Erdbeben in Sichuan

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Erdbeben in Sichuan

Beim schlimmsten Erdbeben in China seit 1976 sind am Pfingstmontag 2008 mindestens 35.000 Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der Opfer könnte noch steigen, denn viele zerstörte Gebiete waren selbst einen Tag nach der Naturkatastrophe noch unzugänglich.

Das Erdbeben der Stärke 7,8 passierte um 14.28 Uhr Ortszeit (8.28 Uhr MESZ) etwa zehn Kilometer unter der Erdoberfläche. Es hatte mehrere Provinzen im Südwesten des Landes getroffen und war bis nach Thailand und in Peking zu spüren. Am schwersten traf es die Provinz Sichuan. Allein hier bestätigte die Nachrichtenagentur Xinhua 8533 Tote, dazu kommen noch mehr als 10.000 Verletzte. Zehntausende Menschen wurden obdachlos.

Die Provinz Sichuan

Sichuan liegt östlich des tibetischen Hochplateaus am Oberlauf des Yangtse. Den Kern der Provinz bildet das Rote Becken, eine fruchtbare, von Gebirgen umgebene Ebene. Das Wort Sichuan (auch Sezuan oder Sechuan) bedeutet "Vier Flüsse", weil hier der Yangtse von vier großen Zuflüssen gespeist wird. Als die fünftgrößte der 33 chinesischen Provinzen gehört sie mit 87 Millionen Einwohnern auch zu den bevölkerungsreichsten. Provinzhauptstadt ist die Metropole Chengdu.

Chaos nach dem Erdbeben

Viele Gebiete waren von der Außenwelt abgeschnitten, da die Straßen beschädigt oder von Erdrutschen blockiert waren. So blieb das Schicksal von einigen hunderttausend Menschen zunächst ungeklärt, obwohl die Regierung sehr schnell reagiert hatte: Rund 50.000 Soldaten wurden mobilisiert, um in Sichuan und den umliegenden Regionen zu helfen. Ein Team von 1300 Medizinern und Militärangehörigen erreichte die Gegend um das Epizentrum. Das Militär setzte zudem Hubschrauber und Bergungsteams mit Suchhunden ein. Heftige Regenfälle machten den Helfern zu schaffen, die in den unwegsam gewordenen Gebieten noch mehr Zeit verloren. Die Telefonverbindungen waren unterbrochen. Dazu kam, dass wegen der vielen besorgten Anrufer auch das Handynetz zeitweise zusammenbrach.

Erdbebenregion China


Schwere Erdbeben sind in Asien keine Seltenheit. Ein Erdbeben am 25. August 1933 mit einer Magnitude von 7,5 tötete in der gleichen Gegend mehr als 9.300 Menschen. In der Volksrepublik China gab es das folgenschwerste Beben der Nachkriegszeit am 27. Juni 1976: mindestens 242 000 Tote - andere Schätzungen reichen bis zu 655 000 - waren damals zu beklagen. Die Erdbebenregionen liegen am Rand der Eurasischen Platte, die hier die Nordamerikanische Platte trifft. Die meisten schweren Erdbeben ereignen sich an Plattenrändern. Beispielsweise rings um den Pazifischen Ozean. Sie sind fast immer Bruchvorgänge im Untergrund, meistens in Tiefen von weniger als 20 Kilometern. Sie werden dadurch verursacht, dass sich verschiedene Teile der äußeren Schale der Erde, die so genannten Lithosphärenplatten, gegeneinander bewegen. Vor allem an den Grenzen zwischen den verschiedenen Platten kommt es zu ruckartigen Entladungen der durch die Bewegungen aufgestauten Spannungen. Daneben kann es auch im Innern der Platten an geologischen Störungen,- das sind Schwächezonen, die seit vielen Jahrmillionen bestehen können -, zu Erdbeben kommen.

Unübersehbare Schäden

Allein in der Stadt Mianzhu in der Provinz Sichuan seien mindestens 10.000 Menschen verschüttet worden, berichteten Staatsmedien. Wie die Staatsagentur Xinhua berichtet, sollen in einer einzigen zerstörten Schule in Dujiangyan fast 900 Schüler verschüttet worden sein. Die dreistöckige Juyuan-Schule stürzte teilweise ein, als in 18 Klassen jeweils 50 Kinder Unterricht hatten. Einige verschüttete Kinder sollen versucht haben, sich selbst aus den Trümmern zu befreien. In der Stadt Shifang begruben die Trümmer einer Chemiefabrik mehrere hundert Arbeiter unter sich. Mehr als 80 Tonnen Ammoniak sind dabei ausgetreten. Über 6000 Anwohner mussten vor den gefährlichen Chemiedünsten in Sicherheit gebracht werden. Vom Erdbeben betroffen ist auch das berühmte Panda-Zuchtgebiet Woolong im schwer zerstörten Kreis Wenchuan.

Kraftwerke als Risikofaktor

Das Umweltministerium in Peking kündigte zur Verhinderung eines Atomunfalls die Entsendung von Experten in die betroffenen Gebiete an. Durch Kontrollen sollten mögliche Umweltkatastrophen verhindert werden, insbesondere durch Schäden in Kernkraftwerken. Der nur 700 Kilometer vom Epizentrum entfernt gelegene gigantische Drei-Schluchten-Damm am Yangtse-Strom in Zentralchina soll nach offiziellen Angaben nicht vom Erdbeben betroffen sein.

Internationale Hilfsbereitschaft

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier rief den chinesischen Außenminister an und übermittelte sein Mitgefühl für die Opfer. Er bot auch deutsche Hilfe an. Auch die EU-Kommission hat Hilfsbereitschaft signalisiert. US-Präsident George W. Bush bekundete sein Mitgefühl mit den Opfern und Hinterbliebenen. Besonders die Zahl der von der Tragödie betroffenen Kinder und Studenten mache ihn traurig, hieß es in einer in Washington veröffentlichten Erklärung. Er bot Hilfe "in jeder nur möglichen Weise" an.

Text: RR, Aktueller Stand: 20. 5. 2008, Bilder: Wikipedia, GNU

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