Warum ist das Ruhrgebiet eine Kulturhauptstadt?

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Warum ist das Ruhrgebiet eine Kulturhauptstadt?

2010 gab es drei Kulturhauptstädte in Europa: die ungarische Stadt Pécs, die türkische Metropole Istanbul und das Ruhrgebiet. Jedes Jahr trägt mindestens eine Stadt den Titel "Europäische Kulturhauptstadt". Oft teilen sich auch zwei oder drei Städte den Titel, so wie dieses Jahr. In einer bestimmten Reihenfolge darf jedes EU-Land eine Stadt vorschlagen, die dann vom Europäischen Rat zur Kulturhauptstadt ernannt wird. Der Titel soll die Bekanntheit der jeweiligen Stadt fördern. Seit 1985 wird der Titel kontinuierlich jeweils für ein Jahr verliehen.

Die letzten Städte, die ganz allein für sich den begehrten Titel der Europäischen Kulturhauptstadt führen durften waren Cork in Irland und die griechische Stadt Patras. Seit 2007 bis mindestens 2019 sind es zwei Städte, 2010 sogar drei.
Die Kulturhauptstädte 2008 waren sowohl Liverpool in Nordwest-England sowie Stavanger im Süden Norwegens. 2009 waren es Linz in Österreich und Vilnius in Litauen. Unter diesem Text findest du verlinkte Artikel dazu.

Deutschland 2010

Die letzte deutsche Kulturhauptstadt war Weimar im Jahr 1999, elf Jahre vorher, 1988, durfte West-Berlin den Titel tragen. Ost-Berlin gehörte damals noch zur DDR und zählte nicht zum Gebiet der Europäischen Union. 2010 ist wieder Deutschland an der Reihe. Im Namen von 53 Städten mit 5,3 Millionen Einwohnern ist das Ruhrgebiet in diesem Jahr Kulturhauptstadt Europas. Zusätzlich wurden von der Europäischen Kommission auch die ungarische Stadt Pécs und die türkische Metropole Istanbul (als Vertreter eines nicht-EU-Landes) zur Kulturhauptstadt Europas 2010 ernannt.

Tradition [&] Technik

Das Ruhrgebiet bilden den drittgrößten Ballungsraum der EU. Die Region wurde über Jahrhunderte von den Industrien rund um Kohle und Stahl dominiert. Heute hat es sich erfolgreich in eine attraktive und dynamischen Megastadt gewandelt. Kennzeichen sind die kulturelle Vielfalt ihrer Einwohner aus mehr als 170 Nationen, ihren wachsender Dienstleistungs- und Kreativsektor, ein international bedeutsames kulturelles Angebot, spektakuläre Industriedenkmäler und eine große Auswahl an Erholungsgebieten.

Im Jahr 2006 wurde der Stadt Essen im Namen der gesamten Region der Titel der Kulturhauptstadt Europas verliehen. Die Auszeichnung gibt dem Ruhrgebiet die Gelegenheit, sich der Öffentlichkeit in 300 Projekten und 2500 Veranstaltungen als innovative und unkonventionelle Metropole mit Vorbildcharakter zu präsentieren.

Von der Arbeiterregion zur Kulturhauptstadt

Mehr als einhundert Jahre lang schufteten die Einwohner des Ruhrgebietes unter härtesten Bedingungen und verwandelten einen ehemals unbedeutenden Landstrich in die Kraftzentrale der deutschen Industrie. Trotz Sprachbarrieren und kultureller Differenzen lernten die Arbeiter in den Hochöfen und Zechen, einander blind zu vertrauen.
Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl bildet die Grundlage für die Identität in der Region heute, den Mythos Ruhr. Der Niedergang der Kohle- und Stahlindustrie nach dem zweiten Weltkrieg war eine weitere Herausforderung, der die Bewohner des Ruhrgebiets in dem ihnen typischen Mut und Pragmatismus begegneten. Während sich die ehemaligen Industrieanlagen Schachttürme, Kohlezechen, Gasometer, Hochöfen oder sogar Brauereien nach und nach in erstaunliche Industriemonumente entlang der sogenannten Route der Industriekultur verwandelten, wurde das Ruhrgebiet zugleich Heimat für 19 Universitäten, 100 Konzerthäuser, 120 Theater und mehr als 200 Museen und Festivals.

