Erdbeben in Italien

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Erdbeben in Italien

Am 6. April 2009 um 03.32 Uhr morgens gab es in Italien rund 100 km nordöstlich von Rom in der Region Abruzzen ein schweres Erdbeben. Es hatte eine Stärke von etwa 6 auf der Richterskala. Bislang sind über 200 Tote geborgen worden und mehr als 15.000 Gebäude sind beschädigt.

Am 6. April 2009 morgens um 3.32 Ortszeit bebte im italienischen L'Aquila in der Region Abruzzen rund 100 Kilometer nordöstlich von Rom die Erde. Der Ort liegt fast in der Mitte des italienischen Stiefels und die Erdstöße konnten westlich bis Rom und östlich bis an die Adriaküste gespürt werden. Das Beben war das schwerste in Italien seit fast 30 Jahren.


Helfer waren bald vor Ort, doch Regen und kalte Temperaturen erschwerten die Rettungsarbeiten. Außerdem sorgten Nachbeben immer wieder für Panik. Bis Mittwoch waren mehr als 200 Leichen geborgen worden, noch immer werden viele Menschen vermisst und mehr als 15 000 Menschen sind momentan obdachlos.


Einzelne Ortschaften rund um L'Aquila wurden teils völlig zerstört, so wie der kleine Ort Onno. Zudem wurden viele historisch wertvolle Gebäude zerstört oder beschädigt, darunter ein Schloss aus dem 15. Jahrhundert.


Eine Luftaufnahme der betroffenen Stadt L'Aquila.

Obdachlose in Zeltlagern


Das Beben war das schwerste in Italien seit 30 Jahren. Aus über 30 Ländern wurde bereits Hilfe angeboten. Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi stellte 30 Millionen Euro Soforthilfe bereit. Überlebende und Obdachlose leben momentan in eilends errichteten Zeltlagern. Die Aufräum- und Bergungsarbeiten dauern weiterhin an.


Bestechung fordert Todesopfer


Nach Aussage von Experten wären die vielen Opfer aber zu vermeiden gewesen. Eingestürzt sind besonders relativ junge Gebäude aus den 70er und 80er Jahren. Doch bei deren Bau wurde gepfuscht. Es wurde minderwertiges Material verwendet und es gab keine ausreichenden Kontrollen, weil sich die zuständigen Behörden und Beamten haben bestechen lassen.


Darum wurden bei der Überprüfung, ob Bauvorschriften eingehalten wurden, schon mal beide Augen zugedrückt. So wurde Mörtel mit viel zu viel Sand verwendet, was dessen Stabilität und Tragfähigkeit verringert. Mehrstöckige Gebäude wurden ohne Stahlträger gebaut, was in einer erdbebengefährdeten Region äußerst fahrlässig ist.


Baufachleute sagen, dass ein solches, relativ schwaches Beben im ebenfalls schwer gefährdeten Kalifornien vermutlich kein einziges Todesopfer gefordert hätte. Die Nachlässigkeit setzt sich bis in Regierungskreise fort. So wurde vom Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie eine Gefährdungskarte erstellt und Sanierungsanweisungen für ältere Gebäude erarbeitet. Doch passiert sei in den letzten Jahren nichts.


Abruzzen eine gefährdete Region


Die aktuell betroffene Region der Abruzzen ist besonders gefährdet, weil hier sogenannte Kontinentalplatten aufeinander treffen. Dadurch kommt es immer wieder zu Spannungen im Erdboden, die sich in Erdbeben entladen. Das erste überlieferte Beben fand im Jahr 1315 statt. Auch im 18. und 20. Jahrhundert kam es immer wieder zu Erdstößen, die teils tausende Todesopfer forderten.


L'Aquila wurde 1230 auf Veranlassung von Kaiser Friedrich II. als Aquila, das bedeutet Adler, gegründet. Es war eine der wichtigsten Städte im Königreich Neapel. Außerdem war es ein wichtiges Zentrum während der Renaissance.


Text: -jj- 9.4.2009 // Bilder: Karte GFDL; Luftaufnahme LIAP/PD;

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