Nylons: Fesche Strümpfe aus künstlichem Garn

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Nylons: Fesche Strümpfe aus künstlichem Garn

Ende der 30er Jahre eroberten Nylonstrümpfe die Damenwelt im Sturm. Zu verdanken ist die geniale Erfindung dem Chemiker Wallace Carothers, der am 28. Februar 1932 die erste vollsynthetische Kunstfaser für die Firma Du Pont entwickelte. Später wurde das Garn unter dem Namen Nylon patentiert.

Noch Anfang des 20. Jahrhunderts waren Damenstrümpfe ein fast unerschwinglicher Luxus. Sie wurden aus Seide hergestellt und waren sündhaft teuer.

Carothers und sein Team entwickelten dazu im Forschungslabor eine preisgünstige Alternative: Polyamid 66, das ab 1938 als Nylon vermarktet wurde.

Die durchsichtige, seidig schimmernde Faser erwies sich als extrem reißfest, leicht waschbar, hitzebeständig und fast unverwüstlich. Geradezu ideal, um billig für die Massen zu produzieren.

Keine Laufmaschen mehr

Nachdem das neue Material anfangs vor allem für die Herstellung von Zahnbürstenborsten, Angelschnüren und chirurgischem Garn verwendet worden war, stieg Du Pont 1938 auch in die Strumpfproduktion ein. In einer breitangelegten Werbekampagne wurde die amerikanische Öffentlichkeit auf das neue Produkt eingestimmt.

Das Wort Nylon wurde aus rein werbetechnischen Gründen gewählt. Aus No-Run (= keine Laufmasche) bastelten die Verkaufsstrategen einen griffigen Markennamen. Über Nuron und Nulon kamen sie zu Nylon auch wenn sich herausstellte, dass es in England 1850 schon einmal eine Schuhcreme dieses Namens gegeben hatte.

Strümpfe werden zum Verkaufsschlager

Ein erster Testverkauf im Oktober 1939 wurde für Du Pont zum Triumphzug. 4000 Paar Stümpfe aus dem Experimentallabor setzte die Firma innerhalb von nur drei Stunden ab.

Bei der offiziellen Markteinführung ein Jahr später gingen an nur zwei Tagen sogar vier Millionen Paar Nylonstrümpfe über den Ladentisch. Der Produktname setzte sich so schnell in den Köpfen der Käuferinnen fest, dass man bald Nylons sagte, wenn man Feinstrümpfe meinte.

Beine à la Monroe

Die Filmindustrie leistete übrigens einen wichtigen Beitrag zur Vermarktung der seidigen Beinkleider. Jede Frau wollte ihre Beine so begehrenswert verpacken wie Marlene Dietrich oder Marilyn Monroe.

Obendrein erfüllten Nylons auch noch einen praktischen Zweck. Riss bei der Autofahrt einmal der Keilriemen, mussten die Damenstrümpfe herhalten eine Praxis, die auf Bertha Benz zurückgehen soll, die Frau des berühmten Kraftfahrzeugingenieurs.

Nylons als Tauschobjekt

Durch die amerikanischen Besatzer eroberte der Nylonstrumpf nach dem Zweiten Weltkrieg auch den deutschen Markt.

Zwar hatte Dr. Paul Schack schon 1938/39 eine ähnliche Polyamidfaser mit dem Namen Perlon erfunden, doch sie kam wegen des Krieges vor allem im militärischen Bereich zum Einsatz. Zum Beispiel bei Fallschirmen. Ab 1945 waren Nylonstrümpfe auf dem Schwarzmarkt ein beliebtes Tauschobjekt.

Erste "Kunstgarne" im 19. Jahrhundert

Natürlich kamen nicht erst die Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts auf die Idee, künstliche Garne herzustellen. Bereits 1664 hatte der Engländer Robert Hooke die Vision von synthetischen Fäden aus Holz oder Baumwolle. Doch dazu fehlten damals die chemischen und technischen Möglichkeiten.

Erst als gegen Mitte des 19. Jahrhunderts die Entwicklung der Zellulosechemie einsetzte, konnten Kunstfasern aus natürlichen Rohstoffen produziert werden. Das Grundprinzip war dabei aber immer das gleiche: Die natürlichen Zellulosestränge wurden aus ihrer gewachsenen Struktur herausgelöst und durch Spinndüsen in Faserform gebracht.

Chemiefasern boomen

Noch heute werden Garne hergestellt, die aus natürlichen Zellulosefasern bestehen. Dazu zählt zum Beispiel Viscose.

Anders dagegen beim Nylon: Hierbei handelt es sich um die erste echte Kunstfaser, die aus rein chemischen Substanzen zusammengesetzt ist. Seit den Fünfziger Jahren werden Chemiefasern in immer größerem Umfang produziert. Inzwischen haben sie den natürlichen Stoffen in der Textilindustrie sogar den Rang abgelaufen.

In den letzten Jahren haben sich besonders Microfasern auf dem Markt durchgesetzt. Sie schützen vor Nässe und transportieren den Körperschweiß ab, weshalb sie besonders im Sport- und Freizeitbereich von großer Bedeutung sind.

Infos im Netz

Auf der Seite des Deutschen Strumpfmuseums könnt ihr euch unterhaltsam über die Technik und Geschichte der Strumpfherstellung schlau machen.

Nic 27.02.2002/aktualisiert 12.02.07-lm- / Foto: Deutsches Strumpfmuseum

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