Jugendliteraturpreis 2008: Die Nominierungen der Jugendjury

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Jugendliteraturpreis 2008: Die Nominierungen der Jugendjury

Wir stellen euch die Bücher vor, die für den Jugendliteraturpreis 2008 von der Jugendjury nominiert wurden. Mehrere Leseclubs von Jugendlichen aus ganz Deutschland haben hier ihre Lieblingsbücher vorgeschlagen. Über die möglichen Preisträger in den anderen Kategorien könnt ihr euch in separaten Artikeln informieren. Die Preisverleihung findet am 17. Oktober 2008 auf der Frankfurter Buchmesse statt.

Gefallen euch diese Bücher auch so gut wie den Jugendlichen, die sie für den Jugendliteraturpreis ausgewählt haben? Wir stellen euch die nominierten Jugendbücher vor:

Michael Gerard Bauer

Running Man

Aus dem Englischen von Birgitt Kollmann

Nagel & Kimche

ISBN 978-3-312-00975-6

14.90 (D), 15.40 (A), sFr 27.20

Ab 13

 Der australische Autor Michael Gerhard Bauer erzählt hier die Geschichte des Schülers Joseph, der sich seinen Albträumen und Ängsten stellt und am Ende des Buches ein anderer Mensch geworden ist. Josephs genaues Alter erfahren wir nicht, aber das ist auch nicht so wichtig.

Schon als kleiner Junge fürchtete er sich von dem unheimlichen Mann, der ruhelos und verzweifelt durch die Stadt rennt, auf der Flucht vor sich selbst und einer schrecklichen Vergangenheit.


Als Joseph als Hausaufgabe das Portrait eines Menschen zeichnen soll, schlägt ihm seine Nachbarin vor, doch ihren älteren Bruder Tom zu zeichnen. Der hat sich seit 30 Jahren völlig von der Außenwelt zurückgezogen, und dunkle Gerüchte werden über ihn ihn verbreitet.


Deshalb zögert Joseph zunächst, doch als er hört, dass Mrs. Mossop, jene Nachbarin, die alle kennt und viele Gerüchte weiter trägt, Joseph im Gespräch mit seiner Mutter als Hasenfuß bezeichnet, ärgert er sich so darüber, dass er sich überwindet und den Nachbarn zeichnen will.

Tom Leyton züchtet Seidenraupen. Über dieses Hobby kommen die beiden sich langsam näher. Joseph begreift, dass Tom sich wie sie fühlt - eingesponnen, untauglich für ein Leben in Freiheit. Zwischen den Sitzungen für Josephs Portrait erfährt er die Geschichte des Mannes. Sie hat mit einem Krieg zu tun, der in Vietnam stattfand - längst vergangen, doch in Toms Leben noch ganz gegenwärtig. Das Sprechen darüber verändert beide. Sogar den Running Man kann Joseph hinterher mit anderen Augen sehen, sich ihm stellen und mit ihm reden.

 

Dieses Buch liest sich spannend wie ein Film, und die unerwarteten Wendungen sorgen immer wieder für Überraschungen. Dazu ist es in einer schönen, bildhaften Sprache geschrieben, voll Tiefe und Poesie. Unbedingt empfehlenswert! (-rr-)

John Boyne

Der Junge im gestreiften Pyjama


Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit

Fischer Schatzinsel

ISBN 978-3-596-85228-4

13.90 (D), 14.30 (A), sFr 25.60

 

Ab 13

Diese anrührende, aufrüttelnde und traurige Fabel wird aus der Sicht des 9-jährigen Brunos erzählt. Der ist ein ganz normaler Junge, scheinbar. Er lebt mit seinen Eltern und seiner älteren, oft nervigen Schwester Gretel im Berlin der NS-Zeit.

Das Besondere und von Beginn an Geheimnis- und Unheilvolle des Romans, ist der Beruf des strengen Vaters, der das Familienleben bestimmt: Brunos Vater ist ein hohes Tier in Hitlers Regime. Und eines Tages muss die Familie umziehen, weil der Vater eine neue Aufgabe erhält: Die Familie zieht an einen grauen, grausigen Ort, der dem Jungen Angst macht. Und nach und nach stellt sich heraus, es ist einer der brutalsten Orte des Hitler-Regimes und auch Bruno wird sein Opfer...

