Zankapfel Berliner Stadtschloss

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Zankapfel Berliner Stadtschloss

Mittelalter, Renaissance, Barock, 19. und 20. Jahrhundert - das Berliner Stadtschloss hat viele Epochen und wichtige Ereignisse der deutschen Geschichte miterlebt. 1955 schließlich, ließ die damalige DDR-Führung das Schloss als Symbol des militärischen Preußens sprengen. Heute klafft eine Lücke in Berlins Mitte und es gibt zahlreiche Vereine, die ihr Stadtschloss wiederhaben wollen. Nur: Wie soll gebaut werden und wer soll den kostspieligen Bau bezahlen?

Hier lag das Schloss: Auf einer Spreeinsel (auf dem Pharus-Plan von 1902).

Vom Mittelalter zur Renaissance

Am 31. Juli 1443 wurde der Grundstein für das Berliner Stadtschloss gelegt. 1451 zog Kurfürst Friedrich II. in seine neue Residenz an der Spree. Ständig wurde die Burg umgebaut oder sie erhielt neue Anbauten. Im 16. Jahrhundert wurde die spätmittelalterliche Burg dann fast ganz abgetragen und es entstand eine prachtvolle Renaissance-Residenz mit Hofapotheke. Die symmetrische Anlage hatte aufwändige Rundtürme und Bogengalerien.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) war das Schloss ziemlich verfallen, doch Kurfürst Friedrich Wilhelm II. ließ es mit viel Aufwand wieder herrichten.

Eine historische Ansicht des Berliner Stadtschlosses.

"Barocker Riesenbau"

Kurfürst Friedrich III., ab 1701 König von Preußen, ließ das Schloss von Baumeister Andreas Schlüter zur königlichen Residenz ausbauen. Nun wurde der Bau monumental und seine Ausmaße und sein Prunk brachten ihm Titel wie "wichtigster Profanbau des protestantischen Barock" oder "größtes Barockbauwerk nördlich der Alpen" ein. Mit "Profanbau" ist ein Gebäude gemeint, das keinem religiösen Zweck dient.

Die Anlage war 192 Meter lang und 116 Meter breit. Zum Vergleich: Ein international zugelassener Fußballplatz ist zwischen 100 und 110 Meter lang und 65 bis 75 Meter breit!

Sparen, sparen, sparen!

1706 wurde das Schloss von Baumeister Eosander von Göthe nochmals erweitert. Doch dann kam König Friedrich Wilhelm I, der Soldatenkönig an die Macht. Da der Staat hoch verschuldet war und er sparen wollte, entließ er die bis dahin am Schloss tätigen bekannten Künstler und Baumeister und ließ einen unbekannten, aber billigeren Baumeister die Arbeiten fertig stellen. Danach blieb der Außenbau lange in dieser Form erhalten. Innen wurde immer wieder, der aktuellen Mode entsprechend, verändert.

Am 19. März 1848 jubeln Revolutionäre in Berlins Straßen

Die Märzrevolution

Am 18. März 1848 schließlich brach vor dem Schloss die Märzrevolution aus. Während vom Balkon aus die Reformen Friedrich Wilhelm IV. für Preußen verlesen wurde, versammelte sich auf dem Schlossplatz eine riesige Menschenmenge. Es kam zu Tumulten. Als die Kavallerie gegen die Menschen vorging, kam es zu Straßenschlachten - rund 300 Menschen starben. Danach gab es überall Aufstände und Unruhen gegen die Herrschenden.

Das Berliner Schloss: Immer wieder Schauplatz deutscher Geschichte:

1914, am 01. August, verkündete Kaiser Wilhelm II. den Eintritt Deutschlands in den 1. Weltkrieg vom Balkon des Schlosses. Vier Jahre später erklärte Karl Liebknecht vom Schlossbalkon aus Deutschland zur sozialistischen Räterepublik. Danach wurde es einige Zeit als Museum und von anderen wissenschaftlichen Vereinen genutzt.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Schloss, am 03. Februar 1945, von mehreren Bomben getroffen. Die riesige Anlage mit 1210 Räumen, zwei gewaltigen Höfen und einer Gesamtfläche von rund 23.800 Quadratmetern brannte in drei Tagen fast komplett aus. Stehen blieben nur die Außenmauern und die tragenden Wände. Auch von der Innenausstattung konnte nicht viel gerettet werden.

1976 fertig: der Palast der Republik, der nun abgerissen werden soll.

Opfer des Ost-West-Konflikts

Von 1945 bis Anfang 1950 wurden Teile der Ruine notdürftig für Ausstellungszwecke in Stand gesetzt und genutzt. Da die DDR-Führung das Schloss als Symbol des "preußischen Militarismus" sah, wurde seine Sprengung beschlossen und am 7. September 1950 durchgeführt. Statt Schloss gab es nun mit dem Marx-Engels-Platz einen gigantischen Paradeplatz. 1964 wurde der Staatsratspalast auf ihm fertig gestellt, in den das Portal des Stadtschlosses, von dem aus 1918 Liebknecht die sozialistische Republik ausgerufen hatte, eingebaut wurde. 1976 folgte noch der Palast der Republik.

Und jetzt?

Seit der Wiedervereinigung Deutschlands wird fieberhaft nach einer Lösung für das riesige Gelände in Berlins Mitte gesucht, denn für viele ist dieser Platz ein Schandfleck. Andere sehen darin ein Symbol der wechselhaften Geschichte Deutschlands. Was soll passieren? Der Palast der Republik, asbestverseucht, soll er weichen oder als Zeichen der DDR-Geschichte saniert und erhalten werden? Zwar wurde der Abriss schon beschlossen, aber noch steht der Bau.

Soll hier eine riesige Wiese entstehen, mit Bäumen, parkähnlich und zum Spazieren gehen und Ausruhen gedacht?

Das neue Stadtschloss in einem Modell, wie es sich die "Stadtschloss Berlin Inititative" vorstellt.

Oder soll das Schloss, wie es viele private und öffentliche Vereine wünschen, wieder her? Und wenn ja, soll der barocke Bau wieder nachgebaut werden? Oder doch lieber ein modernes Gebäudeensemble? Oder eines, das alles vereint?

Humboldt-Forum

Als neuen Namen hat man schon mal vorsichtshalber "Humboldt Forum" gewählt - doch auch dieser neutrale Name löst nicht das größte Problem, das alle Ideen gemein haben: Es mangelt an Geld für die kostspielige Umsetzung der Pläne. Der Staat und die Stadt Berlin können keine oder kaum Mittel zur Verfügung stellen und so wird derzeit vor allem ein Modell diskutiert, bei dem öffentliche Einrichtungen und private Investoren gemeinsam das Projekt stemmen sollen und das sich, dank einer wohlüberlegten Nutzung, später rechnen soll.

So ist das Schloss, obwohl es im Moment gar nicht steht, wieder ein Kind seiner Zeit und der politischen Verhältnisse in Deutschland, denn Geldmangel bestimmt derzeit wie und ob politische, aber auch städtebauliche Projekte umgesetzt werden oder eben nicht.

Mehr Informationen zum Berliner Schloss erhaltet ihr unter:

www.berliner-schloss.de und

www.berliner-stadtschloss.de.

Aus der Vogelperspektive könnt ihr euch dem Stadtschloss hier unter www.berlin.de nähern.

Und auf den Seiten des Deutschen Historischen Museum findet ihr mehr über die Geschichte des Palasts der Republik.

Sehr spannend: "Auf dem Weg zum Humboldt-Forum", eine Universitätsinitiative, zu finden unter:

Aus der Vogelperspektive könnt ihr euch dem Stadtschloss www.humboldt-forum.de.

Mehr über Barock, die Märzrevolution oder den Dreißigjährigen Krieg könnt ihr auch in den unten als Link angehängten Artikeln aus dem wasistwas.de-Archiv nachlesen.

-ab-07.09.2005 Text / Fotos: Stadtplan 1902, historische Ansicht Stadtschloss, Märzrevolution: www.wikipedia.de/GNU; Palast der Republik: Deutsche Historische Museum; Modell neues Stadtschloss: www.stadtschloss-berlin.de.

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