Versteinerte Mienen

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Versteinerte Mienen

Am 1.11.1941 wurde eines der Nationaldenkmäler der USA enthüllt der Mount Rushmore. Den Berg gab es natürlich schon vorher, aber ein Künstler verewigte darin die Gesichter von vier amerikanischen Präsidenten. Warum und wie die Antlitze in den Granit getrieben wurden, erfahrt ihr hier ...

Benannt wurde der Berg im mittleren Norden der USA 1885 nach dem New Yorker Anwalt Charles E. Rushmore. Er hatte einst die Goldschürfrechte an dem Gebiet erworben. Eigentlicher Grund für das monumentale Werk war die Ankurbelung des Tourismus in der Region. Dabei war und ist der Berg für die ansässigen Lakota-Indianer ein Heiligtum.

Das war allerdings kein Hindernis für präsidiale Kommissionen und eine Delegation der US-Regierung, an der auch der damalige Präsident Calvin Coolidge teilnahm, das Gebiet zu einer Touristenattraktion machen zu wollen. Nach langen Verhandlungen innerhalb der Regierung entschied man sich, den Plan des Historikers Doane Robinson umzusetzen.

Die Präsidentenköpfe - Ein Schlag ins Gesicht der Indianer

Er hatte vor, die Gesichter der vier US-Präsidenten George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln in Stein zu meißeln. Auf die religiösen Gefühle der amerikanischen Ureinwohner, für die der Berg heilig war, nahm man dabei keinerlei Rücksicht.

Man wählte die genannte Präsidenten, weil sie von großer Bedeutung für die Vereinigten Staaten von Amerika waren. Ursprünglich war geplant, nicht nur die Köpfe in Stein zu meißeln, sondern die Präsidenten bis zur Hüfte in Granit zu verewigen. Geldprobleme machten dieses umfangreiche Projekt unmöglich, so dass man sich dafür entschied, nur die Köpfe der Präsidenten aus dem Stein herauszuarbeiten.

Neue Aufgabe neue Geräte

Im Oktober 1927 begann der Bildhauer John Gutzon de la Mothe Borglum gemeinsam mit 400 Hilfskräften mit der Bearbeitung des Bergmassivs. Für die umfangreichen Arbeiten wurden neue Techniken und Werkzeuge entwickelt, um auf großen Flächen überhaupt präzise arbeiten zu können.

Borglum schuf zunächst ein Modell im Maßstab 1:12. Man arbeitete abwechselnd am Modell und am Berg. Markante Punkte wie Scheitel oder Nasenspitze wurden am Modell festgelegt und mit einem speziellen Steinmetzwerkzeug ausgemessen. Mit dem gleichen Werkzeug, nur 12 Mal größer wurden die entsprechenden Punkte am Berg gesucht und markiert.

So wurden viele Punkte auf der Bergoberfläche markiert und Löcher gebohrt. Dann wurde der dazwischenliegende Fels mit Hämmern, Meißeln und Dynamit abgetragen. Mit einer speziellen Technik wurde die Oberfläche des bearbeiteten Felsens schließlich nahezu glatt poliert.

Kein Geld für des Rätsels Lösung

Borglum machte sich Sorgen, die Nachwelt mit seinen Steinköpfen vor ein Rätsel zu stellen. Um den Sinn der Köpfe zu verdeutlichen, wollte er auch noch die Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung in knapp zwei Meter hohen Lettern in den Fels hauen. Geldprobleme machten den Plan zunichte.

14 Jahre dauerte das monumentale Werk, dann waren die je 20 Meter hohen Konterfeis der Präsidenten in Stein gemeißelt. Borglum erlebte die Vollendung nicht mehr. Er starb sieben Monate vor Fertigstellung des Projekts. Sein Sohn führte die Arbeiten zu Ende. Erstaunlicherweise kam bei dem durchaus nicht ungefährlichen Projekt kein einziger Arbeiter ums Leben.

Der Zahn der Zeit nagt auch an Granit

Auch die Präsidentenköpfe werden nicht ewig währen. Doch der Granit der Felsen ist von einer besonderen Härteklasse und wird in 10 000 Jahren nur um 2,5 Zentimeter durch Wind und Wetter abgeschliffen. Für die nächsten Hunderttausend Jahre werden sie auf jeden Fall gut zu erkennen sein, sollte nicht ein Erdbeben die Köpfe schon vorher rollen lassen.

2005 wurden die Köpfe von der deutschen Firma Kärcher mit Spezialhochruckreinigern von den Verschmutzungen der letzten Jahrzehnte gereinigt. Der Berg wird mit modernsten Methoden, darunter Laservermessung, überwacht. So wird sichergestellt, dass niemand von herabfallenden Steinen verletzt oder gar getötet wird.

Hier findest du eine Luftaufnahme der Köpfe bei Google Maps (beachte das Abraumfeld Richtung südöstlich von den Köpfen weg)

 

Text: -jj- 30.10.2006 // Bilder: Alle Rushmore PD/US; Rushmore Eingang Smoerrebrood

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt