Singapur - Vom Seeräuberversteck zum Containerhafen

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Singapur - Vom Seeräuberversteck zum Containerhafen

1819 gründete der englische Agent Thomas Stamford Raffles in Singapur eine Niederlassung der ostindischen Handelskompanie, die damals den gesamten Handel zwischen Großbritannien und Südostasien abwickelte. Aus der damals kaum besiedelten Insel wurde eines der größten kommerziellen Zentren Südostasiens. Heute befindet sich in dem Stadtstaat einer der größten Häfen der Welt.

Links: Karte Singapurs

Singapur ist ein kleiner Stadtstaat, der sich auf einer großen und einigen kleinen Inseln vor Malaysia befindet. Das Land ist nur rund 700 Quadratkilometer groß und würde damit 50 Mal in die Fläche Deutschlands passen. Zum Vergleich: die Stadt Hamburg ist mit 750 Quadratkilometern etwas größer als Singapur. Und noch etwas haben die beiden Städte gemeinsam nämlich einen riesigen Containerhafen.



Was ist eigentlich ein Container?

Foto: 40-Fuß-Container

Container sind normierte Behälter. Es gibt sie in zwei Größen, die nach ihren englischen Maßen bezeichnet werden, nämlich 20-Fuß-Container (TEU) und 40-Fuß-Container (FEU). Die größeren sind 12,19 Meter lang, 2,44 Meter breit und 2,60 Meter hoch. Die kleineren sind halb so lang. Es gibt derzeit rund 15 Millionen TEUs weltweit.

Mit diesen Containern wird ein großer Teil aller international gehandelten Waren verfrachtet. Dadurch, dass sie alle die gleiche Größe und Form haben, können sie sehr schnell verladen werden und sind gut stapelbar. Sie werden mit Hilfe von LKWs, Zügen und Schiffen transportiert.

Foto: Containerterminal Singapur

In ihnen können die unterschiedlichsten Dinge befördert werden, von tiefgekühlter Eiscreme über Metallteile bis hin zu Kleidung ist fast alles möglich. Auch wer einen Umzug nach Übersee plant, wird für seine Möbel einen Container mieten müssen. In einen 20-Fuß-Container passen zum Beispiel 10.000 Jeans. Auf großen Containerschiffen finden Tausende solcher Container Platz.

Der genormte Container ist übrigens gerade mal 50 Jahre alt, doch mit seiner Erfindung wurde eine wichtige Grundlage für die wirtschaftlichen Beziehungen rund um den Globus gelegt, die man heute Globalisierung nennt.

Wie kam es aber, dass Singapur zu einer der wichtigsten Hafenstädte Südostasiens wurde?

Foto: Diese Statue zeigt Thomas Stamford Raffles und steht in Singapur.

Vor 200 Jahren wurde die Insel nur von ein paar malaiischen Familien bewohnt und war ansonsten ein Seeräuberversteck. Alles änderte sich, als 1819 der Brite Thomas Stamford Raffles kam, ein Agent der ostindischen Handelskompanie. Raffles beschloss, hier einen Stützpunkt für seine Gesellschaft anzulegen. Da Singapur direkt an der Wasserstraße zwischen China und Europa lag, wurde es daher rasch zu einer wichtigen Hafenstadt. Das alles ist natürlich schon lange her und damals lagen hier große Segelschiffe vor Anker.

Die Tigerstaaten

Foto: Singapurs Skyline

Wie aber entwickelte sich der Stadtstaat zu einem modernen Wirtschaftszentrum? Während des Zweiten Weltkriegs wurde Singapur von Japan eingenommen, nach wenigen Jahren jedoch an Großbritannien zurückgegeben. Seit 1963 ist Singapur ein unabhängiges Land. Es gehört zu den so genannten Tigerstaaten, zu denen auch Südkorea, Taiwan und Hongkong zählen. Innerhalb weniger Jahrzehnte schafften sie den Sprung vom Entwicklungsland zur Industrienation, da sich ihre Wirtschaft rasant entwickelte. Einen entscheidenden Beitrag dazu leisteten in Singapur die Häfen.

Singapurs Häfen in Zahlen


Foto: Panoramablick über die Hafenanlagen in Singapur.

Der weltweit wichtigste Hafen für Containerschiffe ist Singapur. 2008 wurden hier fast 30 Millionen TEU-Container verschifft, jeder solche Container kommt somit durchschnittlich zweimal im Jahr hier vorbei. Außerdem wird an diesem Ort jährlich die Hälfte des Rohöls umgeschlagen, also verladen, das weltweit unterwegs ist. 2008 waren es 166 Millionen Tonnen Öl.

Insgesamt haben in diesem Jahr 131.000 Schiffe in Singapur angelegt, davon 20.600 Containerschiffe und 19.500 Tanker. In den verschiedenen Häfen Singapurs gibt es 1000 Liegeplätze für Schiffe sowie ein Vielfaches davon an Ankerplätzen. 3000 Kräne sorgen dafür, dass die Frachter rasch be- und entladen werden.

Foto: Pasir Panjang Hafen-Terminal in Singapur.

Durch die gut entwickelte Wirtschaft und die internationalen Kontakte zogen viele Menschen aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt nach Singapur. Die Stadt ist daher ein Schmelztigel von Nationen und Religionen. Mehr darüber lest ihr in den unten verlinkten Artikeln.

Wenn ihr euch für Schiffe interessiert, solltet ihr auch unseren WAS IST WAS Band 25 Schiffe ansehen.


Text: Liane Manseicher, 28.01.09; Fotos: Merlion: Gerold Kogler, GFDL; Karte: pd; Stamford Raffles- Statue: formulax: cc-by-sa 2.0; Skyline: Mcaviglia: cc-by-sa 3.0; Hafenpanorama: Kroisenbrunner: cc-by-sa 1.0; Containerterminal: Calvin Teo: cc-by-sa 2.5; Containerschiff am Terminal: Lukacs: cc-by-sa 2.5; Pasir Panjang Terminal: pd; 40-Fuß-Container: Martini171: GFDL.

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt