Steve Fossett: In 67 Stunden um die Welt

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Steve Fossett: In 67 Stunden um die Welt

Fossett landete am Donnerstag, 3. März 13:48 Ortszeit (20:48 unserer Zeit) dort, wo er gestartet war: in Salina, Kansas, USA. Dabei war es keineswegs sicher, ob der Rekordversuch auch klappen würde, denn schon wenige Stunden nach dem Start verlor er auf unerklärliche Weise Treibstoff. Jeder Tropfen war wertvoll, schließlich musste er 36800 Kilometer zurücklegen, ohne nachzutanken.

Steve Fossett hob am 28. Februar um Viertel vor Sieben Ortszeit in Salina, Kansas, USA, ab (etwa 00:45 am 1. März in Deutschland). Der Start war mehrfach verschoben worden, weil die Wetterbedingungen nicht günstig waren.

Der "GlobalFlyer I" am Boden. Das Flugzeug wurde speziell für diesen Einsatz konstruiert

Das Ziel des ehemaligen Börsenmaklers war es, weniger als 80 Stunden für die Weltumrundung zu brauchen. Seine Flugroute verlief auf der Nordhalbkugel und führte ihn zunächst über Chicago nach Toronto und Montreal (Kanada). Neufundland war die letzte Station vor der Überquerung des Atlantiks.

Die Route

In Europa erreichte er zunächst Irland, Wales und England, bevor er über Frankreich, Italien und Griechenland den mittleren Osten erreichte. Frühere Rekordversuche erhielten von Libyen keine Überfluggenehmigung, aber diesmal waren die Libyer sehr kooperativ.

Steve Fossett über dem Atlas-Gebirge in Nordwest-Afrika. Etwa ein Drittel der Strecke liegt hinter ihm

Weiter ging es über Ägypten, Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman nach Pakistan, Indien, Bangladesch und Myanmar. Dann folgte das große Reich der Mitte, China, bevor ein Katzensprung Fossett nach Japan brachte. Das letzte große Stück war die Pazifiküberquerung, die über die Midway-Inseln nach Honolulu führte. Schließlich erreichte er südlich von Los Angeles wieder amerikanisches Territorium.

Zu sehen war Fossetts Flieger mit bloßem Augen nicht, denn er flog deutlich höher als normale Flugzeuge. Aber der Kondensstreifen war vom Boden aus deutlich zu erkennen, wenn man das Glück hatte und seine Route über einen hinweg führte.

Das Flugzeug

"GlobalFlyer I" bei einem Probeflug im April 2004 über der Sierra Nevada im Westen der USA

Sein Flieger wurde speziell für diesen Langstreckenrekord von Burt Rutan entwickelt. Die maximale Flughöhe beträgt 15850 Meter bei einer Höchstgeschwindigkeit von etwa 460 km/h.

Der Flieger ist knapp 12 Meter lang und hat eine Spannweite von rund 35 Metern. In der Mitte zwischen den beiden großen Tanks hängt die druckdichte Pilotenkapsel. Es wurden ausschließlich die neuesten Verbundwerkstoffe eingesetzt, die das Gerät extrem leicht machen (nur etwa 1,5 Tonnen).

Angetrieben wird es von einem Turbofan, einer Kombination aus Düsentriebwerk und Propeller. Fast neun Tonnen Treibstoff wurden auf 17 Tanks verteilt, um sicherzustellen, dass der Sprit auch reicht. Der Treibstoff machte 85 Prozent des Startgewichts aus. Aber "GlobalFlyer I" verbraucht umgerechnet weniger als ein Mini Cooper.

Bequem ist was anderes. Drei Tage musste Fossett in dieser engen Kapsel wach und konzentriert bleiben, unterbrochen nur von kurzen intensiven Nickerchen - so genanntes "Power Napping"

Eine Toilette konnte natürlich nicht eingebaut werden, Fossett behalf sich mit einem Urinbeutel in seinem Astronautenanzug. Der Anzug schützte ihn auch vor den niedrigen Temperaturen und dem geringen Druck hoch oben am Himmel. Aufstehen war natürlich auch nicht möglich, so verbrachte Fossett drei Tage lang sitzend in seinem zwei Meter langen Cockpit.

Die Probleme

Schon wenige Stunden nach dem Start zweifelte Fossett, ob der Rekordversuch klappen würde. Das GPS-System war einige Zeit ausgefallen, lebensnotwendig für die Navigation oder Rettung, falls etwas schief gehen sollte.

Kurz vor Japan dann der zweite Schock: Es fehlte Treibstoff und es war zu befürchten, dass der Versuch nicht vollendet werden konnte. Da kam Fossett der so genannte "Jet Stream" zu Hilfe. Jet Streams sind Luftströmungen rund um den Globus in der oberen Atmosphäre, die sehr hohe Geschwindigkeiten erreichen und immer von West nach Ost wehen. Fossett und auch Piloten von Verkehrsflugzeugen nutzen die Jet Streams, um Treibstoff zu sparen und schneller voranzukommen.

Trotz knappem Treibstoff gelang es Fossett schließlich doch noch, seinen Rekordversuch zu beenden. Nachdem er auf den Flug mit Champagner angestoßen hatte, wollte er als erstes Duschen.

Das Team

Gemeinsam einen großen Traum wahrgemacht: Richard Branson und Steve Fossett vor dem "GlobalFlyer I".

Möglich gemacht haben dieses waghalsige und einmalige Unternehmen Steve Fossett und Richard Branson zusammen mit ihrem Team. Die beiden haben schon andere Rekorde aufgestellt, etwa die Umrundung der Erde in einem Ballon, oder die schnellste Atlantik-Überquerung. "Globalflyer I" wandert nun ins Luft- und Raumfahrt-Museum nach Washington.

Übrigens:

Der Konstrukteur des "Globalflyer I", Burt Rutan, hat auch das "SpaceShip One" gebaut.

Das Projekt "Globalflyer I" erforderte lange Planung und Vorarbeit und dauerte also eigentlich doch länger als 80 Tage.

Fossett und Branson helfen mit "Globalflyer I" dem Projekt ORBIS. Das ist ein fliegendes Augenkrankenhaus, mit dem Kindern in der dritten Welt geholfen wird.

Links:

Ein kurzes Video der Tagesschau über Steve Fossetts Flug

Die Homepage von Steve Fossett (Englisch)

Die Homepage des Projektes "VirginAtlanticGlobalFlyer" (Englisch)

Wer den MS Flight-Simulator besitzt, kann sich hier Add-Ons herunterladen und den Rekordflug nachspielen.

Hier findet ihr die Geschichte von Fossetts Weltumrundung im Ballon bei WASISTWAS.DE

Hier erfahrt ihr mehr zu Burt Rutans "SpaceShip One" bei WASISTWAS.DE

Das Wohltätigkeits-Projekt ORBIS, das von Fossett und Branson unterstützt wird (Englisch)

Text: -jj- 4.3.2005 / Bilder mit freundlicher Genehmigung & Copyright "Virgin Atlantic GlobalFlyer"-Projekt.

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt