145 Jahre London Tube

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145 Jahre London Tube

Am 10. Januar 1863 wurde der erste Streckenabschnitt der Londoner U-Bahn eröffnet, der ältesten und längsten Untergrundbahn Europas. Mehr über das Transportsystem, das täglich von mehr als 2,5 Millionen Fahrgästen genutzt wird, erfahrt ihr hier ...

Als die Eisenbahn erfunden war, schossen in und um London Bahnhöfe wie Pilze aus dem Boden. Allerdings war jeder Bahnhof eine Endstation und sie lagen alle außerhalb der Innenstadt. Fahrgäste mussten mit Kutschen vom einen zum anderen Bahnhof reisen. Das führte zu einem regelrechten Kutschenchaos in der Stadt.

Ab in den Untergrund



1851 wurden erstmals Pläne für eine Untergrundbahn präsentiert. Eine Breitspureisenbahn sollte in Tunneln unter der Stadt verkehren. Als erstes sollte die Station Paddington mit der City of London, also der Innenstadt, verbunden werden. Man plante von vornherein unterirdisch, weil man den Zug- vom Straßenverkehr trennen wollte. Eine Hochbahn kam nicht in Frage, weil man das Stadtbild nicht verschandeln wollte.

Aus der Metro wird die Tube



Am 7. August 1854 wurde die Metropolitan Railway gegründet. Davon leitet sich auch der weltweite Begriff für U-Bahnen, Metro, ab. Schon Ende des 19. Jahrhunderts nannten die Londoner ihre U-Bahn aber Underground, also einfach Untergrund. Wegen des Tunnelquerschnitts etablierte sich nach und nach auch der Begriff tube, also Röhre.


40 000 Fahrgäste am Eröffnungstag




Nach einigen Verzögerungen begann man im Februar 1860 mit den Bauarbeiten. Am 10. Januar 1863 wurde schließlich die erste, mit Dampflokomotiven betriebene U-Bahnlinie von Paddington Station zur Farringdon Street Station (siehe Bild) eröffnet. Am ersten Tag nutzten bereits 40 000 Fahrgäste die Strecke. Noch heute wird dieser Streckenabschnitt bedient.


Sub-Surface und Tube


Es gibt zwei Arten von U-Bahn-Zügen: Unterpflasterbahnen (Sub-Surface) und Röhrenbahnen (Tube). Die ersten gebauten Bahnen waren Unterpflasterbahnen. Die werden in offener Tunnelbauweise gebaut. Das heißt: Eine Baugrube wird ausgehoben, die Tunnelwand errichtet und die Gleise verlegt. Anschließend wird ein Deckel auf den Tunnelkasten gesetzt und darüber die Straße neu verlegt. Die durchschnittliche Tiefe dieser Bahnen beträgt fünf Meter, der Tunneldurchmesser liegt bei 7,62 Meter.


Tiefer, dafür schmaler


Röhrenbahnen wurden anfangs mit Schaufel und Hacke ausgehoben. Sie verlaufen in etwa 20 bis 50 Meter Tiefe. Der Tunneldurchmesser ist weniger als halb so groß wie bei den Unterpflasterbahnen, nämlich nur 3, 56 Meter. Die beiden Teilbahnsysteme sind getrennt, Nur eine Ausnahme gibt es, die Strecke Rayners Lane Uxbridge, hier fährt sowohl eine Tube- als auch eine Sub-Surface-Bahn.


Mit Dampf durch den Tunnel


Anfangs gab es verschiedene Antriebsmethoden: Sub-Surface-Bahnen wie die Strecke von Paddington in die Innenstadt wurden zunächst als unterirdische Eisenbahnen verstanden. Es fuhren also tatsächlich Dampfloks unterirdisch. Eigentlich aber auch nichts anderes als die Fahrt durch einen Tunnel.


Die am 2. August 1870 eröffnete Tower Subway wurde von einem Kabel gezogen, dass von Dampfmaschinen in Bewegung gesetzt wurde. Dieses System war allerdings kaum brauchbar, denn der einzige Wagen bot nur zehn Passagieren Platz. Es konnte auch kein zweiter Wagen im Tunnel verkehren. Ende 1870 wurde der Tunnel zu einem Fußgängertunnel umfunktioniert und als 1894 die Tower Bridge fertiggestellt war, wurde auch der stillgelegt. Aber immerhin hatte man bewiesen, dass man einen Tunnel unter der Themse bauen konnte.


Am 4. November 1890 wurde die erste elektrisch betriebene U-Bahnlinie (siehe Bild)eröffnet, die City & South London Railway. Zwischen 1901 und 1908 wurden nach und nach alle Linien elektrifiziert. Dafür entstanden zwei Kohlekraftwerke, die Lots Road Power Station und die Neasden Power Station.


Die Londoner Tube


Die Länge des Streckennetzes beträgt aktuell 408 Kilometer mit 274 Stationen. Die meisten Linien verkehren außerhalb der Innenstadt oberirdisch, nur 45 Prozent der Strecken verlaufen unter der Erde. Nur zwei Linien verkehren komplett unterirdisch, die Victoria Line und die Waterloo & City Line.


Jeden Tag fahren rund 2,67 Millionen Fahrgäste mit der Tube, an Spitzentagen bis zu 3,4 Millionen. 2004/2005 wurde die Rekordzahl von 976 Millionen Fahrgästen transportiert. Die Züge verkehren werktags von 5 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts, an Sonntagen von 7 Uhr bis Mitternacht. In Hauptzeiten beträgt die Zeit zwischen zwei Zügen zwei Minuten, tagsüber vier Minuten und Nachts bis zu zehn Minuten. Das Streckennetz verläuft hauptsächlich nördlich der Themse. Südlich der Themse gibt es nur etwa zehn Prozent davon.


Wenn dich Schienenverkehr im allgemeinen interessiert, dann wirf doch auch mal einen Blick in unseren WAS IST WAS-Band 54: Die Eisenbahn.


Text: -jj- Bilder: Tower Subway: PD; Electric Railway: PD; Westminster: Jcornelius/GFDL; Gap Archer2000/GFDL; Farringdon ChrisO/GFDL; Tube Spsmiler/PD

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt