Gibt es eine direkte Verbindung mit dem Zug von Deutschland oder Frankreich nach Großbritannien?

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Gibt es eine direkte Verbindung mit dem Zug von Deutschland oder Frankreich nach Großbritannien?

Christina aus Uster in der Schweiz stellt diese Frage.

Die Idee einen Unterwasser- Tunnel zwischen Frankreich und Großbritannien zu bauen, gab es schon im Jahr 1750. Allerdings sollte dieser Tunnel damals für Pferdefuhrwerke sein - die Eisenbahn gab es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht. Später wurden sogar Unternehmen auf beiden Seiten des Ärmelkanals gegründet, die sich um die Realisierung des Bauprojektes bemühten.

Aber lange Zeit blieb die Idee vom Unterseetunnel zwischen England und Frankreich eine Idee - aus politischen, finanziellen und auch technischen Gründen. Erst 1985, als der Güter- und Personenverkehr zwischen dem Festland und der Insel immer stärker zugenommen hatte, beschlossen die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens das Projekt nochmals anzugehen.

Sie schrieben einen Wettbwerb aus. Den Zuschlag bekam ein Entwurf, der drei getrennte Röhren vorsah: zwei 7,6 Meter breite Fahrtunnel für die Züge und dazwischen einen 4,8 Meter breiten Versorgungstunnel für Wartung, Belüftung, und Notevakuierung. Einen Autotunnel hatten die Planer aus Sorge vor Unfällen und unüberwindlichen Belüftungsproblemen von vornherein ausgeschlossen.

Von 1988 bis 1994 entstand der Ärmelkanal-Tunnel zwischen England und Frankreich: zwei eingleisige Betriebsröhren mit Diensstollen dazwischen. Die Gesamtlänge betrug 49,2 Kilometer, davon lagen 37,5 unter dem Meer.

Der Bau wurde von beiden Seiten gleichzeitig begonnen: von Sangatte und Shakespeare Cliff bei Dover aus. Um den Aushub zu bewältigen wurden gigantische Bohrer angeschafft. Dass die britischen und französischen Tunnelbohrmaschinen sich auch ohne Abweichung langsam aufeinander zu bewegten, wurde mit Hilfe eines komplizierten Computerprogramms und eines Laserstrahls gesteuert. So wichen die drei Tunnelröhren an der Begegnungsstelle nur Zentimeter von der geplanten Linie ab.

Zur selben Zeit wie der Tunnel gebohrt wurde, wurden die neuen Fracht- und Passagierbahnhöfe errichtet. Der französische Bahnhof ist in Coquelles bei Calais, der britische liegt in Cheriton bei Folkstone. Die Bahnhöfe sind die Umschlagstationen für "Le Shuttle", wie der Zug genannt wird. "The Shuttle" beruht auf einem geschlossenen Schienensystem auf dem Personen und Lastwagen auf eigens dafür konstruierten Waggons durch den Tunnel transportiert werden.

Durch den Tunnel hat sich die Reisezeit von Paris nach London auf drei Stunden 15 Minuten verkürzt. Es ist der längste Unterwassertunnel der Welt.

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