RailCab - Das erste Taxi auf Schienen

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RailCab - Das erste Taxi auf Schienen

Man nehme eine Mixtur aus Transrapid und Taxi, setze diese auf herkömmliche Gleise und fertig ist ein Schienentaxi. Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Bevor das Schienentaxi der Uni Paderborn, auch RailCab genannt, an den Start gehen darf, muss es noch viele Tests durchlaufen. Heute, am 18.06.2003, rollt es erstmalig über die eigens zu diesem Zweck auf dem Unigelände erbaute Versuchsstrecke.

Die Bahn von morgen

RailCab ist ein Projekt der Uni Paderborn in Nordrhein-Westfalen. Das hier erstellte Verkehrskonzept könnte in Zukunft unser Eisenbahnsystem revolutionieren und das sieht dann so aus:

Wir schreiben das Jahr 2023. Herr Müller sitzt gerade am Frühstückstisch und beißt in ein Croissant, als ihm spontan die Idee kommt, mit seinen Kindern in den Berliner Zoo zu fahren. Er greift zu seinem Labtop und gibt via Internet für die Strecke Nürnberg-Berlin seine gewünschte Abfahrtszeit und seinen Wunsch-Bahnhof an. Festgelegte Fahrpläne und vorgeschriebene Abfahrtszeiten gibt es nicht mehr.

Um 11:00 Uhr ist es dann soweit. Als Familie Müller im Nürnberger Bahnhof eintrudelt, steht ihr Taxi auf Schienen schon bereit. Die futuristisch gestaltete Fahrkabine des RailCabs Shuttle genannt - bietet Platz für acht Personen. Es gibt weder einen Zugführer noch einen Schaffner. Ohne lästiges Umsteigen bringt sie das computergesteuerte Shuttle mit 180 km pro Stunde ans Ziel. Ab und an bildet ihr Shuttle mit anderen Shuttles, die den gleichen Weg haben, einen Konvoi. Das Fahren im Windschatten anderer Shuttles spart nämlich Energie. Nicht alle Shuttles des Konvois sind gleich. Man unterscheidet so genannte Cargo-Shuttles, die zum Gütertransport dienen, und Personen-Shuttles. Auf Wunsch gibt es sogar Fahrkabinen mit Konferenztischen.

Unterwegs auf Magnetschienen

Das RailCab hat mit einem herkömmlichen Zug nicht mehr viel gemeinsam. Der Antrieb der üblichen elektrischen Eisenbahnen erfolgt über Elektromotoren, die über Getriebe auf die Räder wirken. Von den Rädern wird die Kraft auf die Schienen übertragen. Ein Teil der Kraft geht hierbei durch Reibung zwischen Rad und Schiene verloren, besonders in den Kurven.

Nicht so beim Schienentaxi. Hier werden die Räder des Fahrzeugs nur noch zum Führen und Lenken genutzt, auch Oberleitungen sind nicht mehr nötig. Das RailCab wird von einem elektromagnetischen Linearmotor angetrieben. Es fährt, gleich einem Mini-Transrapid, auf einem Magnetfeld dahin. Damit dies überhaupt möglich ist, muss jedoch das herkömmliche Schienennetz um eine dritte Schiene - einer Magnetschiene - in der Mitte ergänzt werden. Wird durch den Fahrweg bzw. die mittlere Schiene nun Strom geleitet, entsteht ein magnetisches Wanderfeld. Dieses Feld zieht das ebenfalls mit so genannten Tragmagneten ausgestattete Schienentaxi gleichsam mit sich.

Konkurrenz für den großen Bruder?

Mit dem Schienentaxi bekommt die Magnetschwebebahn Transrapid ernstzunehmende Konkurrenz. Denn die flexiblen Taxi-Shuttles von morgen benötigen lediglich normale Eisenbahngleise, die mit einer zusätzlichen Schiene, der Magnetschiene, in der Mitte versehen sind. Es müssen keine Milliarden für komplett neue Trassen ausgegeben werden, wie es beim großen Bruder, dem räderlosen Transrapid der Fall ist. Noch ist das RailCab aber nur auf der neuen Teststrecke zu sehen. Dort wird das Versuchs-Taxi auf Herz und Nieren geprüft, bevor es Familie Müller in den Zoo bringen kann. Und das kann noch locker 15 Jahre dauern.

Hier gibt es mehr Infos zum Thema RailCab: www.railcab.de

18.06.2003 Marion Dimitriadou, Bilder: Universität Paderborn

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