Führerschein mit 17 - Sicherheit statt Vollgas

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Führerschein mit 17 - Sicherheit statt Vollgas

Ihr fiebert eurem 18. Geburtstag entgegen und könnt es gar nicht abwarten endlich Auto fahren zu dürfen? Dann habt ihr Glück, wenn ihr in Bremen, Hamburg, Niedersachsen oder Bayern lebt. Hier dürfen Jugendliche ab sofort schon mit 17 hinters Steuer. Vorausgesetzt eine Begleitperson mit entsprechender Fahrpraxis ist mit von der Partie.

Der Modellversuch "Begleitetes Fahren" - im Volksmund meist "Führerschein mit 17" genannt - wird schon seit Jahren diskutiert. Im Juli 2005 hat der Bundesrat endlich grünes Licht gegeben. Im Klartext heißt das: Das Bundesverkehrsministerium darf jetzt die Fahrerlaubnisordnung und die Fahrschüler-Ausbildungsordnung ändern. Im Rahmen der gesetzlichen Regelung darf dann jedes Bundesland für sich entscheiden, ob der Modellversuch eingeführt wird oder nicht.

Vorerst in vier Bundesländern

Vorerst haben sich Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Bayern dafür entscheiden, Jugendliche mit 17 hinters Steuer zu lassen. Experten versprechen sich davon vor allem mehr Sicherheit auf den deutschen Straßen und weniger schlimme Verkehrsunfälle bei Fahranfängern. Momentan ist fast jeder zweite, der bei einem Unfall getötet oder schwer verletzt wird, zwischen 18 und 25 Jahre alt. Außerdem werden 25 Prozent aller Unfälle von jungen Autofahrern verursacht.

Tipps von Erwachsenen

Das Problem bislang: Normalerweise sind Jugendliche nach der Fahrschule und bestandener Prüfung sofort auf sich allein gestellt. Saß bislang noch der Fahrlehrer neben ihnen, kann jetzt oft niemand mehr helfen, wenn es in einer Situation mal brenzlig werden sollte. Mit dem Modellprojekt sollen die Jugendlichen die Möglichkeit erhalten, nach dem bestandenen Führerschein mit 17 für ein Jahr von einer erfahrenen Person begleitet zu werden. Sie soll nicht ins Fahrgeschehen eingreifen, kann aber Tipps geben und mit Rat und Tat zu Seite stehen. Studien haben ergeben: Schon die Anwesenheit einer älteren Person auf dem Beifahrersitz wirkt dämpfend auf das Fahrverhalten. So soll den jungen Fahranfängern mehr Routine und Sicherheit vermittelt werden.

Gute Erfahrungen in Schweden und Österreich

Unsere Nachbarn in Österreich und Skandinavien haben mit dem Modell schon sehr positive Erfahrungen gemacht. In Schweden konnte die Zahl der Verkehrstoten in der besagten Altersgruppe schon um 40 Prozent gesenkt werden. Bleibt abzuwarten, welche Erfahrungen in Deutschland gemacht werden. Der Andrang der Jugendlichen ist jedenfalls riesig. Allein in Niedersachsen haben in zehn Monaten schon 6.000 Eltern und Jugendliche das Angebot "Führerschein ab 17" angenommen.

Mit 16einhalb kann es losgehen

Ihr möchtet euch am liebsten sofort selbst in einer Fahrschule anmelden? Das ist möglich, wenn ihr mindesten 16einhalb Jahre alt seid und in einem der vier besagten Bundesländer gemeldet seid. Zunächst muss eine Zustimmung der Erziehungsberechtigten vorliegen, dann könnt ihr einen Ausnahmeantrag beim zuständigen Amt stellen. Wird dieser bewilligt, kann es mit Theorie- und Praxisstunden losgehen. Die Prüfung kann frühestens einen Monat vor dem 17. Geburtstag abgelegt werden.

Fahrerlaubnis auf Probe

Im Gegensatz zu den 18jährigen "Kollegen" bekommen 17jährige nach bestandener Prüfung keinen richtigen Führerschein ausgehändigt, sondern eine vorläufige Fahrerlaubnis. Erst wenn das 18. Lebensjahr erreicht ist, wird die Probebescheinigung in eine echte Fahrerlaubnis umgewandelt ohne zweite Ausbildungsstufe oder weitere Prüfung.

Zwei Aufpasser können es sein

Das Dokument über die vorläufige Fahrerlaubnis ist bei jeder Fahrt mitzuführen. Noch wichtiger ist jedoch, dass immer eine Begleitperson mitfährt, die mindestens 30 Jahre alt ist und seit wenigstens fünf Jahren den Führerschein der Klasse B hat. In Niedersachsen und Bremen muss es ein Elternteil sein. In Hamburg und Bayern ist das keine Pflicht. Hier können bei der Antragsstellung zwei mögliche "Aufpasser" angegeben werden, die dann den Behörden bekannt sind. Die haben auch die Möglichkeit sich bei der Fahrschule als Begleiter schulen zu lassen. Das ist allerdings freiwillig.

Nie ohne

Es empfiehlt sich auf keinen Fall auszutesten, ob man vielleicht auch schnell mal ohne Begleitung um den Block fahren kann. Denn dann drohen strenge Strafen. Eine saftige Geldbuße und ein Punkt in der Verkehrssünderkartei Flensburg werden erteilt, wenn man erwischt wird. Und mit dem Fahren ist es bis zur Volljährigkeit auch erstmal vorbei.

Projekt läuft bis 2010

Das Modellprojekt "Begleitetes Fahren" soll vorerst bis 2010 laufen. Dann werden die Politiker anhand der gemachten Erfahrungen entscheiden, ob die Fahrerlaubnis auf Dauer ab 17 erworben werden kann. Es ist jedenfalls zu erwarten, dass sich in nächster Zeit noch weitere Bundesländer dem Versuch anschließen.

Nic 08.09.2005 / Foto: Tüv Nord

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