100 Jahre Daktyloskopie in Deutschland

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100 Jahre Daktyloskopie in Deutschland

Derzeit befinden sich im Bundeskriminalamt in Wiesbaden 3,2 Millionen Fingerabdruckblätter. Die Methoden der Daktyloskopie haben sich im Laufe der Zeit gewandelt. Noch immer arbeiten die Kriminalisten bei der Ermittlung von Personen mit den Fingerabdrücken. Heutzutage setzt die Polizei dabei auf modernste Live-Scan Technik.

Was ist Daktyloskopie?

Der Begriff stammt aus dem Griechischen. "Daktylos" bedeutet Finger und "skopein" schauen, also "Fingerschau". Die Daktyloskopie ist eine von der Wissenschaft und der Rechtssprechung anerkannte Methode um Personen eindeutig zu identifizieren. Der Fingerabdruck eines jeden Menschen ist aufgrund des einzigartigen Hautleistenbildes einmalig und unveränderlich. Die Anordnung der Hautrillen und ihre Muster, das so genannte "Papillarlinienbild" verändert sich das ganze Leben lang nicht. So hat ein Mensch ein Leben lang denselben Fingerabdruck und kann daran erkannt werden. Da Täter immer wieder Fingerabdrücke am Tatort hinterlassen, sind diese Spuren wichtige Beweismittel um einen Kriminalfall zu lösen.

Der Fingerabdruck hat eine lange Geschichte

Die ersten Zeugnisse, dass Menschen sich der Bedeutung der Hautleistenbilder bewusst waren, sind Steinzeichnungen, die auf 3000 vor Christus datiert werden. Man fand sie im Gebiet der Micmac-Indianer. Auch die Assyrer und Babylonier benutzten um 2200 vor Christus den Fingernagelabdruck auf Tontafeln, um damit den Aussteller einer Urkunde zu identifizieren. In China wurde der Fingerabdruck als Teil eines Siegels verwendet. Und in der chinesischen Literatur wird schon um 1160 davon gesprochen, dass Mörderinnen durch ihren Fingerabdruck überführt wurden.

In Europa dauerte es dagegen bis ins 17. Jahrhundert, bis man sich überhaupt der Nützlichkeit des Fingerabdrucks bewusst wurde. Verschiedene Ärzte befassten sich mit dem Phänomen.

Hermann Welker und die Unveränderlichkeit der Hautmuster

Schließlich entdeckte der deutsche Menschenkundler Hermann Welker mit einem Eigenversuch, dass jeder Mensch über unveränderliche Hautmuster an der Hand verfügt. 1856 fertigte er Abdrücke seiner eingefärbten Hände ein. 41 Jahre später wiederholte er die Prozedur und stellte fest, dass das Papillarlinienbild seiner Hand, bis auf altersbedingte Veränderungen gleich geblieben war.

Fingerabdrücke für die polizeiliche Arbeit

Nach verschiedenen Studien von unterschiedlichen Forschern, veröffentlichte 1892 Francis Galton sein Buch "Fingerprints", mit dem er die ersten brauchbaren Grundlagen der modernen Klassifizierung von Fingerabdrücken schuf. Im selben Jahr wurde in Argentinien der erste Mordfall mit Hilfe gefundener und identifizierter Fingerabdrücke aufgeklärt. Schließlich führte England die Daktyloskopie bei den Ermittlungen ein und die anderen europäischen Länder schlossen sich nach und nach an. Am 01. April 1903 schuf der Dresdner Polizeipräsident die erste nach daktyloskopischen Formeln arbeitende Fingerabdruck- Sammlung in Deutschland.

Der Fall der "Mona Lisa"

Erst die Lösung eines spektakulären Raubfalls überzeugte auch die Franzosen von der Fingerabdruck-Methode: 1911 wurde aus dem Pariser Museum Louvre das berühmte Gemälde "Mona Lisa" gestohlen. Der Dieb schnitt das Bild aus dem Rahmen. Er nahm das Gemälde mit, ließ aber den Rahmen samt seiner Fingerabdrücke am Tatort zurück. Dank dieser Abdrücke konnte er einige Jahre später gefasst werden.

Der Fingerabdruck als Beweis vor Gericht

Am 11. Juni 1952 entschied der Deutsche Bundesgerichtshof, dass die Daktyloskopie als Beweis im Strafverfahren gültig ist.

Seit 1993 arbeitet die Polizei mit dem verbesserten, automatisierten Fingerabdruck-Identifizierungs- System, kurz "AFIS" genannt. Mittlerweile können auch Handflächenabdrücke und -spuren systematisch ausgewertet werden. Aktuell sind in AFIS Fingerabdrücke von mehr als 3 Millionen Personen gespeichert. Täglich kommen bis zu 1.400 neue Datensätze dazu. Mittlerweise werden die Fingerabdrücke digital mit der Livescan" Technik - also ohne die Finger schwarz einfärben zu müssen - aufgenommen und in die AFIS-Datenbank übertragen. So werden wohl auch die rund 3.200.000 Fingerabdruckblätter bald der Vergangenheit angehören.

Mehr über die Arbeit der Kriminalisten findet ihr in WAS IST WAS Band 98 Kriminalistik.

-ab-14.04.03 Text/ Fotos: Mit freundlicher Genehmigung des Bundeskriminalamts, Wiesbaden.

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