Die Semmeringbahn: Natur und Technik perfekt kombiniert

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Die Semmeringbahn: Natur und Technik perfekt kombiniert

Schon am Tag ihrer Einweihung am 17. Juli 1854 galt die österreichische Semmering-Bahn als die perfekte Kombination von Technik und Natur. Faszinierend wie sich die erste Gebirgseisenbahn der Welt durch steile Felswände schlängelt, Brücken und Aquädukte überquert und immer wieder in einem der 15 Tunnels verschwindet und wieder auftaucht bis heute!


Zum damaligen Zeitpunkt war das Schienennetz in Österreich bereits recht gut erschlossen. Doch eine Bahnlinie über den Semmering also über das Gebirge zu führen, galt als kühnes Unterfangen. Doch der Kaiser hatte sich in den Kopf gesetzt, eine Bahnstrecke von Wien nach Triest durch die Berge, und nicht umständlich über Ungarn, zu führen. Die Linien von Wien nach Gloggnitz sowie von Graz nach Mürzzuschlag existierten bereits. Jetzt galt es beide Bahnlinien zu verbinden.

Ästhetisches Gesamtkunstwerk

Mit dem Großprojekt wurde Carl Ritter von Ghega beauftragt. Der gebürtige Venezianer trug bereits im Alter von 16 Jahren den Ingenieurstitel und hatte ein Jahr später das Doktorat der Mathematik erlangt. Da er auch Kunstgeschichte und Architektur zu seinen Interessensgebieten zählte, ist es nicht verwunderlich, dass er den Bau der harmonisch in die Landschaft eingebetteten Semmering- Bahnlinie als ästhetisches Gesamtkunstwerk verstand.

Tunnels, Brücken, Viadukte

1842 übernahm Ghega die Gesamtplanung der künftigen Staatsbahn von Österreich und wurde mit dem Bau der südlichen Strecke Richtung Triest das damals zu Österreich gehörte beauftragt. Das Hauptproblem, die Überwindung des Semmering, meisterte er in nur fünf Jahren Bauzeit. Das schwierige Gelände mit Schluchten und Bergrücken erschwerte die Verlegung der Schienen durchs Gebirge erheblich. Doch durch die zusätzliche Konstruktion von 15 Tunnels, 16 teilweise zweistöckigen Viadukten und über hundert steinernen Brücken wurde das scheinbar Unmögliche möglich gemacht.


Kaum technische Hilfsmittel

Dabei wurde die Semmering-Strecke quasi noch in "Handarbeit" und mit primitivsten Mitteln errichtet. Es gab kaum Baumaschinen lediglich Flaschenzüge, Hebel und Schwarzpulver als Sprengmittel standen den Arbeitern zur Verfügung, die am Höhepunkt der Bauarbeiten 20.000 zählten. Es war eine harte Plackerei und rund 1.000 Menschen verloren durch Unfälle, besonders aber durch Seuchen wie Typhus und Cholera, ihr Leben.

Welche Lok hat genügend Puste?

Während der Streckenbau in vollem Gange war, galt es noch ein weiteres Problem zu lösen: Es musste eine Dampflokomotive her, die in der Lage war, die enorme Steigung über den Semmering zu überwinden. Insgesamt 457 Höhenmeter mussten bezwungen werden für die damalige Zeit unvorstellbar! Zwei Jahre nach Baubeginn wurde deshalb ein Ingenieurswettbewerb für Berglokomotiven veranstaltet. Die vier ausgewählten Konstruktionen erfüllten zwar die Anforderungen, stellten aber keine perfekte Lösung dar. Aus den vier Konkurrenz-Modellen wurde dann die sogenannte Semmering- Lokomotive entwickelt.

Traumhaftes Gebirgspanorama

Am 16. Mai 1854 befuhr das österreichische Kaiserpaar die Bahnstrecke in einem Testlauf. Am 17. Juli wurde die Semmeringbahn dann feierlich für den Personenverkehr eröffnet. Zu dieser Zeit waren Besichtigungsfahrten groß in Mode. Und da die Semmeringbahn ein herrliches Panorama auf das Gebirge eröffnete, wurden z.B. Pfingsten 1857 55.000 Menschen an zwei Tagen von Wien nach Mürzzuschlag transportiert.

Ende des Dampfbetriebs

Nach fast 105 Jahren war der Dampfbetrieb am Semmering zu Ende. 1956 wurde der elektrische Betrieb aufgenommen. Der Vorteil: Statt 6 km/h konnte der Zug jetzt mit 60 Stundenkilometern über den Semmering brausen. Die letzte grundlegende Änderung erfolgte 1977: Seitdem wird die gesamte Strecke ferngesteuert. Zwei Fahrdienstleiter wechseln sich bei einem jeweils zwölf stündlichen Dienst ab.

Vorbild für Modellbahnbauer

1998 wurde die Semmering-Bahn in die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO aufgenommen. Die herausragende technische Lösung der Bahn sowie die dadurch entstandene neue Form der Kulturlandschaft dienten als Begründung. Für Modelleisenbahnbauer in aller Welt zählt die Semmeringbahn zu den am schönsten angelegten Bahnstrecken der Welt.

Nic 14.7.2004 /2008 / Copyright Fotos: Erich Kodym

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