Katastrophe am Vesuv

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Katastrophe am Vesuv

Vor 100 Jahren, am 8. April 1906, brach der Vulkan Vesuv in Italien aus. Bei dem verheerenden Unglück kamen über 500 Menschen ums Leben. Über 100 000 Flüchtlinge suchten in Neapel Schutz. Dabei verlor der Vesuv auch rund 200 Meter Höhe. 1944 ereignete sich die letzte Eruption. Experten warnen vor einem neuen Ausbruch und sprechen heute von der Ruhe vor dem Sturm. Aber es existieren keine ausgefeilten Rettungspläne für die Einwohner Neapels.

Die Katastrophe kündigte sich mit kleinen Schritten an. Beobachter bemerkten am 4. April 1906 erste austretende Lavamassen. Aber nichts deutete auf den bevorstehenden schweren Ausbruch hin. In der Nacht vom 7. auf den 8. April 1906 kam es schließlich zu einer ungewöhnlich starken Explosion und einem heftigen Erdbeben.


Ausschnitt von einem Gemälde von Johann Christian Clausen Dahl (1788-1856): Vesuv bricht aus (1826)

Felsen wie Kieselsteine

Es war ein Inferno, mit dem niemand gerechnet hatte. Tonnenschwere Lavablöcke wurden wie Kieselsteine aus dem Krater geschleudert. Der Berg spie Unmengen von Asche und Lava aus. So viel, dass die Häuser der Umgebung unter der Aschelast auf ihren Dächern einstürzten. Insgesamt wurden 20 Millionen Kubikmeter aus dem Erdinnern geschleudert.

Menschen wurden von diesen glühenden Geschossen erschlagen. Über 100 starben in der Kirche von San Giuseppe Vesuviano, in der sie Zuflucht gesucht hatten. Das Dach eines großen Marktes stürzte ebenfalls ein und begrub mehrere Dutzend Personen unter sich.

Schlammlawinen als Folge

Als der Ausbruch vorüber war, drohte neue Gefahr: Starke Regenfälle weichten den Boden auf und in Kombination mit den großen Aschemengen bildeten sich immer wieder Schlammlawinen, so genannte Lahars, die über Wochen hinweg immer neue Opfer forderten.


Il scartellato - der Bucklige, so nennen die Einwohner Neapels "ihren" Vulkan.

Insgesamt forderte der Ausbruch 500 Todesopfer. 100 000 Flüchtlinge suchten in Neapel Schutz. Die Katastrophe belastete den italienischen Staat finanziell sehr. Die für 1908 in Rom geplanten Olympischen Spiele wurden deswegen nach London verschoben.

Nach dem Ausbruch (Eruption) 1906 kam es noch zu einer weiteren Eruption im Jahr 1944. Aber seitdem herrscht eine trügerische Ruhe am Fuße des Vesuv. Es ist die längste Ruhephase des Feuerberges seit 1631. Experten warnen vor einem ähnlich schweren und plötzlichen Ausbruch wie 79 nach Christus, als Pompeij durch den Vesuv zerstört wurde.

Die Brennenden Felder

Dabei gibt es in der Umgebung Neapels eine weitere Gefahr: die Brennenden Felder (Campi Flegrei). Sie erstrecken sich über eine Fläche von 150 km² rund um Neapel. In drei Kilometern Tiefe befindet sich eine große Magmakammer.  Auf der ganzen Fläche der Felder gibt es viele Thermalquellen und kleine Schlote, aus denen Schwefel- und Wasserdampf aufsteigt.

Vor 500 Jahren kam es hier zur letzten Eruption, wodurch ein neuer Berg entstand der Monte Nuovo. Experten befürchten auch hier eine gewaltige Explosion, sollte das glühende Magma mit Grundwasser in Berührung kommen.

Der Vesuv ist heute der am meisten untersuchte und überwachte Vulkan. Er ist ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen und auch die Einwohner Neaples haben sich mit ihrem rauchenden Begleiter angefreundet für sie ist er der Bucklige (ital.: scartellato). Forscher gehen davon aus, einen Ausbruch etwa zwei Wochen vorher zu erkennen. Gefährlicher sind da schon die Brennenden Felder, denn die können nicht so gut überwacht werden.

Links:



Hier findest du eine kurze Geschichte aller Ausbrüche des Vesuvs

Ein ausführlicher Bericht über die Brennenden Felder

Beeindruckendes Satellitenbild vom Vesuv (Aufgenommen am 12.6.2002; Achtung, lange Ladedauer!)

Wenn dich Vulkane interessieren, dann wirf doch auch einmal einen Blick in unseren WAS IST WAS-Band 57: Vulkane

Text: -jj- 5.4.2006 //Bilder: Phlegräische Felder: Manuel Maurer/GFDL; Illustration: WAS IST WAS-Band 57: Vulkane; Napoli GFDL

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