Das Mikroskop: Einblick in die Welt der kleinsten Bausteine

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Das Mikroskop: Einblick in die Welt der kleinsten Bausteine

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde das einfache Mikroskop erfunden. Man stellte fest, dass man bei einem Blick durch mehrere Linsen, die in bestimmten Abstand angeordnet waren, kleinste Teile vergrößert sehen konnte. Eine Erfindung, die den Blick in eine bisher unbekannte Welt und neue Auffassungen der Welt ermöglichte!

Ein Haar unter einem Mikroskop betrachtet

Über die Anfänge des Mikroskops...

... streiten sich die Gelehrten. Man kann das Datum 30.08.1590 als Tag der Erfindung des Mikroskops genauso finden, wie "um 1590" oder "um 1595".

Es heißt, zwei Linsenschleifer und Brillenmacher aus dem holländischen Middelburg hätten gleichzeitig und eher zufällig das Fernrohr sowie das Mikroskop entdeckt: Um den Schleifvorgang zu kontrollieren, benutzten sie Lupen. Dabei kamen sie auf die Idee, eine Linse durch eine andere zu betrachten. Wenn der Abstand zufällig der richtige war, konnten sie, je nach Linse, entweder weit entfernte Dinge ganz nah oder winzig kleine Dinge vergrößert sehen. Auf diese Art, so die Überlieferung, seien das Fernrohr und das Mikroskop erfunden worden.

Diese Geschichte wird heute von Forschern angezweifelt. Wer genau wann das Mikroskop erfand ist wohl nicht mehr nachzuvollziehen. Sicher ist aber, dass sich die Kenntnis der neuen Erfindungen in Europa wie ein Lauffeuer verbreitete. 1609 entdeckte schließlich auch der italienische Naturforscher Galileo Galilei mit seinem selbst gebauten Fernrohr die Mondkrater und die Jupitermonde.

Hirnrinde unter dem Mikroskop

Der Name: Klein-Schauer

Auch der Name "Mikroskop" entstand im 17. Jahrhundert. Galilei war Mitglied einer Gesellschaft von Gelehrten in Rom, der Academia die Lincei. Sie gab den beiden neuen Erfindungen ihre griechische Namen: Das Fernrohr wurde "Telescopium" von "tele" = fern und "scopium" von "scopein" = beobachten genannt. Also ein "Fern-Schauer" oder "Fern-Beobachter".

Das "Microscopium" wurde aus "micros" = klein und "scopein" = beobachten gebildet. Also "Klein-Schauer" oder "Klein-Beobachter". Diese Beobachtung des Kleinen, der bisher unbekannten Welten, eröffnete ganz neue Ansichten und wissenschaftliche Entdeckungen.

Ein Herzmuskel "genauer" betrachtet

Erste Erkenntnisse

Von Beginn an, waren die Forscher von den Möglichkeiten des Fernglases fasziniert, sie untersuchten den Mond und die Sterne. Dagegen wurde das Mikroskop bis ins 18. Jahrhundert mehr als Spielzeug gesehen, unter dem man Flöhe genauer "unter die Lupe nehmen" konnte. Mikroskope waren damals auch noch sehr schwer herzustellen, weil man dafür sehr kleine, stark vergrößernde Linsen schleifen musste.

Doch auch damals gab es schon kluge Köpfe, die die Möglichkeiten des Mikroskops erkannten: So zum Beispiel Athanasius Kircher, der als einer der ersten Krankheitsursachen unter dem Mikroskop erforschte.

Das Innere einer Zelle

Oder der englische Physiker Robert Hooke, der 1665 seine Erkenntnisse in dem Buch "Micrographia" veröffentlichte. Hooke hatte unter dem selbstgebauten Mikroskop Korkscheiben untersucht und dabei winzige Bausteine entdeckt, die er "Zellen" nannte.

Der glasklare Blick

Besondere Entdeckungen gelangen einem Hobby-Forscher, dem holländischen Tuchhändler und Krämer Antoni van Leeuwenhoek. Er untersuchte den Feinbau von Insekten, die roten Blutkörperchen, Spermien, Bakterien und Schimmelpilze.

Portät des holländischen Tuchhändlers van Leeuwenhoek

Leeuwenhoek war fasziniert von dieser neuen Welt, die sich ihm unter dem Mikroskop offenbarte und so lernte er, wie man die Linsen richtig schleifen musste. Er wusste, dass nur ganz glatte Linsen, die im Inneren keine Blasen hatten, optimal funktionierten. Also baute er sich Mikroskope mit zwar nur einer, aber dafür einer sehr stark vergrößernden solchen Linse. Diese bestanden aus oft nur stecknadelgroßen, blasenfreien Glaskügelchen. Er verfeinerte seine Technik immer mehr und erreichte so eine bis zu 270fache Vergrößerung.

Das Mikroskop offenbart die Struktur der Kieselalge

Den Geheimnissen des Kleinsten auf der Spur

So konnte er die roten Blutkörperchen genauer beschreiben als ihre Entdecker. Aufsehen erregte er mit dem, was er in Wassertropfen entdeckte: Er sah winzige Gebilde, die dem bloßen Auge verborgen blieben, die aber mit allen Anzeichen des Lebens ausgestattet waren. Heute nennen wir diese "Urtierchen" die Protozoen. Damit bewies er, dass nicht nur Gegenstände, sondern auch Lebewesen von solcher Winzigkeit gab, dass man sie mit dem einfachen Auge nicht mehr ehen konnte. Damit tat sich auch ein neues wissenschaftliches Feld auf: die Mikrobiologie.

Erkennt ihr es? Das ist Blütenpollen unter dem Mikroskop.

Doch zunächst forschte van Leeuwenhoek nur für sich. Erst ab 1673 wurde ihm erlaubt, seine Beobachtungen an die berühmte englische Akademie der Wissenschaften, die Royal Soyiety weiterzugeben. Mit seinen Untersuchungen wurde er nach und nach in Fachkreisen berühmt.

1683 entdeckte er unter dem Mikroskop kaum sichtbare Lebewesen, die noch erheblich kleiner als die Protozoen waren - die Bakterien. Schließlich machten ihn seine Arbeiten so berühmt, dass van Leeuvenhoek von Königen und dem russischen Zaren besucht wurde.

Seine Entdeckungen waren wegweisend auf dem Weg ins Innere der Strukturen.

Wenn ihr noch mehr zum Thema Mikrokosmos, Mikroskopie, zu Elektronen-, Rasterelektronen- oder Lichtmikroskopen, zur Untersuchung von Insekten oder zum Leben in einem Wassertropfen erfahren möchtet, dann empfehlen wir euch den WAS IST WAS Band 8 Das Mikroskop. Da bekommt ihr auch Tipps, wie ihr selbst am besten die Welt des Allerkleinsten erkunden könnt!

Linktipps:

Das Mikroskop Museum.
Vortrag zur Geschichte des Mikroskops mit Bildern der Instrumente.

-ab-29.08.2005 Text / Fotos Gemälde: Wikipedia/ National Library of Medicine; Mikroskopaufnahmen: PD "Science, Technology and Medicine" und PD

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