Der Gasstreit

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Der Gasstreit

Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine, von denen viele Menschen in Europa in einem der kältesten Winter der letzten Jahre betroffen sind, scheint beigelegt. Schon mehrmals kam es in den letzten Jahren zu Konflikten. Doch was sind die Hintergründe?

Es ist einer der kältesten Winter der letzten Jahre. Ausgerechnet jetzt kam es in den letzten Wochen zu einem Streit zwischen Russland und der Ukraine um Erdgas. Deutschland bezieht rund ein gutes Drittel seines Gasbedarfs aus Russland.

Gasvorrat in Deutschland

Es gibt in Deutschland Vorratslager für Gas, die im Falle eines Lieferstopps 40 Tage halten sollen. In besonders kalten Wintern sind diese Vorräte aber deutlich schneller erschöpft, wie Bernd Schnittler, Geschäftsführer des Außenhandelsverbandes für Mineralöl und Energie in einem Interview mit Spiegel Online sagte.

Neben Gas gibt es auch eine gesetzlich vorgeschriebene Strategische Ölreserve. Die Vorräte an Öl, Heizöl, Diesel und Benzin reichen für deutlich mehr als 90 Tage.


Zurück zum Gas: Andere Länder in Süd- und Osteuropa sind teils komplett abhängig von Lieferungen aus Russland. Griechenland, Bulgarien aber auch Italien hatten unter dem Gasstreit viel mehr zu leiden, als wir. Es gab sogar Menschen, die in ihren Wohnungen erfroren.

Schulden und drastisch erhöhte Preise

Zum Jahreswechsel 2008/2009 waren die Lieferverträge zwischen Russland und der Ukraine ausgelaufen. Damit mussten die Bedingungen der Gaslieferung neu verhandelt werden. Russland forderte statt der bislang gezahlten rund 180 Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas nun 250 Dollar.


Außerdem solle die Ukraine laut dem einzigen russischen Gasversorger Gazprom angeblich noch ausstehende Schulden in Höhe von über einer Milliarde Dollar aus früheren Lieferungen zahlen. Die Ukraine behauptet aber, sie habe keine Schulden mehr.


Die Preiserhöhung auf 250 Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas war der Ukraine zu viel. Nach dem es am 1. Januar zu einem Lieferstopp gekommen war, schlug die Ukraine einen Preis von 235 Dollar vor und wollte gleichzeitig mehr Gebühren für das Gas haben, das durch die Ukraine nach Europa geliefert wird.


Daraufhin forderte Gazprom nun 418 Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas. Europäische Kunden zahlen übrigens im Schnitt 500 Dollar. Allerdings hat die Ukraine auch keine so hohe Wirtschaftsleistung wie europäische Staaten und kann daher eigentlich nicht so viel zahlen. Zudem zahlte die Ukraine noch 2005 nur 50 Dollar. Der Preis hat sich für die Ukraine seither also deutlich mehr als vervierfacht.

Bevölkerung leidet

Nachdem die Ukraine selbst seit Anfang Januar kein Gas mehr erhielt, wurden in der letzten Woche die Lieferungen komplett gestoppt. Denn Russland beschuldigte die Ukraine, Gas für den Eigenbedarf geklaut zu haben, statt es nach Europa durchzuleiten.

Daraufhin wurden die Gaslieferungen komplett eingestellt. Dadurch litten auch andere Staaten unter der Auseinandersetzung. Schulen und Kindergärten blieben geschlossen, Krankenhäuser mussten auf Notstromversorgung umstellen.


Nun schien es zunächst, als wäre der Streit beigelegt. Russland lieferte Gas, wie Beobachter der Europäischen Union feststellten. Die Ukraine lieferte es aber nicht weiter. Sie begründete dies mit zu geringem Druck, was Russland wiederum zurückwies. Der Streit auf Kosten der frierenden Bevölkerung in Europa geht also weiter.

Ein Konflikt mit Geschichte

Der Konflikt ist aber nicht neu: Schon 2006 kam es zur Einstellung der Gaslieferung durch Gazprom. Dabei ging und geht es nicht alleine um den Preis für Gas. Auch politische Hintergründe spielen eine Rolle. Nach dem Zerfall der Sowjetunion kam es in der Ukraine zur so genannten Orangenen Revolution. Damit näherte sich die Ukraine der EU und der NATO stark an. Das wird von Russland als Bedrohung aufgefasst, denn die Ukraine grenzt direkt an Russland.


Die Gaskrise zeigt auch, wie wichtig es ist, sich nicht nur von einem Lieferanten abhängig zu machen und generell auch andere Energiequellen zu erschließen. Spätestens jetzt ist es an der Zeit, versäumtes der letzten Jahrzehnte nachzuholen und neue, innovative umweltfreundliche Energiequellen zu erforschen und weiterhin zu fördern damit wir alle eine lebenswerte und energiesichere Zukunft haben und nicht jeden Winter zu Geiseln politischer Auseinandersetzungen werden.


Hier gibt es eine Chronik der jüngsten Ereignisse.

Text: -jj- 14.12. 2008 / Bilder: Pipeline: btr/cc-by-sa 2.5; Gasspeicher: Igelball/GFDL

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