Man darf nicht zu viel erzählen über dieses Buch, man sollte es lesen. Aber nicht allein und nicht ohne darüber zu sprechen, denn so schön dieses Buch geschrieben ist - so tragisch und erschütternd ist die Handlung.

Dem irischen Autoren John Boyne ist damit ein einfühlsames Buch über eines der schrecklichsten Kapitel der deutschen Geschichte gelungen. Es ist aufrüttelnd und lässt wohl keinen Leser kalt. Doch auch kein Leser sollte mit dem Buch allein gelassen werden. Es sollte gemeinsam gelesen werden und gemeinsam sollte man darüber sprechen! Sehr empfehlenswert! (-ab-)



John Green

Eine wie Alaska

Aus dem Englischen von Sophie Zeitz

Carl Hanser Verlag

ISBN 978-3-446-20853-7

16.90 (D), 17.40 (A), sFr 30.80

Ab 13

"Und nun mache ich mich auf die Suche nach dem Großen Vielleicht". Das ist Miles Liebelingssatz, den François Rabelais auf seinem Totenbett gesagt haben soll. Miles kennt sie alle, die letzten Sätze der Berühmtheiten, was ihm so manche Bewunderung einbringt. Auch er will nach diesem Vielleicht suchen und so freut er sich auf den Umzug aus seinem langweiligen Leben in Florida in ein Internat in Alabama.

Dort teilt er sich mit Colonel ein Zimmer. Colonel, selbst aus ärmlichen Verhältnissen, hat was gegen die reichen Schüler des Internats und gehört zu einer Underdog-Clique, zu der auch die spleenige, flippige und belesene Alaska zählt. Miles hat Alaska noch gar nicht richtig gesehen, da hat er sich schon in sie verliebt. Sie ist geheimnisvoll, traurig, witzig und launisch - und sie weist ihn in die hohe Kunst der Liebe ein.

Doch Hoffnungen macht sich Miles wenige, denn schließlich hat sie einen Freund und überhaupt: Sie ist viel zu toll für ihn. So erlebt Miles nicht nur wie es ist, wenn man Freunde hat, was Streiche an der Schule bedeuten, was das Labyrinth des Lebens ist oder wie wichtig Religion und Philiosophie für das Leben sein können. Er erlebt auch den einzigartigen Höhenflug des Verliebtseins und den furchtbaren Absturz, den man erlebt, wenn ein einziger Moment plötzlich alles verändert.

"Eine wie Alaska" ist der Debütroman des Amerikaners John Green. Geschrieben in einer wunderbaren, selbstironischen Sprache, mit viel Herz für seine Hauptpersonen, verzeiht man ihm, dass manche Nebenhandlung einfach ein wenig versandet. Er thematisiert die großen Gefühle des Lebens: Liebe, Freundschaft, Trauer, Tod und den Sinn des Lebens ohne dabei pathetisch zu werden. Ein Roman, bei dem man weinen, lachen, grübeln und auch lächeln kann. Der erste Roman, der sowohl von der Jugend- als auch von der Fachjury nominiert wurde - meiner Meinung nach, vollkommen zurecht. Sehr lesenswert! (-ab-)


 

Marie-Aude Murail

Simpel

Aus dem Französischen von Tobias Scheffel

Fischer Schatzinsel

ISBN 978-3-596-85207-9

13.90 (D), 14.30 (A), sFr 25.60

Ab 13

Simpel spielt gern mit Playmobil und er spricht mit seinem Stoffhasen. Er ist 21 Jahre alt und geistig behindert. Sein Bruder Colbert ist 17 und sucht mit ihm zusammen eine Wohnung in Paris, wo Colbert die Abschlussklasse eines Gymnasiums besuchen möchte. Sie kommen in einer Studenten-WG unter.


Für alle ist das Zusammenleben mit einem Behinderten, der auf dem geistigen Niveau eines Dreijährigen ist, ungewohnt, herausfordernd und alles andere als simpel. Es entstehen allerhand Verwicklungen aber vor allem muss jeder im Umgang mit Simpel sein wahres Gesicht zeigen.


Auch wenn das echte Leben mit einem geistig behinderten Bruder sicher etwas anders verläuft als im Roman, so gelingt es der Autorin doch, ein sehr anschauliches Bild von Colberts Alltag zu zeichnen, der sich so grundlegend von dem seiner Klassenkameraden unterscheidet.


