100jähriger Kalender: Wetterbericht von anno dazumal

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100jähriger Kalender: Wetterbericht von anno dazumal

Scheint morgen die Sonne oder wird es regnen? Kein Problem einfach Tagesschau anschalten und einen Blick auf die hochmoderne Satellitenkarte werfen! Eine Errungenschaft der Technik, die erst knapp vier Jahrzehnte alt ist. Aber wie hat man früher das Wetter vorhergesagt - als es noch nicht einmal Hilfsmittel wie Thermometer und Barometer gab?

 

Damals waren die Menschen darauf angewiesen, die Natur und die Jahreszeiten genau zu beobachten. Ihre langjährigen Erfahrungen mit dem Wetter notierten Landwirte seit Mitte des 15. Jahrhunderts in den so genannten Bauernregeln.

Foto: Viele Spinnweben wurden in den Bauernregeln mit einem schwülen Sommer in Verbindung gebracht.



So nennt man Sprüche, die regelmäßig auftretende Wetterphänomene erklären und bestimmten Tagen und Monaten im Jahr zuordnen.

Unentbehrlicher Ratgeber

Eine andere bekannte Orientierungshilfe ist der so genannte "Hundertjährige Kalender". Mit Meteorologie im heutigen Sinn haben die Aufzeichnungen des oberfränkischen Mönchs Mauritius Knauer wohl fast so wenig zu tun wie der grüne Laubfrosch. Trotzdem sollte die Sammlung von Wetterbeobachtungen im 18. Jahrhundert zum unentbehrlichen Ratgeber zwischen Deutschland und Russland werden. Am 14. Mai 1692 konnte man die Prognosen des Geistlichen zum ersten Mal in einer Zeitung nachlesen.

Theologe und Astronom

Der Abt war nicht nur ein frommer Mann, sondern auch ein äußerst praktisch denkender Mensch. Neben dem Theologiestudium hatte er sich intensiv mit Astronomie und Naturwissenschaften beschäftigt und damit seine Beobachtungsgabe geschärft. Er war sich sicher, dass er seinem Kloster mit verlässlichen Wettervorhersagen einen großen Nutzen erweisen würde. Schon allzu oft hatten die Felder und der Klostergarten durch unvorhersehbaren Stürme oder Dürreperioden Schaden genommen.

 

Akribische Aufzeichnungen

  

Im Zisterzienserkloster Langheim/Oberfranken ließ sich Knauer ein Observatorium einrichten. Von seinem blauen Turm aus beobachtete er nun zwischen 1652 bis 1658 Tag für Tag akribisch genau das Wetter.

Foto: Ob Nebel oder Sonnenschein - Knauer notierte jede Wetterlage genau.




Er notierte, was bei einer Mondfinsternis geschah, machte Aufzeichnungen über den Weinbau, das Gedeihen von Getreide und Gartenfrüchten sowie das Auftreten von Ungeziefer und Krankheiten.

Planeten als Wegweiser

Anders als bei den Bauernregeln gab sich Mauritius Knauer nicht damit zufrieden, für jeden Tag im Jahr einen charakteristischen Spruch zu finden. Stattdessen legte er seinen Beobachtungen astronomische Erkenntnisse zu Grunde. Aus alten arabischen und griechischen Schriften wusste er, dass alles auf der Erde durch den Lauf der Sterne, Planeten und Monde beeinflusst ist nicht nur die Menschen, sondern auch das Wetter, das Klima und damit auch der Erfolg oder Misserfolg der Ernten.

Sieben als magische Zahl

 

Der Mönch war der Ansicht, dass sieben Beobachtungsjahre für eine dauerhafte Wettervorhersage ausreichten. Er glaubte nämlich, dass sich die Witterungsabläufe entsprechend der Planetenfolge Mond, Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus und Merkur alle sieben Jahre wiederholen.

Abbildung: Heute wird angezweifelt, dass das Wetter sich entsprechend der Planetenfolge alle sieben Jahre wiederholt.



So entstand ein systematisch aufgebauter, astronomisch gestützter meteorologischer Kalender, der bis ins späte 19. Jahrhundert allgemein anerkannt war.

Titel verändert

"Hundertjähriger Kalender" wurden die Aufzeichnungen übrigens erst im 18. Jahrhundert betitelt. Ein Thüringer Verleger hatte das Bändchen 1704 in Druck gegeben und die von Knauer erstellte Planetentabelle von 1600 bis 1912 der Einfachheit halber auf hundert Jahre (1701 bis 1800) gekürzt. So schien das Buch damals besser zu vermarkten als unter dem ursprünglichen Titel "immerwährender Hauskalender". Schließlich stand darin das gesamte Wetter für ein zukünftiges Jahrhundert.

 

Abweichungen einkalkuliert

Heute geben Meteorologen nur noch wenig auf die Aussagen Kanuers. Auch wenn seine langjährigen Beobachtungen zu einer wichtigen Grundlage für die spätere Wetterforschung wurden.

Foto: Das Erscheinen eines Kometen, so meinte Knauer, hat auch Einfluss auf das Wetter.  




Wegen der hohen Fehlerquote wurde und wird vor allem angezweifelt, dass der Sieben-Jahres-Zyklus Einfluss auf die Witterung hat. Doch der Abt selbst hatte immer wieder darauf hingewisen, dass es Abweichungen geben kann - zum Beispiel durch eine Mondfinsternis oder das Erscheinen eines Kometen.

Kompliziertes Rechenexempel

Übrigens: 2013 befinden wir uns - laut Knauers Berechnungen - in einem Mondjahr. Auch diesem Planet sind, wie auch den sechs anderen, bestimmte wettertechnische Eigenschaften zugeordnet. Danach müsste es es ein überwiegend feuchtes und kühles Jahr werden. Erst Ende Mai sollen sich warme, sommerliche Temperaturen durchsetzen.

Nic - 13.05.2013 / Fotos: pd

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