Region der Großstädte

Das Ruhrgebiet besteht aus 53 Städten, von denen Dortmund (587.000 Einwohner), Essen (583.000 Einwohner), Duisburg (497.000 Einwohner) und Bochum (382.000 Einwohner) die größten sind. Alle diese Städte liegen an der Hauptverkehrsader des Ruhrgebiets, der Autobahn A40, ohne sichtbare Stadtgrenzen oder ein gemeinsames Stadtzentrum. Im Süden durchquert der Fluss Ruhr das Gebiet. Der Wasserlauf war lange das Symbol für sowohl den Erfolg als auch den Niedergang des Ruhrgebiets, auch in Bezug auf die Umweltschäden. Heute haben das Ruhrtal sowie die Flüsse Emscher und Lippe ihre natürliche Schönheit wiedererlangt und sorgen für frische Luft, grüne Landschaften und eine Vielzahl von Erholungsgebieten.

Jeden Tag mindestens ein kulturelles Highlight

Das Programm der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 besteht aus 300 Projekten und 2500 Veranstaltungen, die das ganze Jahr hindurch in der gesamte Metropole Ruhr stattfinden. Besucher erhalten auf diese Weise eine Vielzahl von Gelegenheiten, die neue Metropole, ihr kulturelles Erbe und ihr Zukunftspotenzial kennenzulernen, ganz gleich ob Comedy-Shows oder klassische Konzerte, Schrebergärten oder Landschaftsparks, Eckkneipen oder Gourmetrestaurants. Denn für all das steht die Kulturmetropole Ruhr. Alle Veranstaltungen aufzulisten würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, deshalb nur einige wenige Highlights:

Von Homer zur Loveparade

Am 27. und 28.2.2010 hat die "Odyssee Europa" ihre Premiere. Sechs renommierte europäische Autoren haben Homers Odyssee neu geschrieben und präsentieren sie in einem Theatermarathon in sechs unterschiedlichen Theatern der Metropole Ruhr.

Vom 28.3. 27.5.2010 findet die Biennale für Internationale Lichtkunst statt. Die weltweit erste Biennale für Internationale Lichtkunst steht unter dem Motto 'open light in private spaces. 60 Lichtinstallationen werden zwei Monate lang in Wohnungen und Häusern von Privatleuten im östlichen Ruhrgebiet ausgestellt. Zu den Partnern gehört das weltweit erste Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna.

Am 9. Mai erhält die Stadt Dortmund ihr Wahrzeichen zurück - das Dortmunder U. Nach dem Entwurf von Gerber Architekten wird der ehemalige Brauereiturm der Dortmunder Union Bräu saniert und zum Zentrum für Kunst und Kreativität umgenutzt.

Die Fachhochschule und die Universität Dortmund beziehen das erste Obergeschoss, während das zweite und dritte Obergeschoss zu so genannten "Kreativ-Etagen" werden, die vor allem von der Fachhochschule Dortmund und dem Hartware MedienKunstVerein genutzt werden. Das Museum am Ostwall erhält das vierte und fünfte Obergeschoss. Die Etage darüber ist Sonder- und Wechselausstellungen vorbehalten. Im obersten Geschoss entstehen ein Veranstaltungsbereich, eine Café-Lounge und Räume für das von RUHR.2010 initiierte 2010lab.

Im Juli gibt es wieder eine Loveparade - nicht mehr im Berlin, sondern in der Kulturhauptstadt. In einer der größten Open-Air-Partys der Welt feiert sich die Jugendkultur selbst

Eine ausführliche Liste aller Veranstaltungen findest du hier.


Mehr über die Europäische Union und die Länder Europas erfahrt ihr auch im WAS IST WAS Band 113 Europa.

Text: RR, Stand 21. 2. 2010, Ruhr 2010 GmbH, Fotos: Peter Wieler (Zollverein feiert), Matthias Horn (Trojanisches Pferd für die Odyssee Europa"), Manfred Vollmer (Herbert Grönemeyer, Ausstellung des Ruhr-Museums), Lutz Kampert (Dortmunder U).

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt