Stefan Zweig: Ein Mittler zwischen den Nationen

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Stefan Zweig: Ein Mittler zwischen den Nationen

Seine Schachnovelle machte Stefan Zweig in aller Welt berühmt. Doch der Verfasser zahlreicher psychologischer Novellen und historischer Romane schrieb nicht nur Bücher. Als hervorragender Übersetzer und überzeugter Pazifist setzte er sich sein Leben lang für ein vereintes Europa ein. Er ist deshalb immer wieder als Mittler zwischen den Nationen bezeichnet worden.


1881 in Wien geboren, beginnt Stefan Zweig schon als junger Mann mit schriftstellerischen Versuchen. 1901 erscheint sein erster Gedichtband, im selben Jahr übersetzt er zum ersten Mal Autoren aus dem Französischen. Sein Landsmann, der überdurchschnittlich begabte Dichter Hugo von Hofmannsthal, gehörte damals zu seinen größten Vorbildern. Als Student widmet sich der junge Wiener der Philosophie und den Literaturwissenschaften.

Reisen als Lebenselixier

Doch lange hält es den Schriftsteller nicht in der Heimat. Neugier und Aufgeschlossenheit gegenüber fremden Kulturen führen ihn auf zahlreichen Reisen durch fremde Länder. Sein Leben trug fast schon nomadenhafte Züge. Oft verbringt er mehrere Monate im Jahr innerhalb und außerhalb Europas, getrieben von der Sehnsucht, alles zu sehen und zu genießen. Dabei sucht er immer wieder den Kontakt zu anderen Künstlern, mit denen er auch regelmäßig korrespondiert. Die Beziehungen zu Frankreich liegen ihm dabei besonders am Herzen.

Pazifist aus Überzeugung

Als 1914 der Erste Weltkrieg beginnt, stimmt Zweig kurzfristig in die allgemeine Begeisterung ein. Niemand ahnte damals, welche Grausamkeiten sich bald auf den Schlachtfeldern Europas ereignen würden. Doch der Schriftsteller erkennt seinen Irrtum und wird zum überzeugten Pazifisten. Dabei prägt ihn vor allem die Weltsicht seines französischen Freundes Romain Rolland. Zweig kämpft jetzt gegen den immer weiter wachsenden Nationalismus und setzt sich für die geistige Einheit Europas ein. In Aufsätzen und Vorträgen warnt er vor Radikalisierung und ruft zu gegenseitiger Toleranz auf.

Bücherberbrennung durch die Nazis

Parallel dazu beginnt Zweigs schriftstellerischer Aufstieg. Er genießt besonders in den 20er und frühen 30er Jahren extreme Popularität und unternimmt ausgedehnte Lesereisen durch den deutschsprachigen Raum. Als die Nazis die Bücher des jüdischstämmigen Dichters verbrennen, schmerzt ihn das sehr. Kurz nach der Machtübernahme flieht er 1934 nach England, wo er auch die britische Staatsbürgerschaft annimmt. Sieben Jahre später lässt er sich endgültig in Brasilien nieder.


Zeitkritik durch die "Schachnovelle"

Noch während des Krieges schreibt er sich mit Dichterkollegen in Europa und arbeitet an der pazifistischen Zeitschrift Die weißen Blätter mit. Stefan Zweig ist darüber informiert, was im Hitlerreich vor sich geht. In seinem wohl bekanntesten Buch Die Schachnovelle verarbeitet er sein Wissen über die Brutalität des Naziregimes. Hauptperson der Erzählung ist Dr. B., der sich während Gestapo-Isolationshaft nur durch heimliches Schachspielen seine intellektuelle Widerstandskraft erhält. Auf einer Schiffsreise von New York nach Buenos Aires wird der Emigrant später unerwartet mit seiner Vergangenheit konfrontiert.

Selbstmord aus Verzweiflung

Stefan Zweig genießt in Brasilien zwar höchstes Ansehen, doch die Zerstörung seiner geistigen Heimat Europa verkraftet er nicht. Gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau scheidet er am 22. Februar 1942 freiwillig aus dem Leben. Beide nehmen eine Überdosis Gift. An ein vereinigtes Europa, wie wir es heute kennen, hatte er damals nicht mehr geglaubt. Die Brasilianer bereiten ihm, obwohl er das nicht wünschte, ein großes Staatsbegräbnis.

Buchtipps für euch

Geblieben sind bis heute Stefan Zweigs Bücher. Faszinierend vor allem die Biographien historischer Persönlichkeiten und die fesselnden Erzählungen. Neben der "Schachnovelle" haben wir einen weitere, Lesetipp für euch: die "Sternstunden der Menschheit". Darin schildert der Autor lebendig bewegende Momente der Geschichte, z.B. die Entdeckung des Südpols. Wie Geschichtsunterricht, nur viel spannender!

Nic - 28.11.2001 /Foto: Internationale Stefan-Zweig-Gesellschaft, Buchcover: Fischer Verlag

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