Frühling im Januar?

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Frühling im Januar?

Ist das jetzt schon der Frühling? So fragt sich vielleicht auch mancher unter euch, wenn er blühende Sträucher, Blumen am Wegrand und muntere Eichhörnchen auf kahlen Bäumen sieht und dazu einen vielstimmigen Vogelchor hört. Die einen freuen sich über das milde Wetter, die anderen wünschen sich Schnee und Eis herbei. Und das Thema Klimawandel ist in aller Munde.

Weltweit gesehen gehörten die letzten sechs Jahre zu den zehn wärmsten seit 1880. Der milde Winter 2006 / 2007 steht also in einer längeren Abfolge warmer Jahre. Was jetzt genau die Ursachen für bestimmte Veränderungen in Flora und Fauna sind, ist deshalb manchmal schwierig zu analysieren: handelt es sich um Konsequenzen von längerfristigen Entwicklungen oder um einmalige Phänomene?

Wir haben einige Beispiele für euch zusammengestellt, die die Folgen des warmen Wetters für Menschen, Tiere und Pflanzen in Mitteleuropa verdeutlichen.

Zugvögel bleiben da

Foto: Kranich

In diesem Winter sind besonders viele Zugvögel nicht wie gewohnt in den Süden geflogen. Vielen reicht das Nahrungsangebot hierzulande aus. So blieben etwa Rotkehlchen, Zaunkönige, Eisvögel, Bachstelzen und Feldlerchen da. Auffällig ist außerdem, dass viel mehr Kraniche als sonst in Deutschland überwintern. In der Schweiz wurde beobachtet, dass sich Ringeltauben, Sommergoldhähnchen und manche Greifvögel die Reise sparten.

Da auch in Osteuropa der Winter bisher sehr mild ist, kommen von dort viel weniger Vögel, die normalerweise in Mitteleuropa ihr Winterquartier aufschlagen. Andere Zugvögel kehren bereits jetzt mehr als vier Wochen früher als gewohnt aus Südeuropa zu uns zurück um hier zu brüten.

Bleibt es warm, muss damit gerechnet werden, dass die Balz- und Brutzeit 2007 früher einsetzt. An sich ist das nicht schlimm. Nur wenn ein später Wintereinbruch käme, könnten sich die brütenden Eltern beziehungsweise ihre Jungtiere nicht ausreichend schützen.

Winterschlaf gestrichen

Für Eichhörnchen und Igel ist der Winter normalerweise eine Zeit der Ruhe. Derzeit kann davon jedoch nicht die Rede sein. Die Wärme hält sie wach. Das Futterangebot ist trotz Frostfreiheit aber nicht ausreichend, was vor allem für kleine und geschwächte Tiere problematisch ist. Murmeltiere, die in unterirdischen Höhlen schlafen, lassen sich hingegen nicht aus der Ruhe bringen.

Insektenplage oder Insektensterben?

Foto: Zecke nach einer Blutmahlzeit, vergrößert.

Welche Folgen der ausfallende Winter für die Insekten hat, ist umstritten. Die einen fürchten bereits eine Insektenplage, da der fehlende Frost deren Populationen nicht dezimieren konnte. Die anderen sagen genau das Gegenteil voraus. Schließlich hätten die Larven von Mücken und Co. unter einer Vielzahl von Fressfeinden in den relativ warmen Gewässern zu leiden.

Möglich ist außerdem eine Zeckenplage im Frühjahr. Auch Blattläuse könnten zu mehr Schäden an Bäumen und Getreide führen als dies üblicherweise der Fall ist. Sollte der Sommer feucht werden, müssen wir zudem mit einer großen Menge an Schnecken rechnen. Doch so genau weiß das jetzt noch niemand.

Frühe Blüten

Foto: Forsythien-Busch

Schon seit etlichen Jahren verschiebt sich die Blütezeit von Forsythien und anderen Frühblühern immer weiter nach vorn. Aber auch Obstbäume und viele andere Gewächse sind betroffen. Ähnlich wie im Tierreich wird diese Verschiebung nur dann verhängnisvoll, wenn ein später Frost kommt. Dieser würde die weit entwickelten Knospen gefrieren und absterben lassen.


Foto: Alpenmannsschild

Ein einziger milder Winter ist auch für die Flora wesentlich unproblematischer als eine stetige Erwärmung. Doch leider haben wir es allem Anschein nach mit beidem zu tun. Dauerhauft höhere Temperaturen wirken sich besonders drastisch in extremen Gegenden wie z. B. im Hochgebirge aus. Pflanzen wie dem Alpenmannsschild, die an die unwirtlichen Verhältnisse in hohen Lagen angepasst sind, wird es zu warm. Wenn es ihnen nicht gelingt, sich entsprechend höher anzusiedeln, sind sie vom Aussterben bedroht.

 

Der Mensch: Heuschnupfen und Kopfweh durch milden Winter?

Für die Pollenallergiker unter uns kann die verschobene Blütezeit einen früher einsetzenden Heuschnupfen verursachen. Dafür ist allerdings nicht mit einem explosionsartigen Ausbrechen der Symptome wie in dem sehr späten Frühling 2006 zu rechnen, als sehr viele Arten gleichzeitig blühten.

Viele Menschen schieben Beschwerden wie Kopfschmerzen und schlechte Laune auf das zu milde Wetter. Das ist Experten zufolge jedoch eher ein Volksglaube als wissenschaftlich belegbar. So wird körperliches Unwohlsein schon von jeher gern mit dem Wetter begründet. Nur plötzliche Temperaturschwankungen sind für Herz und Kreislauf eine Belastung. Die Zipperlein haben wohl andere Ursachen.

Auf Menschen haben Temperaturveränderungen geringeren Einfluss als man denkt. Wir sind stärker von Lichtveränderungen betroffen. Normalerweise neigt man wegen der kurzen Sonnenscheindauer daher eher im Winter an depressiver Stimmung als im Sommerhalbjahr. Wer sich dank des milden Wetters derzeit öfter draußen aufhält als sonst im Winter, tankt auch mehr Licht und hat deshalb sogar bessere Chancen auf Fröhlichkeit als in anderen Wintern.

Text: lm 12.1.07, Fotos: Zecke: www.baxter.de, Alpenmannsschild: GFDL, alle anderen: Tessloff Archiv.

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