Eisrettung mit dem Polizeihubschrauber

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Eisrettung mit dem Polizeihubschrauber

Wenn jemand auf einem See oder einem anderen tiefen Gewässer ins Eis eingebrochen ist, ist schnelle Hilfe nötig. Deshalb führt die bayerische Polizeihubschrauberstaffel in regelmäßigen Abständen Eisrettungsübungen durch. Wir waren für euch dabei.

Es sieht alles sehr echt aus, wenn der grün-weisse Hubschrauber über dem fränkischen Rothsee kreist und die Besatzung mit Hilfe einer Rettungswinde den Taucher aus dem winzigen Eisloch bergen will.

Die Rettungstaucher der Wasserwacht und der DLRG (Deutsche Lebensrettungs Gesellschaft) springen tatsächlich ins eiskalte Wasser, um  eine ins Eis eingebrochene Person zu simulieren, bzw. diese zu bergen.

Am Ufer treffen wir Manfred Röder, den Leiter der Rother Staffel,  die für ganz Nordbayern zuständig ist. Seine Kollegen, welche die andere Hälfte des Freistaats beaufsichtigen, sind am Flughafen München stationiert. Röder lässt jede Mannschaft drei Übungsvarianten fliegen:

Variante 1: Hubschrauberbesatzung ohne Helfer

Wenn der Notruf den Helikopter erreicht, muss alles sehr schnell gehen. Wenn keine Retter der diversen Hilsorganisationen vor Ort sind, müssen die zwei Personen an Bord des Hubschraubers die verunglückte Person selbst aus dem Eis ziehen. Dafür wird das so genannte Bergetauverfahren angewendet: Das Tau wird in das Eisloch hinuntergelassen, und der Mensch im Wasser muss sich die Leine um den Körper legen. Er wird dann vorsichtig aus dem Eis gezogen und am Seil hängend ans rettende Ufer gebracht.  

Variante 2: Hubschrauberbesatzung mit Helfer

Wenn der Rettungswagen bereits am Ufer wartet, fliegt der Hubschrauber erst dort hin und nimmt einen Helfer an Bord. Anschließend steuert die Pilot die Unfallstelle an, überfliegt sie erst, dreht einen Kreis und kehrt dann dorthin zurück. Er geht tiefer und setzt den Helfer vorsichtig am Rand des Eislochs ab. Dieser versorgt dann den Eingebrochenen und bereitet die Bergung vor. Er legt ihm die Schlinge an und sichert ihn entsprechend. Bei den Varianten eins und zwei kann das Unfallopfer nicht in den Hubschrauber geholt werden, weil das Seil nicht an der Rettungswinde hängt, sondern fest am Hubschrauber angebracht ist. Bei der Übung wird davon ausgegangen, dass der Hubschrauber keine Winde hat und die Besatzung mit Bordmitteln helfen muss. Der Gerettete wird allein oder gemeinsam mit dem Helfer am Seil hängend ans Ufer geflogen und dort abgesetzt. In der Regel sind dann bereits Helfer vor Ort, die den Krankentransport vorbereiten.

Variante 3: Bergung mit Rettungswinde

 Außen am Hubschrauber ist eine Rettungswinde angebracht. Der Helfer hängt an der Winde und hilft so dem Unglücklichen aus dem Eis.

Bei allen diesen Varianten ist die Bergung gar nicht so einfach, wie es beim Zusehen erscheinen mag, denn ab einem gewissen Punkt sieht der Pilot nicht mehr, was direkt unter ihm ist. Das zweite Besatzungsmitglied, der Flugtechniker, muss ihm dann assistieren, auf die Kufe steigen und ihn zur Unfallstelle lotsen. Das nennt man einsprechen - der Techniker sagt also z. B. drei nach vorne, fünf nach rechts, und auf diese Kommandos muss der Pilot dann entsprechend punktgenau reagieren. Auch wenn das Unfallopfer aus dem Wasser gezogen ist, muss so verfahren werden, damit der Pilot über die Vorgänge unter ihm informiert ist. 

Größte Gefahr: Unterkühlung

Bei der Rettung aus einem Eisloch kämpft die Besatzung vor allem gegen die Zeit. Dabei geht es weniger darum, dass Verunglückte ertrinken können, als um die Gefahr, die vom eiskalten Wasser ausgeht. Wenn der Körper zu sehr abkühlt, setzt im Herz eines Menschen das so genannte Kammerflimmern ein, und es hört auf zu schlagen. Gefährlich wird es auch, wenn die Temperatur im Unterkörper deutlich tiefer liegt als im Oberkörper, der noch aus dem Wasser ragt. Wenn das Blut sich nicht vermischen kann, um den Temperaturaustausch einen langsamen Anstieg der Körpertemperatur herbeizuführen, ist es zum Überleben zu spät.

Auf diese Weise sind viele Passagiere der 1994 gesunkenen Fähre ESTONIA ums Leben gekommen. Um zu überleben, hätten sie sich nicht ins Rettungsfloß setzen sondern legen müssen.

Auch diese Maßnahmen werden hier geübt. Alle drei Varianten müssen von jedem Piloten dreimal geflogen werden. Bei der Übung klappt die punktgenaue Rettung innerhalb weniger Minuten.  Wenn der Taucher ein wirkliches Unfallopfer gewesen wäre hätte es mit großer Wahrscheinlichkeit überlebt. 

Hier erfahrt ihr mehr:

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Text und Bilder: Roland Rosenbauer 14. 2. 2006

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