Jugendliteraturpreis 2008: Die nominierten Sachbücher

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Jugendliteraturpreis 2008: Die nominierten Sachbücher

Wir stellen euch die Bücher vor, die für den Jugendliteraturpreis 2008 in der Kategorie Sachbuch nominiert wurden. Über die Vorschläge in den anderen Kategorien könnt ihr euch in separaten Artikeln informieren. Die Preisverleihung findet am 17. Oktober 2008 auf der Frankfurter Buchmesse statt.

Welches dieser Sachbücher gefällt euch am besten? Hier könnt ihr euch einen Eindruck von den sechs Kandidaten für den Jugendliteraturpreis 2008 machen:


David A. Carter

1 roter Punkt

Aus dem Englischen von Uli Blume

Boje Verlag

ISBN 978-3-414-82082-2

19.90 (D), 20.50 (A), sFr 38.40

Ab 3

 Dieses Buch wurde uns vom Verlag leider nicht zur Verfügung gestellt, deshalb können wir es euch nicht vorstellen.



Karoline Stürmer (Text)

Doris Katharina Künster (Gestaltung)

Pole Packeis Pinguine

Leben im ewigen Eis

dtv Reihe Hanser

ISBN 978-3-423-62322-3

14.95 (D), 15.40 (A), sFr 27.50

Ab 11

Anlässlich des Internationalen Polarjahrs, das von 2007 bis 2009 dauert entstand das knapp 300 Seiten starke Buch rund ums Leben in den Polargebieten. Es ist gegliedert in fünf Abschnitte, die über Forscher früher und heute, Tiere und Pflanzen sowie die Naturgewalten von Meer, Schnee, Eis und Klima informieren.

Interviews mit Polarforschern, Biologen, Klimaspezialisten und dem Kapitän des Forschungseisbrechers "Polarstern" geben denen das Wort, die wirklich vor Ort sind und Ahnung vom Geschehen in den unwirtlichsten Gegenden unseres Planeten haben. Dabei werden auch Fragen beantwortet wie "Wie wird man Polarforscherin?", "Wie kommen Umweltgifte in den Hering?" oder "Wie gefährlich ist eine Fahrt durch das Eismeer?"

Obwohl es sich um ein Jugendbuch handelt, werden Themen wie Klimawandel und die dadurch hervorgerufenen Veränderungen in der Tier- und Pflanzenwelt sehr differenziert beleuchtet. Es geht nicht um einseitige Angstmache, sondern die Autorin Karoline Stürmer zeigt immer wieder, wie vielschichtig die Forschung ist und dass man nicht aus einzelnen Mess-Ergebnissen vorschnell Schlüsse ziehen darf.

Beispielsweise erklärt sie detailliert, wie schwierig es ist, zu ermitteln, wie viele Kleinstkrebse (Krill) in unseren Meeren leben. Sehr anschaulich beschreibt sie die verschiedene Tricks, mit deren Hilfe Tiere und Pflanzen in scheinbar unbewohnbaren Gegenden existieren können.

Kurz gesagt: Ein empfehlenswertes Sachbuch für alle, die sich intensiv mit den Polen und ihren Bewohnern auseinandersetzen möchten. (-lm-)


Nikolaus Nützel

Sprache oder Was den Mensch zum Menschen macht


cbj

ISBN 978-3-570-13027-8

14.95 (D), 15.40 (A), sFr 27.50

Ab 12

"Am Anfang war das Wort - und dieses Wort hieß vieleicht gaga" so ist das erste Kapitel dieses Buches überschrieben. Von den in grauer Vorzeit liegenden Anfängen der menschlichen Sprache über sprechende Tiere und die Frage nach einer Ursprache arbeitet sich Nikolaus Nützel vor bis zur Vielfalt der Sprachen unserer Tage.

Er geht Fragen nach wie "Werden irgendwann alle Menschen die gleiche Sprache sprechen", stellt aussterbende Sprachen vor, widmet sich Geheimsprachen und dem Phänomen "Jugendsprache", das keineswegs mehr ganz jung ist.

Mit welchen Problemen Übersetzer zu kämpfen haben, weiß Nützel als gelernter Fremdsprachenkorrespondent und Dolmetscher aus eigener Erfahrung. Das Kapitel rund um Übersetzungsfallen und falsche Freunde wird daher jeden erfreuen, der mit seinen Englisch- oder Französischschulaufgaben zu kämpfen hat.

Nützel nimmt uns Leser mit auf eine abwechslungsreiche Reise in die Welt der Sprachen. Viele Anekdoten über Sprachgenies, Weltsprachen-Erfinder und Sprachrätsel würzen dieses unterhaltsame und gleichzeitig sehr informative Buch. Anhand der angegebenen Linktipps kann jeder Interessierte seine Reise ins Sprachenreich weiter fortsetzen. (-lm-)


Ange Zhang

Rotes Land Gelber Fluss

Eine Geschichte aus der chinesischen Kulturrevolution


Aus dem Englischen von Friedbert Stohner

Carl Hanser Verlag

ISBN 978-3-446-20908-4

14.90 (D), 15.40 (A), sFr 27.50

Ab 13

Rotes Land, gelber Fluss ist eine Geschichte aus der Zeit der chinesischen Kulturrevolution. Von Mitte der 1960er bis Mitte der 1970er Jahre hetzte der kommunistische Diktator Mao Tse Tung die Jugend gegen die Alten und gegen alle Traditionen. Dichter, Schriftsteller und Lehrer wurden misshandelt, umerzogen oder getötet.

