Jugendliteraturpreis 2008: Die nominierten Jugendbücher

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Jugendliteraturpreis 2008: Die nominierten Jugendbücher

Wir stellen euch die Bücher vor, die für den Jugendliteraturpreis 2008 in der Kategorie Jugendbuch nominiert wurden. Nicht zu verwechseln mit den Nominierungen der Jugendjury, die wir gesondert vorstellen. Auch die Vorschläge in den anderen Kategorien könnt ihr euch in separaten Artikeln informieren, die demnächst hier auf www.wasistwas.de erscheinen bzw. zum Teil schon erschienen sind. Die Preisverleihung findet am 17. Oktober 2008 auf der Frankfurter Buchmesse statt.

Bis dahin könnt ihr euch bereits selbst ein Bild machen, welches Jugendbuch euer Favorit wäre. Und hier sind die sechs Kandidaten:


John Green

Eine wie Alaska


Aus dem Englischen von Sophie Zeitz

Carl Hanser Verlag

ISBN 978-3-446-20853-7

16.90 (D), 17.40 (A), sFr 30.80

Ab 13

"Und nun mache ich mich auf die Suche nach dem Großen Vielleicht". Das ist Miles Liebelingssatz, den François Rabelais auf seinem Totenbett gesagt haben soll. Miles kennt sie alle, die letzten Sätze der Berühmtheiten, was ihm so manche Bewunderung einbringt. Auch er will nach diesem Vielleicht suchen und so freut er sich auf den Umzug aus seinem langweiligen Leben in Florida in ein Internat in Alabama.

Dort teilt er sich mit Colonel ein Zimmer. Colonel, selbst aus ärmlichen Verhältnissen, hat was gegen die reichen Schüler des Internats und gehört zu einer Underdog-Clique, zu der auch die spleenige, flippige und belesene Alaska zählt. Miles hat Alaska noch gar nicht richtig gesehen, da hat er sich schon in sie verliebt. Sie ist geheimnisvoll, traurig, witzig und launisch - und sie weist ihn in die hohe Kunst der Liebe ein.

Doch Hoffnungen macht sich Miles wenige, denn schließlich hat sie einen Freund und überhaupt: Sie ist viel zu toll für ihn. So erlebt Miles nicht nur wie es ist, wenn man Freunde hat, was Streiche an der Schule bedeuten, was das Labyrinth des Lebens ist oder wie wichtig Religion und Philiosophie für das Leben sein können. Er erlebt auch den einzigartigen Höhenflug des Verliebtseins und den furchtbaren Absturz, den man erlebt, wenn ein einziger Moment plötzlich alles verändert.

"Eine wie Alaska" ist der Debütroman des Amerikaners John Green. Geschrieben in einer wunderbaren, selbstironischen Sprache, mit viel Herz für seine Hauptpersonen, verzeiht man ihm, dass manche Nebenhandlung einfach ein wenig versandet. Er thematisiert die großen Gefühle des Lebens: Liebe, Freundschaft, Trauer, Tod und den Sinn des Lebens ohne dabei pathetisch zu werden. Ein Roman, bei dem man weinen, lachen, grübeln und auch lächeln kann. Der erste Roman, der sowohl von der Jugend- als auch von der Fachjury nominiert wurde - meiner Meinung nach, vollkommen zurecht. Sehr lesenswert!(-ab-)

Kevin Brooks

Kissing the Rain


Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn

dtv

ISBN 978-3-423-71211-8

11.95 (D), 12.30 (A), sFr 20.60

Ab 13

Der 15-jährige Mike Nelson wird wegen seines Übergewichts Moo genannt und in der Schule täglich gemobbt und gehänselt. Einziger Zufluchtsort für ihn ist eine Brücke über der Autobahn, auf der er häufig mehrere Stunden damit verbringt, den Verkehr zu beobachten und den Kopf frei zu kriegen. Eines Abends beobachtet er dabei einen Kampf auf der Autobahn, der mit einem Toten endet. Er soll nun als Zeuge des Geschehens aussagen.

