Das Calvinjahr 2009

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Das Calvinjahr 2009

Am 10. Juli 2009 jährt sich der Geburtstag von Johannes Calvin zum 500. Mal. Er zählt zu den sogenannten Reformatoren. Seine Überlegungen zum Glauben beeinflussten zu seiner Zeit die Einstellung zum Leben, zur Arbeit und zur Kunst wesentlich und wirken bis heute nach. 2009 wurde deshalb zum Calvinjahr erklärt.

Johannes Calvin wurde am 10 Juli 1509 in Noyon in Frankreich geboren. Er studierte in Paris Theologie und Recht. Dort hörte er von den Ideen Martin Luthers, die zur Abspaltung der evangelischen Kirche von der katholischen führten. Mehr zu Martin Luther und der Reformation findest du in den Links am Ende des Artikels.

Calvin war von der neuen Glaubensauffassung überzeugt und begann entsprechend zu predigen. Damit brachte er Kirche und Obrigkeit gegen sich auf und musste aus Frankreich fliehen. Er entging nur knapp einer Verhaftung. Sein Weg führte ihn dabei unter anderem auch in die Schweiz und nach Italien.

Calvins Lehre zu streng?


Die Kathedrale in Genf, in der Calvin predigte.



1535 kam er nach Basel, wo er 1536 seine Schrift Unterweisung in der christlichen Religion herausgab. Als er im gleichen Jahr nach Genf kam, sollte er sich auch dort für die Reformation stark machen. Doch bei den Menschen stieß seine strenge Lehre auf keine Gegenliebe und als er der gesamten Gemeinde aus verschiedenen Gründen das Abendmahl verweigerte, musste er Genf zunächst verlassen.

1538 kam er nach Straßburg und im Austausch mit Martin Bucer entwickelte Calvin die wesentlichen Elemente seiner Lehre, die heute unter dem Begriff Calvinismus bekannt sind. Die Lehre Calvins beruht auf folgenden Punkten:

Gott steht über allem

Gott steht bei Calvin über allem. Er lehnt, wie auch andere Reformatoren, besonders den Reliquienkult, den Ablasshandel und die Sakramente der katholischen Kirche ab. Reliquien sind Hinterlassenschaften von als heilig angesehenen Menschen. Das können Gegenstände, aber auch Körperteile sein. Ablasshandel bezeichnete die Praxis, gegen Geld die Zeit, die man angeblich als Sünder im Fegefeuer verbringen muss, zu verkürzen.

Calvin ist gegen die katholischen Sakramente

Er wandte sich gegen die katholischen Sakramente der Firmung, Beichte, Krankensalbung, Priesterweihe und Ehe und erkannte nur Taufe und Abendmahl als ein Sakrament an. Ein Sakrament soll als sichtbare Handlung alle, die mitmachen, am Wesen und Wirken Gottes teilhaben lassen. Zudem verstand er das Abendmahl nur symbolisch. Die katholische Kirche glaubt an die sogenannte Transsubstantiation.

Diese besagt, dass mit dem Brot und dem Wein des Abendmahls tatsächlich der Leib und das Blut Christi verzehrt wird. Im Gegensatz dazu und zu Calvin geht die lutherische Auffassung des Abendmahls davon aus, dass gewissermaßen der Geist Christi beim Abendmahl anwesend ist.

Calvins Ansichten über die Basis des Glaubens waren zu jener Zeit revolutionär, daher auch die Verfolgung, stellten sie doch den durchaus auch weltlichen Machtanspruch der katholischen Kirche in Frage und betonten das Leben und den Glauben jedes Einzelnen.



Die Basis der Reformation


Das Reformationsdenkmal in Genf. Zu sehen sind von links nach rechts: Farel, Calvin, Beza und Knox. Sie alle haben eine wichtige Rolle in der Reformation gespielt.

Vier sogenannte Sola werden von Calvin als Basis des reformierten, nichtkatholischen Glaubens anerkannt: Sola Scriptura bedeutet, dass nur die Bibel Grundlage des christlichen Glaubens ist, nicht die Tradition. Solus Christus bedeutet, dass nur Jesus Christus Herr der Gläubigen ist, nicht die Kirche. Sola Gratia heißt, dass nur Gottes Gnade den Menschen erretten kann, er kann es nicht selbst. Und Sola fide schließlich sagt, dass nur der Glaube den Menschen rechtfertigt. Gute Taten allein, ohne Glauben, finden nicht zwangsläufig die Gnade Gottes. All dies steht im Kontrast zu den Auffassungen der katholischen Kirche.

Außerdem vertrat Calvin, gestützt auf Bibelstellen, die Auffassung, dass das Schicksal eines jeden Menschen vorherbestimmt sei. Nicht im Sinne, dass der Lebensweg vorgezeichnet war, sondern im Sinne, ob man in den Himmel kommen würde oder nicht. Das klingt für uns heute sehr strikt und wenig hoffnungsvoll.

Calvins großer Einfluss

Doch damals hatte diese Einstellung großen Einfluss auf die Arbeitsauffassung der Protestanten. Denn wer durch Fleiß ein gutes Leben auf der Erde hatte, gehörte wahrscheinlich zu den Auserwählten. Diese Einstellung beeinflusste Kunst und Wirtschaft nachhaltig und wirkt bis heute fort. Bis heute gilt Müßiggang und Zeitverschwendung als Übel und, zumindest im Sprichwort, als aller Laster Anfang.

Dennoch forderte Calvin seine Mitmenschen auf, einander menschlich und im Geiste Gottes zu begegnen, wie dieses Zitat zeigt: Der Herr gibt uns die Vorschrift, allen Menschen ohne Ausnahme Gutes zu tun. Sage du nur, er sei dir fremd: der Herr hat ihm aber ein Kennzeichen aufgeprägt, das dir wohl bekannt sein soll. Sage du nur, er sei ein verachteter, nichts würdiger Mensch: der Herr aber zeigt ihn dir als einen Menschen, den er der Zier seines Ebenbildes gewürdigt hat. Sage du nur, er habe dir keinen Dienst geleistet, der dich wiederum verpflichte: Gott hat ihn aber gleichsam zu seinem Stellvertreter eingesetzt und du sollst dich diesem Menschen gegenüber für so viele und so große Wohltaten erkenntlich erweisen, mit denen Gott dich zu seinem Schuldner gemacht hat.

Calvin starb am 27. Mai 1564 in Genf. Weil Calvin, neben Martin Luther und anderen, einen so großen Einfluss auf die europäische Geschichte hatte, ist 2009, das 500. Jubiläumsjahr seines Geburtstags, zum Calvinjahr erklärt worden. Eröffnet wurde es am 2. November 2008 in Genf.

Mehr über Leben und Werk Johannes Calvins findet ihr hier.

Im Deutschen Historischen Museum DHM findet bis 19. Juli 2009 eine umfassende Ausstellung zu Calvin und seinem Wirken statt.

Wenn euch das Thema interessiert, dann schaut doch mal in unseren WAS IST WAS-Band 2: Der Mensch, in unseren WAS IST WAS-Band 44: Die Bibel das Alte Testament oder in unseren WAS IST WAS-Band 105: Weltreligionen.


Text: -jj- 30.10.2008 // Bilder: Calvin/PD; Reformationsdenkmal Paul Landowski/GFDL; Calvins Stuhl: Nauticashades/GFDL; Kathedrale i Genf Roland Zumbühl/GFDL

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