Autor Ange Zhang erlebte die Kulturrevolution selbst mit. Als er nicht von den Rotgardisten aufgenommen wird, weil sein Vater Dichter ist, wendet sich das Leben der Familie. Der Vater wird als Konterrevolutionär beschuldigt, Ange selbst muss nun die Schultoiletten putzen und auch die Mutter bekommt Schwierigkeiten an ihrem Arbeitsplatz. Trotzdem die Familie schließlich in alle Winde zerstreut wird, kann Ange dann mit 30 doch noch ein Kunststudium abschließen.

Ange Zhang lebt heute in Toronto und illustriert Kinderbücher. Das Buch ist eine eindrückliche Erinnerung an seine Jugend und vermittelt einen Einblick in eine für uns sehr fremde Welt, in der eine verführte Jugend die Geschichte und künstlerischen Leistungen ihres Landes buchstäblich mit Füßen tritt. In klarer und einfacher Sprache und ebensolchen Bildern, kombiniert mit Fotos ist Rotes Land, Gelber Fluss ein gelungenes, dokumentarischen Bilderbuch.

-jj-


Andres Veiel

Der Kick

Ein Lehrstück über Gewalt

DVA


ISBN 978-3-421-04213-2

14.95 (D), 15.40 (A), sFr 27.50

Ab 14

Am 12. Juli 2002 wird der 16-jährige Marinus Schöberl mit einem Bordsteinkick getötet, nachdem er vorher stundenlang von drei Kumpels misshandelt wurde. Die Tat geschieht in dem kleinen Dorf Potzlow in Brandenburg. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands gibt es für die Menschen hier und besonders für Jugendliche wenig Perspektiven. Sie brechen ihre Ausbildungen ab, werden straffällig und wenden sich oft rechtsextremen Gruppen zu, um irgendwo mit dabei zu sein und sich in der Gruppe stark fühlen zu können.

Die Täter Marco und Marcel Schönfeld und Sebastian Fink waren alle drei in der rechtsextremen Szene. Sie hatten schon mehrere Ausbildungen und Berufsvorbereitungen abgebrochen und waren zum Teil bereits einige Male verurteilt worden. Nach der schrecklichen Tat, die unter starkem Alkoholeinfluss und ohne bestimmten Grund oder Abneigung gegenüber Marinus Schöberl begangen wurde, wurden die Mörder verurteilt. Sebastian Fink erhielt eine Jugendstrafe von 2 Jahren. Der Haupttäter Marcel Schönfeld wurde für 8,5 Jahre nach dem Jugendstrafrecht verurteilt und sein Bruder Marco musste für 15 Jahre ins Gefängnis.

Erschreckend bis ins letzte Detail wird die Tat im Buch geschildert. Dabei werden vor allem Interviews der Beteiligten sowie der Eltern, der Freunde und der Dorfbewohner herangezogen, um das Verbrechen aus allen Blickwinkeln zu beleuchten. Das Buch soll weder die Tat verharmlosen, noch die Täter in Schutz nehmen, sondern vielmehr dazu beitragen, dass die Ursachen von Gewalt von Jugendlichen besser begriffen werden. Das Buch basiert auf einem Theaterstück bzw. auf einem Film von Andres Veiel und der Stil erinnert oft sehr an eine Dokumentation und ist wegen verschiedener Fachbegriffe nicht immer leicht verständlich. Ich finde, da das Buch nicht nur einfache Kost enthält, sollte man mindestens 15 Jahre alt sein, ehe man es liest.

- Jan Wrede -

 

Bernice Eisenstein

Ich war das Kind von Holocaustüberlebenden


Aus dem Englischen von Henriette Heise

Berlin Verlag

ISBN 978-3-8270-0756-8

19.90 (D), 20.50 (A), sFr 35.90

Ab 16

"Es gibt keine Anonymen Holocaustler, denen man beitreten könnte, es gibt kein Forum, dem man sich mitteilen könnte: 'Hallo zusammen, ich bin holocaust-abhängig. Inzwischen bin ich clean, ich brauche den Holocaust nicht mehr, um mein Selbstwertgefühl aufzubauen.' " Sich mit Humor zu wappnen ist sicher keine schlechte Strategie, wenn man in einer Familie aufwächst, über der die schwarzen Schatten der Auslöschung liegen. Und es ist dieser couragierte Humor, der das Buch der Künstlerin Bernice Eisenstein so außergewöhnlich macht. Mit unbedingter Aufrichtigkeit stellt sie sich der Frage, was der Holocaust für ihr Leben bedeutet, wie sehr er auch ihre eigene, die zweite Generation geprägt hat. Schonungslos und ohne jedes Selbstmitleid erzählt sie von dem Kind, dem bewusst wird, dass die Eltern sich ihren Schicksalsgenossen stärker verbunden fühlen als der eigenen Tochter. Dem Kind, das lernt, den Holocaust als soziale Trumpfkarte auszuspielen. Dem Kind, das versucht, sich durch exzessive Beschäftigung mit der Shoah auf Augenhöhe mit dem Leid der Eltern zu begeben. Bernice Eisenstein gelingt es, mit warmherziger Klugheit Unaussprechliches in Worte zu kleiden - und wo auch ihr die Sprache versagt, lässt sie Illustrationen sprechen.

Auf der Suche nach der Vergangenheit ihrer Eltern, die beide den Holocaust erlebt haben, legt die Künstlerin Bernice Eisenstein ein sehr persönliches, unmittelbar ergreifendes Buch der Erinnerung vor.

Trotzdem ist es kein Sachbuch für Kinder und Jugendliche. Erwachsene finden in diesem Buch einen interessanten Einblick über jüdisches Leben. Geschrieben wurde es sicher für die Generation der Autorin, die damit die eigene Vergangenheit bewältigen kann.

Jugendliche sollten besser "Das Tagebuch der Anne Frank" lesen.

-rr-

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