Monsterwellen Seemannsgarn oder Realität?

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Monsterwellen Seemannsgarn oder Realität?

Eine fast 30 Meter hohe Monsterwelle rollt auf ein Schiff zu, trifft es frontal und bringt es zum Kentern. Handelt es sich hierbei um Seemannsgarn, oder gibt es solche Monsterwellen tatsächlich? Wie entstehen sie und warum sind sie so gefährlich?

Lange Zeit wurden Monsterwellen als Mythos und Seemannsgarn abgetan.

Alles nur Erfindung?


Schon seit Jahrhunderten berichten Seeleute aus aller Welt von riesigen Wellen, die über den Ozean rollen und ganze Schiffe unter sich begraben können. Bis vor kurzem wurden diese Erzählungen aber als Seemannsgarn, also reine Erfindung, abgetan. Ende des 20. Jahrhunderts änderte sich diese Einstellung.


1995 maß eine norwegische Ölbohrplattform mit ihrer automatischen Wellenmessanlage eine Welle von 26 Metern Höhe. Im selben Jahr traf das britische Luxus Schiff Queen Elizabeth II auf eine Monsterwelle. Ab diesem Zeitpunkt ist die Existenz von Monsterwellen, die im Englischen Freak Waves genannt werden, unbestritten.


Der große Ausschlag am Messgerät zeigt eine Monsterwelle.



Es wird geforscht


Seit diesen beiden Vorfällen haben sich Ozeanografen intensiv mit den Monsterwellen auseinander gesetzt. Mit Radarmessung und Satellitenfotos konnte man herausfinden, wie häufig und an welchen Stellen des Ozean die Riesenwellen vorkommen.


Zur Erklärung der Wellen beteiligen sich auch Physiker und Mathematiker an den Untersuchungen.Allerdings ist die Forschung bis zum heutigen Tag nicht abgeschlossen und man weiß bei weitem noch nicht alles über Freak Waves.


Schnelle Wellen (grün) überlagern sich mit langsamen (rot).

Wie entsteht eine Monsterwelle?


Die allgemein verbreitete Theorie zur Entstehung von Monsterwellen gründet auf unterschiedlichen Strömungsverhältnissen im Meer. Treffen schnelle Wellen auf langsame Wellen, kommt es zu einer Überlagerung. Das Resultat ist eine sehr viel größere Welle, in der die gesamte Energie der Wellen vereint ist. Je öfter das passiert, umso höher ist die Welle, im schlimmsten Fall bis zu 40 Meter.


Zu einer solche Überlagerung kommt es vor allem dort, wo die Meeresteifen stark schwanken und die Strömungsverhältnisse sehr unterschiedlich sind. So entstehen Wellen mit verschiedenen Geschwindigkeiten und Wellenlängen, die sich zu einer Monsterwelle vereinigen können. Besonders häufig kommen Freak Waves am Kap Horn, dem südlichsten Zipfel Sudamerikas vor.


Was macht die Monsterwelle so gefährlich?


Das Gefährliche an der Monsterwelle ist ihre extrem steile Wand. Außerdem ist die Welle sehr schnell und übt bei einem direkten Treffer bis zu 7 Mal mehr Druck auf ein Schiff aus, als es normalerweise aushält. Wenn ein Schiff frontal getroffen wird, taucht es wegen der steilen Wand komplett in die Welle ein.


Wenn eine Monsterwelle auf ein Schiff zurast, kann man meist nicht mehr viel tun.



Weil Monsterwellen eine relativ kurzen Wellenlänge haben, durchbricht das Schiff auch sehr schnell wieder die Welle. Während der vordere Teil des Schiffs die Welle schon verlassen hat, befindet sich der hintere Teil noch darin. Das kann dazu führen, dass das Schiff in der Mitte auseinander bricht. Wird das Schiff seitlich getroffen, kommt es fast immer zum Kentern.


Wie kann man sich schützen?


Mit modernen Vorhersagen kann man die Gefahr minimieren, während der Fahrt auf eine Monsterwelle zu treffen. Sollte man doch eine erkennen, ist es am besten schräg auf sie zu zu fahren, denn dann ist der Austrittswinkel geringer und das Schiff bricht nicht so leicht auseinander. Oft hat man aber kaum Zeit, auf die Freak Wave zu reagieren.




Mehr über faszinierende Unterwasserwelten erfahrt ihr auch im WAS IST WAS Band 32 Meereskunde.

  


21.01.2011 // Text: Jan Wrede; Bilder: Schema: Nico Wolf (pd), Schiff & Brandung: National Oceanic and Atmospheric Administration (pd), Messung: Shamin Roman (pd), Vorschau: Mila Zinkova (GNU 1.2, cc-by-sa 3.0)

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