Bilder vom schlagenden Herzen

Am 24. September 1968 gelang japanischen Wissenschaftlern ein Meilenstein im Bereich Herzdiagnostik: Sie präsentierten eine Kleinstkamera, die über Blutbahnen in die Herzkammern gelangte und Aufnahmen des menschlichen Herzens lieferte. Damit sollten Schädigungen an dem lebenswichtigen Organ künftig frühzeitig erkannt und behandelt werden können.

Das menschliche Herz wird besungen und verkitscht. Wer vom Herz spricht, zielt meist auf tiefste Gefühle, dabei ist dieses Organ nüchtern gesehen nur ein muskuläres Hohlorgan, das den Körper mit Blut versorgt und dadurch die Durchblutung aller Organe sichert. Ohne die rekordverdächtige Arbeit unseres Herzens könnten wir nicht existieren.

Wie arbeitet das Herz?

Zwei Pumpen treiben das Blut durch die Blutgefäße im Kreis herum. In allen höheren Lebewesen haben sich linkes und rechtes Herz zu einem einzigen Organ zusammengeschlossen.

Das Herz besteht aus zwei Kammern und ist normalerweise 300 Gramm schwer. Es zieht sich 60 bis 70mal in der Minute zusammen. Mit 100.000 Schlägen presst das Herz täglich 15.000 Liter Blut durch die feinen Kapillarnetze der Organe. Dabei leistet das faustgroße Organ die selbe Arbeit wie ein Lastenträger, der 30 Zentner Kohlen vom Hof hinauf in den 3. Stock schleppt. Wohlgemerkt ist das nur die Mindestleistung. Bei jeder größeren Anstrengung leistet das Herz fünfmal so viel.

Während jeder andere Muskel vom Gehirn kommandiert wird, besitzt das Herz einen eigenen Schrittmacher: den Sinusknoten, das ist eine hirsekorngroße Ansammlung von Nervenzellen in der Wand des rechten Vorhofs. Dieser Knoten erteilt dem Herzen elektrische Befehle, die sich während des Herzschlags über den ganzen Körper ausbreiten.

Erkrankungen

Es gibt Herzfehler, die angeboren sein können - deshalb gibt es auch herzkranke Kinder - und koronare Herzkrankheiten (KHK). Hier ist der Hohlraum der Blutgefäße, die das Herz versorgen (Herzkranzgefäße, Koronararterien), eingeengt und die Herzwand wird nicht in ausreichenem Umfang mit Blut und Sauerstoff versorgt. Ein Eingriff, z.B. eine Bypass-Operation, kann notwendig werden.

Bei einem Herzinfarkt sind diese Gefäße durch Kalk oder ein Blutgerinnsel verstopft. Dadurch wird die Blutzufuhr zu einem bestimmten Herzmuskelbereich unterbrochen und dieser ist von der lebensnotwendigen Sauerstoff- und Energiezufuhr abgeschnitten. Das betroffene Herzmuskelgewebe stirbt ab und das Herz kann nicht mehr richtig schlagen - der Betroffene hat einen Herzinfarkt.

Das Risiko steigt unter anderem bei Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck, schlechter Blutfettzusammensetzung und beim Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).

Sitz der Seele

Früher bedeuteten Herzkrankheiten meist ein Todesurteil. Den Medizinern wurde ihre Arbeit oft von der Gesellschaft sehr erschwert. Das Herz galt noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts als Sitz der Seele, und der Stillstand des Herzens wurde mit dem Ende des Lebens gleichgesetzt; wer hier eingriff, versündigte sich.

Der New Yorker Kardiologe Alfred Hyman wurde in den Dreißiger Jahren noch vor Gericht gezerrt, weil er mit einem elektrischen Herzschrittmacher Patienten mit Herzstillstand vor dem sicheren Tod zu retten versuchte. Vierzehnmal hatte Hyman mit seinem Apparat Erfolg, doch die Zeit war noch nicht reif. Die Anklage lautete auf "frevelhafte Einmischung in die göttliche Vorsehung".

Schwierige Operation


Bei einer Herzoperation musste früher immer durch die Eröffnung des Brustkorbs ein Zugang zum Herz geschaffen werden. Der Patient wurde an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, über die das Blut des Körpers weitergepumpt und mit Sauerstoff angereichert wurde. Damit wurde eine Ruhigstellung des Herzens ermöglicht. Heute kann in vielen Fällen auf den Ersatzkreislauf verzichtet werden und der Eingriff am sich bewegenden Herz erfolgen, was die Operationsdauer verringern kann.

Sanfte neue Methoden

Seit 1968 an der Universität Sapporo die erste Minikamera über Glasfaser Bilder vom schlagenden Herzen sichtbar machte, hat sich in der Medizin viel getan. Inzwischen gibt es Herzoperationen, die ohne eine Öffnung des Brustkorbs vorgenommen werden. Dabei schaffen die Chirurgen am Brustraum vier finderdicke Öffnungen, über die die Roboterarme und die Minikamera zwischen den Rippen hindurch in das Herz des Patienten eingeschoben werden - das Öffnen der Brust durch Aufschneiden der Rippen entfällt. Der Operateur kann das Bild der Minikamera auf einem Monitor verfolgen und die Maßnahmen durchführen. Dabei berührt er den Patienten überhaupt nicht, sondern steuert die mechanischen Handlanger per Joystick.

Einen Nachteil hat die neue Schlüssellochtechnik allerdings noch: Die Operation dauert bis zu doppelt so lang und ist wesentlich teurer.


Wenn dich dein Körper interessiert, dann wirf doch auch einen Blick in unseren WAS IST WAS-Band 50: Der menschliche Körper.



-rr-22.09.2008 Text / Illustration aus WAS IST WAS-Band 50: Der menschliche Körper.

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