Voyager auf Rekordflug

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Voyager auf Rekordflug

Vor 20 Jahren, am 23.12.1986 landete das Flugzeug Voyager auf der Edwards Air Force Base in Kalifornien. Nach 9 Tagen 3 Minuten und 44 Sekunden hatten die Piloten die Welt nonstop und ohne nachzutanken umrundet. Wir erzählen euch mehr über diesen Rekordflug ...

Richard und Burt Rutan entwickelten Anfang der 80er Jahre gemeinsam mit Jeana Yeager die Idee, eine Fluggesellschaft zu gründen. Bei einem Mittagessen kamen die drei auf die Idee, ein Flugzeug zu bauen, das nonstop um die Welt fliegen könnte, und zwar ohne nachzutanken.

Burt Rutan ist Flugzeugdesigner und machte sich daran, ein geeignetes Fluggerät zu entwerfen und zu bauen. Er hatte sich schon bei der Air Force und mit eigenen Fliegern den Ruf erworben, ungewöhnliche und besonders effektive und energiesparende Fluggeräte zu bauen.

Burt machte auch diesmal seinem Ruf alle Ehre. Er entwickelte ein zweimotoriges Flugzeug, das für zwei Piloten ausgelegt war. Eine Besonderheit seines Designs ist die sogenannte Canard-Technik. Dabei ist das Höhenleitwerk nicht wie sonst üblich zusammen mit dem Seitenleitwerk am Heck angebracht, sondern an der Nase des Flugzeugs.

Entenflügel für den Langstreckenflug

Canard heißt Ente. In der Fliegersprache wird damit meist das Höhenleitwerk bezeichnet. Der größte Vorteil eines vorne angebrachten Höhenleitwerks ist, dass das Flugzeug in gewisser Hinsicht stabiler ist. Wenn ein Pilot ein Flugzeug steil nach oben zieht, kommt es irgendwann zum sogenannten Strömungsabriss: Das Flugzeug bewegt sich zu langsam nach vorne, dadurch erzeugen die Flügel keinen Auftrieb mehr und das Flugzeug stürzt ab.

Bei der Canardbauweise findet dieser Strömungsabriss zuerst am Höhenleitwerk statt. Dadurch senkt sich die Flugzeugnase automatisch, noch bevor die Strömung an den Tragflächen abreißen kann.

Mit Kohlefasern in die Luft

Die Voyager war knapp 10 Meter lang, hatte eine Spannweite von fast 34 Metern und eine Flügelfläche von 34 m². Besonders gut war das Verhältnis von Leergewicht zu maximalem Startgewicht, denn das Flugzeug war aus extrem leichten und stabilen Kohlefaserverbundwerkstoffen gebaut. Die Voyager selbst wog gerade mal eine Tonne und konnte über drei Tonnen Zuladung tragen. Das meiste davon wurde von Treibstoff in Anspruch genommen, denn es sollte ja ohne nachzutanken um die Welt gehen.

22000 Arbeitsstunden

Über 22000 Arbeitsstunden steckten in der Maschine, als am 14. Dezember der Startschuss zu dem Rekordflug fiel. Um acht Uhr Morgens Ortszeit begann die Maschine zu beschleunigen. Noch bevor sie vom Boden abhob schien alles vorbei zu sein, denn die mit Kerosin vollgepumpten Flügel berührten die Startbahn und wurden beschädigt. Doch man entschied, den Start nicht abzubrechen.

Erst nach 4,3 Kilometern war die Voyager schnell genug, um abheben zu können. Den Piloten standen nun neun Tage im äußerst engen Cockpit bevor. Sie hatten beschlossen, sich alle drei Stunden abzuwechseln, aber dennoch waren die beiden schnell sehr müde. Denn der Flug erforderte volle Konzentration. Das empfindliche Flugzeug musste um viele Unwetter herumgesteuert werden. Zudem verweigerte Libyen den Überflug, was kostbaren Treibstoff kostete.

Spannendes Finish

Die Voyager flog in 6000 Metern Höhe mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 187 Kilometern pro Stunde. Kurz vor der Landung in Kalifornien versagte eine Treibstoffpumpe. Zum Glück gelang es, schnell genug auf die Ersatzpumpe umzuschalten.

Am 23. Dezember um 8:06 Morgens setzte die Voyager nach 9 Tagen, 3 Minuten und 44 Sekunden sicher in Kalifornien auf der Edwards Air Force Base auf. Nur noch 48 Kilogramm Treibstoff von den Anfangs über 3000 waren übrig.

Ehre, wem Ehre gebührt

Die Voyager legte mehr als die doppelte Distanz des ersten Langstreckenrekords eines B-52 Bombers zurück, noch dazu, ohne nachzutanken. Bis heute ist der Langstreckenrekord ungebrochen.



Für ihren Rekordflug wurden die Piloten mehrfach ausgezeichnet. Jeana Yeager erhielt mit den anderen Teammitgliedern die Collier Trophy. Sie ist die erste Frau, die diese Anerkennung fliegerischer Leistung erhielt. Außerdem wurde das Team noch mit anderen Auszeichnungen geehrt. Heute steht das Flugzeug im Smithsonian Institutions National Air and Space Museum in Washington, D.C.

Übrigens: Jeana Yeager hat nichts mit dem Überschall-Flugpionier Chuck Yeager zu tun!

Wenn Dich Fliegerei interessiert, dann wirf doch einen Blick in unseren WAS IST WAS-Band 10: Fliegerei und Luftfahrt

Text: -jj- 22.12.2006 // Bilder: Im Flug: NASA/PD; Museum: Johnstone/GFDL; Schaden: FlyByPC/GFDL

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