Lessing - von Bürgerstolz und der Suche nach Wahrheit

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Lessing - von Bürgerstolz und der Suche nach Wahrheit

Vor 280 Jahren, am 22. Januar 1729 wurde der Autor Gotthold Ephraim Lessing geboren. Berühmt wurde Lessing mit seinen Dramen wie Emilia Galotti, Minna von Barnhelm und Nathan der Weise, aber auch seinem Werk zur Schauspieltheorie Hamburgische Dramaturgie.

Wie viele andere Schriftsteller seiner Zeit stammte auch er aus einem evangelischen Pfarrhaus. Auch er begann, wie sein Vater, zunächst Theologie zu studieren. Doch dauerte es nicht lange und er begeisterte sich für das Theater und fing an selbst zu schreiben. Er wechselte das Studienfach und widmete sich kurzzeitig der Medizin, entschloss sich jedoch bald selbstständiger Schriftsteller zu werden. Zu diesem Zeitpunkt war er noch keine 20 Jahre alt.

Bürger werden ernst genommen

Nach mageren Anfangsjahren kam er 1755 mit dem Stück Miß Sara Sampson zu erstem literarischen Ruhm. Das erste deutsche bürgerliche Trauerspiel war deshalb eine Sensation, weil es zuvor üblich war, in einem ernsten Theaterstück, sprich einem Trauerspiel, nur adelige Personen auftreten zu lassen, nicht aber Bürger. Lessing brach mit Miß Sara Sampson ein fürstliches Privileg und stellte zugleich die bis dahin gültige Theorie des Theaters auf den Kopf.

Schluss mit den alten Hüten!

Ab 1767 arbeitete Lessing in Hamburg an der Neugründung eines deutschen Nationaltheaters mit. Bisher hatte man in Deutschland hauptsächlich Theaterstücke nach dem Vorbild der französischen Dramen gespielt. Diese unterlagen strengen Regeln und Formvorschriften. Diese Tradition wollte Lessing überwinden und ein eigenes deutsches Theater nach dem Vorbild der Dramen Shakespeares erschaffen, das nicht so sehr an ein Schema F gebunden sein sollte.

In seinem Werk Hamburgische Dramaturgie schrieb Lessing seine Ideale nieder, die sich in der Wirklichkeit jedoch nicht durchsetzten. Schon 1768 scheiterte das Vorhaben des Nationaltheaters. Aufgrund seiner neuen Ansichten über das Theater geriet Lessing auch mit Verfechtern der alten Tradition in Streit.

Warum so ein Theater?

Um zu verstehen, warum den Leuten damals das Theater eine so ernste Sache war, muss man wissen, dass zu Lessings Zeit das gesellschaftliche Leben strengen Regeln unterlag. Jeder Stand (Adel, Bürgertum) hatte bestimmten Normen zu entsprechen. So war es beispielsweise nicht erlaubt, dass ein Adeliger eine bürgerliche Frau heiratete. Die gleichen Regeln galten auch für das Theater. Die Bühne war als Erbauungs- und Belehrungsanstalt da.

Probleme, die sich aus den gesellschaftlichen Normen ergaben, wurden auf der Bühne nicht thematisiert. Lessing tat genau das. Ihm ging es darum, den tragischen Gegensatz zwischen der Gewissensfreiheit des Einzelnen und seiner Entscheidungsabhängigkeit aufgrund seiner sozialen Verhältnisse aufzuzeigen. Genau so ein Problem stellt die Liebe einer jungen Frau aus dem Bürgertum zu einem Adeligen dar, wie Lessing sie in Emilia Galotti vorführt.

Wer hat die Wahrheit?

1769 wurde Lessing Bibliothekar an der berühmten Bibliothek des Herzogs von Wolfenbüttel. Er widmete sich in seinen Schriften nun vermehrt theologischen Themen. Auch was die Religion betraf wandte er sich gegen herrschende Vorstellungen und meinte, man solle auch in diesem Bereich seinen Verstand gebrauchen und religiöse Lehrsätze kritisch prüfen. Mit dieser Ansicht geriet Lessing erneut in Streit, diesmal mit dem Hamburger Hauptpastor Goeze.

Im Zuge dieser Auseinandersetzung entstand 1778 das Stück Nathan der Weise, das noch heute häufig aufgeführt wird. Lessing plädiert darin für einen toleranten Umgang mit anderen Religionen. In der darin vorkommenden Ringparabel legt er seine tiefe Überzeugung nieder, dass die Aufgabe der Menschen die Suche nach der Wahrheit ist, sie diese jedoch nie ganz besitzen werden.

Lessing starb 1781 im Alter von nur 52 Jahren.

Links

Mehr über Lessing im Internet gibts hier.

Lessingmuseum Kamenz

Text: LM 12.1.04, Portät Lessing: pd; Gesamtausgabe: Diana Kremer: GFDL.

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