Was sind eigentlich Inkunabeln?

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Was sind eigentlich Inkunabeln?

Vor 650 Jahren, am 14. August 1457, wurde eine der bekanntesten Inkunabeln aus der Frühzeit der Buchdruck-Kunst fertiggestellt, der Mainzer Psalter. Warum diese Bücher Inkunabeln (= Wiegendrucke) genannt wurden, was sie mit dem Namen Johannes Gutenberg verbindet und was ein Psalter ist, erfahrt ihr hier.

Wie wurden im Mittelalter Bücher vervielfältigt?


Links: Mittelalterlicher Mönch in der Schreibstube (Sriptorium) des Klosters.

Die Vervielfältigung von Schriftstücken war im europäischen Mittelalter vorwiegend Aufgabe von Mönchen, die Bestände ganzer Bibliotheken von Hand abschrieben und so zur Verbreitung des damals bekannten Wissens beitrugen. Sehr schnell ging das allerdings nicht und somit waren Bücher zu dieser Zeit ein sehr kostbarer Schatz, den sich nur die Wohlhabendsten leisten konnten.


Rechts: Handschrift des St. Florians Psalters.

Heute kann man nur staunen, wie viel Liebe zum Detail mittelalterliche Schreiber in ihre Bücher steckten. Besonders bemerkenswert sind die Anfangsbuchstaben jeder Seite, die oft besonders groß gestaltet und reich verziert wurden. Man nennt sie Initialen.



Was erfand Johannes Gensfleisch?

Um 1450 erfand ein Mann namens Johannes Gensfleisch (1400-1468) den Buchdruck mit beweglichen Metalllettern, also Buchstaben, die aus Metall gefertigt waren und zum Druck immer wieder neu zusammengesetzt werden konnten.

In Asien gab es schon mindestens 100 Jahre früher Drucke mit Metalllettern, doch setzte sich diese Technik dort nicht durch.

Links: Johannes Gutenberg

Gensfleisch wurde übrigens auch Gutenberg genannt und unter diesem Namen berühmt.

Um sein Druckverfahren verwirklichen zu können, erfand er außerdem auch die dafür notwendige Tinte, eine bestimmte Metallmischung (Legierung), aus der die Lettern gefertigt wurden sowie die Druckerpresse. Durch die Verbindung all dieser Neuerungen gelang es ihm erstmals in der Geschichte der Menschheit, große Stückzahlen von Büchern herzustellen.

Auch vor Gutenberg wurden in Europa schon Bücher gedruckt, jedoch schnitzte man den Inhalt jeder Buchseite einzeln in einen Holzblock. Ein sehr aufwändiges Verfahren, das außerdem wegen der Maserung des Holzes zu relativ schlechten Ergebnissen führte.

Was ist das Besondere am Mainzer Psalter?

In den Anfängen des Gutenbergschen Buchdrucks nahm man sich die handgeschriebenen Bücher zum Vorbild. Das Schriftbild (Typografie) der Druckwerke sieht ähnlich aus wie das der handgeschriebenen Bücher. Die aufwändigen Initialen ließ man meist aus und fügte sie nachträglich manuell ein oder verwirklichte sie bereits in gedruckter Form.

Ein Beispiel dafür ist der Mainzer Psalter (siehe Bild rechts), der am 14. August 1457 fertiggestellt wurde. Er ist die erste Inkunabel, die mit einem Datum versehen wurde.

Das Besondere an ihm ist, dass die Anfangsbuchstaben andersfarbig gedruckt sind als der übrige Text. Dazu mussten die Initialen einzeln eingefärbt und wieder in den Textsatz eingefügt werden. Gedruckt wurden die Buchstaben dann alle zusammen. Eine wichtige technische Verbesserung.

Wer druckte den Mainzer Psalter?

Der Mainzer Psalter stammt aus der Druckerei von Peter Schöffer und Johannes Fust. Die frühen Druckereien nannte man auch Offizin. Sie waren oft Druckwerkstatt, Verlag und Buchhandlung in einem.

Links: So sah es in einer frühen Druckerei aus.

Fust war zunächst Gutenbergs Geldgeber gewesen, hatte von diesem jedoch seine Kredite zu einem Zeitpunkt zurückgefordert, als Gutenberg nicht in der Lage war, das Geld zurückzuzahlen. So musste Gutenberg seinem Geldgeber die Werkstatt überlassen, in der Fust nun mit Gutenbergs früherem Angestellten, Peter Schöffer in eigener Regie weiterarbeitete. Für Gutenberg war das eine schlimme Niederlage, denn dadurch konnte er trotz seiner bahnbrechenden Erfindung kein reicher Mann werden.

Was bedeutet Psalter?

Der Begriff Psalter bezeichnet eigentlich die Sammlung der Psalmen aus dem Alten Testament der Bibel. Sie enthält 150 Lieder. Im Mittelalter waren in einem Psalter-Buch jedoch noch weitere Texte (z. B. Gebete) für Gottesdienst und Hausandacht und ein Kalender mit kirchlichen Festtagen enthalten.

Da der christliche Glaube im Alltag der Menschen zu Gutenbergs Zeit noch eine viel größere Rolle spielte als heute, waren die ersten gedruckten Bücher fast ausschließlich religiösen Inhalts. Besonders berühmt wurde auch die Gutenberg-Bibel.

 

Was haben Inkunabeln mit Babys zu tun?

Doch zurück zur Ausgangsfrage: Was bedeutet eigentlich "Inkunabel"? Inkunabeln nennt man alle gedruckten Schriften, die bis zum Jahr 1500 entstanden. Es handelte sich nicht nur um Bücher sondern auch um Briefe, Predigten und Flugschriften. In diesen ersten knapp fünf Jahrzehnten des Buchdrucks entstanden etwa 19.000 verschiedene Schriftstücke in insgesamt 500.000 Exemplaren.

Der Begriff Inkunabel klingt sehr gelehrt und ehrwürdig, leitet sich jedoch schlicht und einfach vom lateinischen incunabula ab, dem Wort für Windeln oder Wiege . Er soll anzeigen, dass es sich hierbei um die allerfrühesten Drucke handelt, aus einer Zeit, als diese Technik noch bildlich gesprochen in den Windeln lag. 

Mehr über die Erfindung des Buchdrucks und Johannes Gutenberg erfahrt ihr auch im Gutenberg-Museum in Mainz. 

Das Gutenberg-Museum und viele weitere Ausflugstipps findet ihr bei unseren Freizeittipps. 

Text: lm 06.08.07, Fotos: Wikipedia.

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