Das Atomschiff Otto Hahn

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Das Atomschiff Otto Hahn

1964 lief das nuklear betriebene Frachtschiff Otto Hahn in Kiel vom Stapel. Namensgeber war der Entdecker der Kernspaltung, Otto Hahn. Im Zuge der damaligen Begeisterung für Atomenergie wollte man sie auch jenseits des Militärs im zivilen Bereich für Antriebe nutzbar machen. Doch der Betrieb rechnete sich nicht und die Otto Hahn erhielt 1978 einen normalen Dieselantrieb.

Nach dem zweiten Weltkrieg war es Deutschland verboten, sich mit der Kernforschung zu befassen. Man wollte verhindern, dass eine deutsche Atombombe entwickelt wurde. 1955 lief dieses Verbot aus. Das war der Startschuss für deutsche Wissenschaftler, die sich nun auch der Erforschung dieses damals noch weitgehend unerforschten physikalischen Phänomens widmen konnten.


Was ist Kernspaltung?


Ein Atomkern des Elements Uran wird mit bestimmten Teilchen, so genanntenNeutronen, beschossen. Dadurch zerfällt er in zwei leichtere Atomkerne, nämlich in die Elemente Barium und Krypton. Gleichzeitig werden wieder Neutronen frei, die weitere Urankerne spalten. Darum spricht man auch von nuklearer Kettenreaktion. In Atombomben verläuft dieser Prozess unkontrolliert und es wird in kürzester Zeit eine ungeheure Energiemenge frei. In Atomreaktoren kann dieser Prozess kontrolliert ablaufen.

Alles, was du um dich herum siehst, ist aus Atomkernen aufgebaut. Die meisten davon sind sehr stabil und halten über teils Millionen von Jahre zusammen. Andere stehen gewissermaßen unter innerem Druck. Wenn solche Atomkerne, etwa von Uran oder Plutonium, mit kleinsten Teilchen, so genannten Neutronen, beschossen werden, dann zerfallen die Atomkerne in zwei Teile. Dabei wird eine große Energiemenge frei, wie die Atombombe zeigt.


Diese Kernspaltung kann auch kontrolliert herbeigeführt werden. Das geschieht in Atomreaktoren. Allerdings geben die entstehenden Abfallprodukte ebenfalls Strahlung ab, die Mensch und Umwelt für viele tausend Jahre belasten und vergiften kann. Manchmal liest man auch Nuklearenergie statt Kernenergie. Nucleus ist dabei einfach der lateinische Begriff für Kern.



Dank der Vorarbeiten von Lise Meitner (im Bild links) entdeckte Otto Hahn (im Bild rechts) mit Mitarbeitern im Dezember 1938 das Prinzip der Kernspaltung. Er gilt als Vater der Kernchemie.

1955 Kernforschung in Deutschland


Zehn Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs begann 1955 in Deutschland also die Erforschung der Kernenergie. Schon 1956 wurde die GKSS gegründet, die Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schifffahrt mbH. Zu den Mitgründern der Gesellschaft gehörten auch Professoren, die erfolglos am Bau einer deutschen Atombombe für Hitler mitwirkten.


Die GKSS war stark an der praktischen Umsetzung der Kernenergie interessiert. Ziel war, wie der Name schon sagte, die Entwicklung von Nuklearantrieben für Schiffe. Damals war die Begeisterung für diese seinerzeit moderne Form der Energiegewinnung groß: Überall versprach man sich den Aufbruch in ein goldenes Zeitalter des Atoms. Man wollte alles mögliche mit Atomkraft betreiben, unter anderem Lokomotiven, Flugzeuge, U-Boote und eben auch Schiffe.


Atomgetriebener Erzfrachter


Nach einer Ausschreibung der GKSS 1960, also der Aufforderung an Konstruktionsbüros, Pläne und Kostenvoranschläge einzureichen, begann man 1963 mit dem Bau eines Erzfrachters. Entwicklung und Bau kosteten damals 56 Millionen DM, das entspricht heute etwa 88 Millionen Euro.


Am 13. Juni 1964 lief das Schiff unter der Bezeichnung NS Otto Hahn im Beisein des Namensgebers vom Stapel. NS war die Abkürzung für Nuklearschiff. Allerdings war der Antrieb noch nicht fertig. Der Bau des Reaktors erforderte weitere fünf Jahre Bauzeit. Erst im Oktober 1968 lief es erstmals nuklear angetrieben zu einer ersten Probefahrt aus.


Das Schiff war als Forschungsschiff konzipiert, die Nutzung als Frachtschiff war weniger wichtig. entsprechend gab es unter anderem Unterkünfte für über 30 Forscher und zwei Labore. Wegen des nuklearen Antriebs erhielt das Schiff nur Ausnahmegenehmigungen, um in Häfen anderer Länder festmachen zu dürfen.


Vom Atom zu Diesel


1979 wurde der Atomantrieb nach über 600 000 Seemeilen stillgelegt. 1982 wurde ein Dieselantrieb eingebaut, der die Otto Hahn zu einem herkömmlichen Containerschiff machte. Heute fährt sie immer noch, nun mit dem Namen Madre unter der Flagge Maltas.


Übrigens:


Im Prinzip befinden sich die Menschen immer noch im Dampfzeitalter. Denn auch bei der Atomkraft wird mit der gewonnenen Energie Wasser zu Dampf gemacht und mit diesem werden Turbinen angetrieben. Was sich also seit der Erfindung der Dampfmaschine durch James Watt verändert hat, ist das Prinzip der Wassererhitzung, aber nicht das Prinzip der Energieerzeugung aus Wasserdampf.

Text: -jj- 9.6.2009 // Bilder: Schiff Otto Hahn: Engelbert Reineke, cc-by-sa 3.0; Otto Hahn/Lise Meitner PD; Kernspaltung: Fastfission/PD

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