Und schließlich kommt man auch als Leser nicht umhin, seine eigenen Vorurteile kritisch unter die Lupe zu nehmen. Ein wundervoll warmherziges und gleichzeitig amüsantes Buch. Sehr empfehlenswert. (-lm-)


Bjørn Sortland

Die Minute der Wahrheit

Roman über die Liebe und die Kunst


Aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger

Carl Hanser Verlag

ISBN 978-3-446-20902-2

19.90 (D), 20.50 (A), sFr 36.00


 Ab 13

Die 17-jährige Frida will so schnell wie möglich aus Oslo weg. Die Diagnose einer Augenkrankheit bringt sie total aus der Fassung. Sie hat Angst - auch wenn die Heilungschancen zunächst sehr gut aussehen sie will einfach nur davonlaufen.

Bei ihrer Interrail-Tour landet sie schließlich in Italien und trifft dort den 19-jährigen Jakob, der ihre ganze Aufmerksamkeit auf sich zieht. Plötzlich ist auch ihr Interesse für Kunst geweckt! Denn Jakob wandert auf den Spuren berühmter Künstler um einen Artikel über religiöse Kunstwerke zu schreiben. Frida lässt sich prompt durch seine spannenden Kunsterklärungen, seinen Enthusiasmus und ihre Gefühle für ihn mitreißen und hofft auf positive Reaktionen seinerseits...

Alles könnte so schön sein, wäre da nicht ihre immer schlimmer werdende Augenkrankheit und diese geheimnisvollen SMS, die Jakob ständig bekommt und nichts darüber erzählen will.

Dieses Buch ist wirklich etwas für Kunstfreaks! Obwohl es eine umfassende Liebesgeschichte enthält, gewährt es einen tiefen Einblick in die Kunstgeschichte und enthält sogar farbige Abbildungen der besprochenen Meisterwerke. Für Leser, die sich nicht so sehr für Kunst interessieren wirkt es über längere Passagen hinweg etwas langweilig, da die Erklärungen der Gemälde und Skulpturen sehr detailliert ausfallen und man sich deshalb ziemlich konzentrieren muss. Enthält also Wissenswertes über Kunstgeschichte nicht nur für Jugendliche! (-am-)

Rachel Cohn

David Levithan

Nick & Norah

Sountrack einer Nacht


Aus dem Englischen von Bernadette Ott

cbj (erstmals 2007 bei cbj erschienen)

ISBN 978-3-570-30513-3

6.95 (D), 7.20 (A), sFr 12.90

Ab 14

Alles beginnt damit, dass Nick zu einem Mädchen im Flanellshirt sagt: Das klingt jetzt vielleicht etwas seltsam, aber könntest du für die nächsten fünf Minuten meine Freundin spielen? Als Antwort darauf zieht sie sein Gesicht zu sich und küsst ihn. Eigentlich will Nick mit dieser Aktion nur seine Exfreundin Tris aus seinem Blick bekommen. Und Norah hofft in Nick einen Fahrer für ihre betrunkene Freundin gefunden zu haben. Doch der Kuss verändert alles.


Während sich Nick und Norah allmählich ineinander verlieben, fürchten sie beide jedoch genau das haben sie doch gerade erst schmerzhafte Trennungen hinter sich. Im Laufe der Nacht nähern sich die beiden einander und verlieren sich wieder. Zweifeln, hoffen, zaudern, gehen mutig drauf los.


Abwechselnd spricht jeweils einer der beiden ein Kapitel. So bekommen wir Leser oft ein und denselben Sachverhalt aus zwei verschiedenen Perspektiven geschildert. Und die sind meist gegensätzlich und manchmal doch so ähnlich, dass man nur staunen kann. Dass die männliche und die weibliche Sichtweise derart echt wirken liegt daran, dass der Roman von zwei Autoren verfasst wurde einem Mann und einer Frau, die miteinander befreundet sind.


Eigentlich müsste man diesen Schmöker als Hörbuch zu sich nehmen schließlich spielt darin Musik eine genauso große Rolle wie das Sich-Verlieben. Sie untermalt die Handlung nicht nur, sie treibt sie voran. Also: wenn ihr diesen Soundtrack einer Nacht lest, dann hört gut hin! (-lm-)

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