Dioxin in Lebensmitteln

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Dioxin in Lebensmitteln

Das Jahr der Chemie 2011 begann gleich mit einem handfesten Lebensmittelskandal. Eine Firma aus Niedersachsen lieferte dem Verbraucher mit Dioxin verunreinigte Industrieölrückstände auf den Teller. Doch was ist Dioxin überhaupt, und wie kommt es in unser Essen?

Rein chemisch gesehen sind Dioxine bestimmte heterocyclische Verbindungen (ungesättigte Sechsringe) die zwei Sauerstoffatome enthalten.

Heterocyclen sind chemische Verbindungen mit ringbildenden (=cyclischen)  Atomen aus mindestens zwei verschiedenen chemischen Elementen.

Das ist die leider nicht leicht verständliche chemische Definition. Aktuell steht Dioxin in verschiedenen Zusammenhängen für bestimmte Umweltgifte, wie  polychlorierte (kurz PCDD/PCDF) und polybromierte (kurz PBDD/PBDF) Dibenzodioxine und Dibenzofurane. Das bekannteste davon ist 2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin (2,3,7,8-TCDD), das Sevesodioxin.

Das Seveso-Gift

Traurige Berühmtheit erlangte Dioxin am 10. Juli 1976 in der norditalienischen Stadt Seveso.

Durch eine Expolosion bei der Firma Icmesa entwichen zwischen einem und drei Kilogramm 2,3,7,8-TCDD (siehe oben). Eine rötlichbraune Wolke verteilte sich in der Region.

Die Folgen waren fürchterlich: Vögel fielen tot zu Boden, 3300 tote Tiere wurden gefunden, meistens Nager wie Mäuse und Kaninchen. Bäume und Sträucher verloren ihr Laub. 200 Menschen erkrankten an einer entstellenden Chlorakne.

In dieser Katastrophe wurzelt die Angst, die Dioxin bei den Menschen auslöst.

Gefährliche Anlagen

Bis zur Seveso-Katastrophe ging man sehr sorglos mit Dioxinen um.

Diese entwichen aus Anlagen der Metallindustrie, aus Müllverbrennungsanlagen und privaten Kaminen in die Luft.

Durch verbesserte Rauchgasreinigung haben die Emissionen in den letzten Jahren jedoch deutlich abgenommen.



Problematische Heizungen

Inzwischen haben sich Heizungen zum zweitgrößten Emittenden von Dioxin gleich nach Industrieanlagen entwickelt. Die illegale Abfallverbrennung im Kamin oder im Garten macht heute einen großen Anteil der Dioxinemissionen aus. Die wilde Verbrennung von einem Kilogramm Abfall belastet die Umwelt so stark wie die Entsorgung von zehn Tonnen in einer modernen Müllverbrennungsanlage.


Kriminelle Machenschaften


Niemand will Dioxin im Essen haben. Wenn es in unzulässig hohen Dosierungen zu finden ist, lesen wir in der Presse regelmäßig von Skandalen.

So löste Dioxin im Jahr 1999 in Belgien eine politische Krise aus, weil dort massenhaft Fleisch, Milch und Eier dixinverseucht waren. Die Tiere hatten Futter erhalten, das mit Sondermüll gestreckt worden war.

Solche kriminellen Machenschaften sorgen immer wieder für Aufregung.

Altöl im Hühnerfleisch

Im Dezember 2010 wurden in deutschen Futtermittelbetrieben belastete Proben von Eiern und Geflügelfleisch gefunden. Als Quelle der Dioxinkontamination erwies sich der niedersächsische Futtermittelproduzent Harles und Jentzsch. Dort waren für die Herstellung von Tierfutterfetten technische Fette aus der Biodieselproduktion verwendet worden.

Nach Schätzungen der Bundesregierung wurden bis zu 3000 Tonnen belastetes Tierfutterfett hergestellt und an Legehennen, Mastschweine und Mastgeflügel verfüttert.

Hilflose Politiker

Von Politikern wird in solchen Fällen schnelles und klares Handeln erwartet, noch sie sind meist von der Situation überfordert.


Bis Anfang Januar 2011 wurden mehr als 4700 landwirtschaftliche Betriebe gesperrt.

Eine übereifrige Kreisbehörde in Norrhein-Westfalen ließ sogar 8000 Legehennen töten. Experten halten diese Maßnahmen für ungerechtfertigt und für einen Verstoß gegen Tierschutzgesetze. So eine Maßnahme wäre nur im Seuchenfall angemessen, nicht aber bei Dioxin. Hier müssten die Tiere nur länger im Stall stehen.

Können wir noch Eier und Schweinefleisch essen?

Eindeutig ja. Die Grenzwerte für Dioxin im Nahrungsmittel sind so niedrig angesetzt worden, dass für einen normal essenden Verbraucher keine Gefahr besteht.

Die Belastung wird erst dann gefährlich, wenn jemand regelmäßig über viele Wochen hinweg kontaminiertes Fleisch oder Eier verzehrt.

Im aktuellen Fall sieht das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) keine akute Gesundheitsgefahr für Verbraucher.

Sollten wir uns lieber vegetarisch ernähren?

Eine vegetarische Ernährungsweise ist besser für die Umwelt, da die Nahrung direkt als Obst und Gemüse aufgenommen wird und nicht erst über den Umweg durch das Tier als Fleisch gegessen wird.

Gegen Dioxin schützt aber eine vegetarische Ernährung nicht, da auch Gemüse belastet sein kann.

Der Mensch nimmt Dioxin sogar über die Lunge auf: Eingeatmeter Feinstaub ist gefährlich und kann langfristig zu Schädigungen führen. Besonders Raucher sind hiervon betroffen.

Dioxin als Waffe

Sogar bei einem hinterhältigen Attentat wurde Dioxin verwendet: Viktor Juschtschenko war bis Februar 2010 Präsident der Ukraine. Im Wahlkampf 2004 war er Opfer eines Dioxinattentats.


Sein Gesicht wurde durch eine Clorakne entstellt, ein Gesichtsnerv war gelähmt, die inneren Organe entzündet und die Leber geschwollen. Obwohl die Dioxinkonzentration in seinem Blut 50.000mal höher als der Normalwert war, überlebte der Politiker.


Was bewirkt Dioxin im Körper?


Obwohl sich die Seveso-Katastrophe schon 1976 ereignet hat, wissen die Mediziner bis heute nicht genau, was Dioxin im menschlichen Körper bewirkt.


Aus Tierversuchen ist bekannt, dass sich Dioxin vor allem in der Leber und im Fettgewebe ablagert. Bei Meerschweinchen stirbt die Hälfte der Tiere, wenn sie 0,6 millionstel Gramm (Mikrogramm) Seveso-Dioxin pro Kilogramm Körpergewicht verabreicht bekommen.


Einige Dioxine gelten als Krebs fördernd. Experten berichten von Störungen des Immunsystems, des Nervensystems und des Hormonhaushalts.

Für die Menschen von Seveso endete die Katastrophe noch verhältnismäßig glimpflich. Zwar hinterließ die Chlorakne Narben auf der Haut der Betroffenen, doch weder hatte sich die Krebsrate in der Gegend erhöht, noch sind Mißbildungen aufgetreten. Bis heute sind keine schweren Langzeitschäden bekannt geworden.

Ein Freibrief für kriminelle Machenschaften wie im aktuellen Dioxin-Skandal ist das aber nicht. Die augenblickliche Empörung der Öffentlichkeit und die Konzentration der Politik auf dieses Thema ist durchaus angebracht und wichtig.

Text: RR, Stand 14. 1. 2010, Bilder: Wikipedia

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