspreis 2005

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Mit den Augen hören? - Deutscher Zukunftspreis 2005

Am 11.11.2005 wurde der Deutsche Zukunftspreis 2005 von Bundespräsident Horst Köhler im Berliner Congress Center verliehen. Der Preis wird bereits seit 1997 vergeben und der Gewinner erhält 250 000 Euro. "Mit dem Deutschen Zukunftspreis will ich ein Schlaglicht auf die enorme Leistungsfähigkeit von Wissenschaft und Forschung in Deutschland werfen", so der Bundespräsident. "Und ich möchte die Forscher und Entwickler würdigen, die hinter diesen Leistungen stehen."

Bundespräsident Horst Köhler nimmt die Preisverleihung am 11.11.2005 vor.

Wer kann den Preis bekommen?

Für den Preis können sich Forscher und Wissenschaftler nicht selbst bewerben. Anwärter werden von ausgewählten Organisationen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik vorgeschlagen, wie zum Beispiel dem BDI (Bundesverband der deutschen Industrie), dem Zentralverband des deutschen Handwerks oder dem Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Finanziert wird der Preis von deutschen Unternehmen und Stiftungen. Bereits am 6. September dieses Jahres hat das Bundespräsidialamt die vier Projekte bekannt gegeben, deren Teilnehmer heute hoffen dürfen den begehrten Preis zu erhalten. Der Preisträger wird von einer unabhängigen Jury ausgesucht, die aus bedeutenden Vertretern der Wissenschaft und Wirtschaft zusammengesetzt ist. Die für den Preis nominierten Projekte kommen aus verschiedenen Forschungsrichtungen.

Geringerer Kraftstoffverbrauch - geringere Umweltbelastung

Der Piezo-Injektor wird in den Motor eingebaut. Dadurch braucht der Motor weniger Benzin oder Diesel.

Eines der ausgewählten Wissenschaftlerteams hat ein neues Einspritzsystem für Diesel- und Benzinmotoren entwickelt ("Piezo-Injektoren"). Durch dieses neue System kann der Kraftstoffverbrauch von Motoren gesenkt werden, was zu einer geringeren Umweltbelastung führt. Ein geringerer Verbrauch von fossilen Brennstoffen, wie Diesel oder Benzin, ist auch deshalb ein wichtiges Ziel, da sie nur in begrenzter Menge auf der Erde vorhanden sind.

Von der Natur abgeschaut

Dank F-500 ist die Pflanze auf umweltverträgliche Art und Weise vor Pilzkrankheiten geschützt.

Ein Forschungsteam aus dem Bereich Chemie hat einen neuen Wirkstoff entwickelt, mit dem Pflanzen ihre Abwehrkräfte gegen schädliche Pilzkrankheiten stärken können und sie insgesamt leistungsfähiger macht. Vorbild für diesen neuen Wirkstoff ist eine natürliche Substanz, mit der sich der Kiefernzapfenrübling - ein Waldpilz - seine Nahrungskonkurrenten, andere Waldpilze, auf Abstand hält. Diese natürliche Substanz ("F-500") wurde im Labor chemisch "nachgebaut" und zeichnet sich durch eine hohe Umweltverträglichkeit aus. Diese Neuentwicklung ist vor allem für die Landwirtschaft von großem Nutzen.

Lebensrettende Röntgenstrahlen

Der Herzinfarkt ist in Deutschland die Todesursache Nr.1. Verantwortlich für einen Infarkt sind häufig Verengungen in den Adern, die das Herz mit Blut versorgen sollen (Herzkranzgefäße). Könnte man diese Verengungen früher feststellen, wäre es möglich vielen Menschen das Leben zu retten.

Eine spezielle Röntgentechnik kann das Risiko vor Herzinfarkt senken. Hier eine Aufnahme des Hirns mit der neuen Technik.

Mit der herkömmlichen Röntgentechnik ist es aber sehr schwierig, Aufnahmen des schlagenden Herzens zu machen, da die Bilder leicht verwackeln und kleine Veränderungen in den Herzkranzgefäßen dadurch schlecht sichtbar werden. Eine der nominierten Forschungsgruppen hat nun eine neue, sehr leistungsstarke Röntgentechnik ("Straton") entwickelt, mit der eine wesentlich schnellere Bildaufnahme pro Sekunde möglich ist. Dadurch erhält man Röntgenbilder von viel besserer Qualität, was in vielen Fällen Unfallopfern oder Herzinfarktpatienten das Leben retten kann.


Mit den Augen hören: Die akustische Kamera

Bei der akustischen Kamera handelt es sich wohl um die erstaunlichste wissenschaftliche Entwicklung unter den vier Nominierten. Diese neue Kamera besteht aus einer Digitalkamera, die ein schallerzeugendes Objekt, beispielsweise eine Maschine, abbildet. Gleichzeitig nehmen mehrere Mikrofone die Schallwellen auf, die von dem Objekt ausgehen.

Die akustische Kamera im Einsatz: Hier wird das Motorengeräusch aufgenommen.

Eine speziell entwickelte Software rechnet dann anhand der ermittelten Daten präzise aus, wo der Schall herkommt und es entsteht innerhalb von Sekunden ein "Schallfoto". Darauf sieht man sofort, kenntlich gemacht durch unterschiedliche Farbschattierungen, wo es laut oder leise ist.

Lärm ist ein bisher stark unterschätztes Umweltgift. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass das Herzinfarktrisiko bei ständiger Lärmbelästigung erheblich steigt. Das betrifft zum Beispiel Menschen die ganz nah an einer Autobahn wohnen.

Die Kamera kann aber nicht nur im Lärmschutz eingesetzt werden, sondern beispielsweise auch in der Automobil- oder Lebensmittelindustrie. Das Krachen von Keksen beim Reinbeißen oder das Zuschlagen von Autotüren sollte einen ganz bestimmten Klang haben, damit sich die Produkte besser verkaufen. Man nennt dies "Sounddesign" (Tongestaltung). Der Klang eines Produkts ist heutzutage ein Qualitätsmerkmal und mithilfe der akustischen Kamera kann ein gewünschtes oder auch unerwünschtes Geräusch genau definiert und überwacht werden.

Die Jury hat sich entschieden! Den diesjährigen Zukunftspreis erhält das Projekt: Piezo-Injektoren: neue Technik für saubere und sparsame Diesel- und Benzinmotorener!

Am 11.11.2005 werden von 22. 20 Uhr - 23. 05 Uhr die Höhepunkte der Preisverleihung im ZDF gesendet.

Weitere Informationen zum Zukunftspreis, den Nominierten und den Preisträgern findest du auf www.deutscher-zukunftspreis.de

Text: CP 10.11.2005 / Fotos: © Büro Deutscher Zukunftspreis.

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