Die Schamanen Sibiriens

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Die Schamanen Sibiriens

Schamanen - Mittler zwischen den Welten der Geister und der Menschen. Mehr über diese Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, die es in fast allen Kulturen gibt, und die eine wichtige Funktion für die Gemeinschaft spielen, erfahrt ihr hier. In Stuttgart findet dazu eine Sonderausstellung statt.

Das Wort Schamane ist in Deutschland seit dem 17. Jahrhundert bekannt. Es geht vermutlich zurück auf das Wort aman der Tungusen, das sind Ureinwohner Ostsibiriens, Chinas und der Mongolei. Forscher streiten sich noch, ob das Wort mit Denken im weitesten Sinne zu tun hat, oder ob es eher die Bedeutung mit Hitze und Feuer arbeiten hat. Beides trifft auf einen Schamanen zu.

Denn Schamanen gelten als Mittler zwischen der Geisterwelt und der irdischen Welt der Menschen. Dabei gehen sie auf eine geistige Reise und nutzen dazu oftmals Trommeln, Feuer und verschiedene andere Techniken wie stundenlanges lautes Singen und Tanzen oder verschiedene Atemtechniken um sich in einen anderen Geisteszustand, eine so genannte Trance, zu versetzen. Dann nehmen sie Kontakt mit Natur- oder Tiergeistern auf, so sagen sie, und können sich mit ihnen unterhalten und austauschen.

Schamanismus weltweit


Eine alte Aufnahme eines Nanaj-Schamanen.

Menschen mit schamanischer Funktion gibt es in fast allen Kulturen: Von Alaska bis in die Südsee, von Sibirien bis nach Afrika. Allen gemeinsam ist die magische Weltsicht. Das heißt, sie glauben daran, dass es neben unserer irdisch-materiellen Welt eine Welt von geistigen Wesenheiten gibt. 

Diese kann man fragen, und versuchen zu beeinflussen. Meist geschieht dies, um Krankheiten zu heilen. Manchmal auch, um etwa verlorene Gegenstände wiederzufinden oder generell um das allgemeine Schicksal günstig zu beeinflussen.

Magie und Rationalität



Eine schamanische Trommel mit Hilfsgeist. Stundenlanges Trommeln, Tanzen und Singen führt zu veränderten Bewusstseinszuständen.

I. Sacharov / A. Dreyer



Demgegenüber bauen westliche Gesellschaften auf ein mehr oder weniger rationales Weltbild. Das heißt, wir gehen davon aus, dass es keine geistigen Wesen gibt und man die materielle Welt auch nur durch materielle Vorgänge beeinflussen kann.

Eine Krankheit wird nicht durch Anpusten und Wedeln mit einer Feder geheilt, sondern beispielsweise werden Krankheit verursachende Bakterien durch Antibiotika getötet und der Patient dadurch wieder gesund.

Auch wenn die Formulierung mit dem Pusten und der Feder respektlos aufgefasst werden kann, ist sie keinesfalls so gemeint. Wenn Schamanen keine Erfolge gehabt hätten bei der Behandlung von Krankheiten, dann hätte sich diese Funktion nicht so lange gehalten und Schamanen wären nicht in fast allen Kulturen der Welt zu finden.

Schamanen sind erfolgreich


Schamanen vom Stamme der Tuva in Sibirien bei einem Ritual zur Errichtung eines neuen Opferplatzes.

V. Charitonova


Schamanistische Behandlungen haben also durchaus Erfolg bei Patienten. Woran das liegt, kann man sich rein rational nicht wirklich erklären. Viel hat mit der Erwartung des Patienten zu tun. Wenn man das Gefühl hat, dass man ernst genommen wird und sich um einen gekümmert wird, dann hat man Vertrauen und verspürt Geborgenheit.

Das kann die Selbstheilungskräfte des menschlichen Körpers aktivieren und stützen und somit zur Genesung beitragen. Oder man verlässt den Rahmen der Rationalität und glaubt, was die Schamanen behaupten: Kontakt zur Geisterwelt zu haben und mit dieser kommunizieren zu können.

Wer kann Schamane werden?



Eine rituelle Landkarte dient der Orientierung im Geisterreich.

I. Sacharov / A. Dreyer



Schamane wird man nicht aus einer Laune heraus, sondern im Gegenteil durch eine Krise oder Krankheit, die den betreffenden bis an den Rand des Todes führen kann. Wirklich erpicht darauf, Schamane zu werden, ist kaum jemand, es ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Berufung.

Man spricht auch von einer Initiationskrankheit, die den angehenden Schamanen heimsucht. Oft wird davon berichtet, dass die Schamanen während der Einweihung das Gefühl haben, sie würden komplett zerlegt und neu zusammengesetzt, ihr altes Ich ist gestorben und sie werden als Schamane mit besonderen Fähigkeiten neu geboren.

Im Kinofilm der Simpsons erlebt Homer eine solche schamanistische Zerlegung und Zusammensetzung, als er sich von einer Schamanin in Alaska den rechten Weg weisen lässt.

Schamanen sind nicht geisteskrank


Darstellung eines so genannten "Flugtigers" mit Geist. Oft sind es Tiergeister, mit denen Schamanen Kontakt aufnehmen.

I. Sacharov / A. Dreyer


Die ersten Erforscher fremder Völker, so genannte Ethnologen, hielten Schamanismus für reinen Aberglauben und unterstellten den Schamanen Geisteskrankheit, wenn sie behaupteten, ihren Körper zu verlassen und mit Geistern Kontakt aufzunehmen. Diese Ansicht hat sich mittlerweile grundlegend gewandelt und Schamanen werden als Personen mit wichtiger Funktion wahrgenommen.

Ausstellung im Stuttgarter Linden-Museum

Wer mehr über die Welt der Schamanen und des Schamanismus erfahren möchte, ist im Stuttgarter Linden-Museum gut aufgehoben. Dort ist bis zum 28. Juni 2009 eine große Sonderausstellung zum Thema Schamanen Sibiriens zu sehen.

Die Ausstellungsmacher bieten dabei auch besondere Führungen für Kinder an und ihr könnt dort mit einem Forschertagebuch selbst im Museum auf Erkundungstour gehen und das Leben und Wirken dieser Menschen erforschen.

Mehr über die Ausstellung, Öffnungszeiten und Eintrittspreise erfahrt ihr auf der Homepage des Linden-Museums. 

Text: -jj- 12.12.2008 // Bilder: mit freundlicher Genehmigung des Linden-Museums/Russisches Ethnografisches Museum St. Petersburg

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