Grubenunglücke

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Grubenunglücke

Während Deutschland dem Wunder von Lengede gedenkt, geschahen in Russland gleich zwei ähnlich gelagerte Grubenunglücke. Wie kann es zu diesen Unfällen kommen?

Wasser, Feuer und Gas sind die gefährlichsten Elemente bei der Arbeit unter Tage. Grubengas kann sich entzünden oder Bergmänner vergiften, Feuer entsteht aber auch durch Selbstentzündung von Kohle, schwefelhaltigen Erzen oder von Methan-Luft-Gemischen. Explodiert das, sprechen Bergleute von einer Schlagwetterexplosion. Auch Kohlenstaubexplosionen sind gefährlich, weil sie Stollen zum Einsturz bringen und die Bergleute somit unter Tage gefangen sind.

Das wichtigste beim Unter-Tage-Bau ist die sogenannte Grubenbewetterung. Darunter versteht man die Gesamtheit der Einrichtungen und Maßnahmen, die für eine planmäßige Frischluftzufuhr nötig sind, um die Menschen damit zu versorgen und um schädliche Gase aus dem Stollen zu führen.

Risiko Wasser

Bei den Unglücken in Russland drang wie 1963 im niedersächsischen Lengede Wasser in die Grube. Der Schacht der Kohlegrube "Sapadnaja" in Nowoschachtinsk in der Region Rostow am Don war am Abend des 23. Oktober 2003 von einem unterirdischen See überflutet worden, so dass den 71 dort arbeitenden Kumpels der Weg ins Freie versperrt war. 25 konnten sich dennoch rechtzeitig in Sicherheit bringen, als eine Betonwand unter dem Druck eines riesigen unterirdischen Sees einbrach. 46 Bergleute waren in ungefähr 800 Metern Tiefe eingeschlossen.

Erst nach fast einer Woche ging das Drama um die verschütteten Bergleute in Südrussland zu Ende. Nur einer hatte das Grubenunglück nicht überlebt, ein weiterer blieb vermisst.

Bei einem zweiten Grubenunglück in Ostrussland kamen fast zum gleichen Zeitpunkt fünf Bergleute ums Leben. Die übrigen 66 vermissten Kumpel wurden lebend geborgen.

Das Wunder von Lengede

Fast auf den Tag genau 40 Jahre vor dem südrussischen Unglück brach im niedersächsischen Lengede der Klärteich Nr. 12. Am 24. 10. 1963 strömten gegen 20 Uhr eine halbe Million Kubikmeter Wasser und Schlamm in die Grube Mathilde. In kurzer Zeit war das Bergwerk überflutet, 29 Bergleute verloren ihr Leben. 86 Männer konnten bereits nach wenigen Stunden gerettet werden, eine Woche später drei weitere. Für vierzig verbleibende Bergleute bestand keine Hoffnung mehr.

Das Wunder geschah am 3. November: Eine Suchbohrung stieß in unmittelbarer Nähe des Schachtes auf weitere elf Überlebende, die sich 62 Meter unter der Erdoberfläche in einen stillgelegte Stollen gerettet hatten. 330 Stunden lang mussten sie neben zehn toten Kumpeln ausharren, bis sie gerettet wurden.

Das Wunder von Lengede wurde als Fernseh-Zweiteiler von Sat-1 verfilmt.

Text: Roland Rosenbauer, 3. 11. 2003

Foto: Sat1

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