1908: Die erste "Blechliesel" geht vom Band

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1908: Die erste "Blechliesel" geht vom Band

Das Modell T von Ford, auch Tin Lizzy oder auf deutsch "Blechliesel" genannt, war das meistverkaufteste Modell der Welt bis der VW Käfer diesen Rekord 1972 übernahm.

Zwischen 1908 und 1927 wurden allein in den USA 15 Millionen Stück gebaut. Es war das erste Auto, das sich auch einfache Menschen leisten konnten, denn Ford ließ es am Fließband produzieren.

Im Piquette Gebäude in Detroit wurde das 1. Modell T montiert. Heute ist dort ein Museum mit Besucher- zentrum.©Ford

Ford Motor Company

1903 hatte Henry Ford sein Unternehmen Ford Motor Company in Detroit, Michigan, gegründet. Er begann seine Produktion mit dem Modell A. Seine Modelle und Prototypen sollten in alphabetischer Reihenfolge benannt werden.

Zu Beginn kaufte Ford die Teile, außer Räder und Karosserie, bei den Brüdern Horace und John Dodge ein. Ford war damals vor allem ein Montagebetrieb. Das sollte sich erst 1914 ändern.

Ein Ford Modell T aus dem Jahre 1908. In diesem Jahr feiert Ford das 100-jährige Jubiläum seines Erfolgs- modells.©Ford

T-Modell = Tin Lizzy

Im Jahr 1908 schuf er mit seinem T-Modell den absoluten Renner: Das Auto war einfach zu bedienen und auch zu reparieren. Es hatte keine Gangschaltung mit Kupplung und Schalthebel, keine Wasserpumpe und auch keinen Ölfilter.

Die 14-Gang Nabe Rohloff Speedhub 500/14 ist ein Planeten- getriebe. ©Rohloff AG

Tin Lizzy hatte ein sogenanntes Planetengetriebe mit zwei Gängen, das über ein Fußpedal bedient wurde. Planetengetriebe, eine spezielle Art des Zahnrad-Getriebes, findet man zum Beispiel in einer Fahrrad- Nabenschaltung oder bei verschiedenen Automatikgetrieben.

Bei 20 PS konnte das Modell T etwa 67 Stundenkilometer erreichen.

Der Wagen war sehr schlicht gebaut. Man konnte zwischen verschiedenen Modellen variieren: Coupé, zwei- oder viersitziges Cabriolet, Limousine oder Lastwagen standen zur Auswahl. Ausgelegt waren die Fahrzeuge auf Langlebigkeit und Funktionalität ohne besonderen Komfort bei der Ausstattung. Das Fahrzeug war eben ein Massenprodukt und das war nur möglich, weil es das erste Auto war, das erfolgreich am Fließband hergestellt wurde!

Ein Wagen aus dem Jahr 1926.

Das Fließband in der Automobil- herstellung

Im Januar 1914 stellte Henry Ford seine Produktion von Automobilen auf Fließbandarbeit um. Dabei werden Teile auf einem Band zum nächsten Arbeitsschritt befördert und montiert. Jeder Arbeiter und Mechaniker hat seinen Platz in dieser Arbeitskette und macht immer dieselben Aufgaben. Der eine schweißt das Chassis an, der nächste baut den Motor ein, der nächste lackiert etc. Für jeden Arbeitsschritt gibt es eine bestimmte Zeit, die der Arbeiter zur Verfügung hat, um sie auszuführen. Dann wird das fertige Teil weitertransportiert und das nächste kommt. Das Fahrzeug entsteht Schritt für Schritt. Die Arbeiter bei Ford wurden auch danach bezahlt, welche Stückzahl sie pro Tag schafften. Um die Produktion noch stärker zu vereinheitlichen und damit gewinnbringender zu machen, wurden vor allem schwarze Modelle produziert.

Neuerungen im Produktionsablauf

Henry Ford führte wichtige Neuerungen in den Produktionsvorgang ein, die auch die Herstellung anderer Massenartikel wie Süßigkeiten oder Kleidung stark beeinflusste: Die Standardisierung der Modelle zum Beispiel, sodass alle Fahrzeugmodelle zunächst dieselbe Ausstattung haben. Wollte ein Kunde Extras, mussten die auch bezahlt werden. Oder, dass jeder Arbeiter beim Montageprozess nur für einen Schritt der Fertigung zuständig ist. Diesen einen Schritt kann fast jeder lernen, das heißt man braucht keine speziellen Mechaniker mehr, mit besonderer Ausbildung. Diese Montagearbeiter am Fließband sind also billiger. Durch das genaue Durchrechnen und Planen des Arbeitsablaufs am Fließband kann man optimale Stückzahlen produzieren und bleibt einfach günstig.

Mittlerweile wurden in der Automobilbranche viele der "Fließband-Aufgaben" automatisiert und werden von Industrie-Robotern ausgeführt.

Ein Auto für jedermann

Durch diese Umstellung wurde Tin Lizzy viel günstiger. Zahlte man vorher noch 850 US-Dollar für ein Modell T, bekam man es nun für rund 370 US-Dollar. Dank des Preises wurde das Modell T bis 1927 über 15 Millionen Mal verkauft, obwohl es in den 20er-Jahren technisch schon längst überholt war. Im Berliner Ford-Werk wurde die Montage des Modell-T am 31. August 1927 eingestellt, in den USA am 26. May 1927.

Am 18. Dezember 1999 wurde der Ford Modell-T von 133 Automobil-Journalisten und Fachleuten zum "Auto des Jahrhunderts" gewählt.

 -ab- 12.08.2008 Text / Fotos: 14-Gang-Nabe Rohloff Speedhub 500/14 : Rohloff AG; Modell T von 1926: MadEye Moody / GNU. Ford Modell T von 1908 und das Fabrikgebäude: Ford Company /Presse.

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