Dabei sieht er sich allerdings in einem Dilemma. Die Polizei möchte, dass Moo den Tatverdächtigen Keith Vine, einen berüchtigten Verbrecher, mit seiner Aussage endlich hinter Schloss und Riegel bringt. Er hat jedoch gesehen, dass dieser nichts mit dem Mord zu tun hat, und soll deswegen den Verdächtigen für die Verteidigung entlasten. Er erhält Drohungen von beiden Seiten: Vine droht mit Gewalt und die Polizei damit, Moos Vater wegen Rentenbetrugs ins Gefängnis zu bringen. Wie findet er einen Ausweg aus der Misere?

Kevin Brooks beschreibt die Geschichte aus Sicht von Moo Nelson, der sich in einem Konflikt befindet, der ihn sein Leben kosten kann. Dabei wird in der für einen 15-jährigen typischen Umgangssprache erzählt und jeder der oft wirren und ungeordneten Gedanken wird beschrieben, sodass man sich sehr gut in die Hauptperson hineinversetzen kann. Man kann die Gedankengänge leicht nachvollziehen, die erst am Ende vollständig zusammengeführt werden. Das Buch bleibt dadurch immer spannend. Schade finde ich nur, dass man das ganze Buch über der Auflösung der Geschichte entgegen fiebert, am Ende des Buches allerdings einige Fragen offen bleiben.

-Jan Wrede-

Andreas Schendel

Dann tu's doch

Nagel & Kimche

ISBN 978-3-312-00969-5

14.90 (D), 15.40 (A), sFr 27.20

Ab 13

2005, Ungarn in einer heruntergekommenen Siedlung am Rand von Budapest. Hier lebt der 14-jährige Zoltán mit seiner Mutter und seinem älteren Bruder Peti. Die Mutter muss ihre Söhne ernähren, seit der Vater verunglückt ist. Manchmal ist sie damit überfordert. Zoltán geht nicht gern in die Schule, schwimmt dafür umso lieber und beginnt sich für Mädchen zu interessieren. Dann ist plötzlich sein großer Bruder weg und in seine Siedlung zieht die rothaarige, bildschöne Aranka. Sie ist eine Außenseiterin, die darmit kämpft, dass ihre Mutter todkrank ist und ihre Eltern sich getrennt haben und nun erbittert streiten. Bisher war ihr einziger Vertrauter ihr Tagebuch. Zoltán verliebt sich in sie, aber so einfach ist das nicht, das Kennen- und Liebenlernen....

Autor Andreas Schendel hat schon zahlreiche Kinder- und Jugendromane verfasst. In "Dann tu's doch" ist er nah an der Welt der Jugendlichen, die es in der beschriebenen Art wohl überall auf der Welt gibt. Abwechselnd liest man über Aranka und Zoltán - so kommt man den beiden Jugendlichen als Leser schon nahe, während sich die zwei selbst noch gar nicht kennen. Dabei wirken die Sprache und die Geschichte authentisch.

Aber der Autor vom Niederrhein reißt viele Themen an, die er dann in der Luft hängen lässt: Die Angst vor Vergewaltigungen, das Erwachsenwerden, das sich Abnabeln, sich Verlieben, Zigeuner, Drogen. Alles kommt ein bisschen vor, alles wird angesprochen, aber eigentlich wird bis zum Ende keine Geschichte auch beendet. Vielleicht soll diese Erzählweise dem Leser die Möglichkeit geben, seine eigenen Geschichten weiterzuspinnen... bestenfalls.

Übrigens: Die Honorare aus diesem Buch kommen einem Kinderheim in Budapest zugute. Eine spannende Geschichte, für mich leider nicht zuende gedacht, aber sicher lesenswert.

(-ab-)

 



Meg Rosoff

was wäre wenn


Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit

Carlsen Verlag

ISBN 978-3-551-58139-6

14.00 (D), 14.40 (A), sFr 25.90

Ab 14

Was Wäre wenn?

Jeden Moment kann es geschehen! Das geht David durch den Kopf, als er seinen kleinen Bruder nur knapp vor einem womöglich tödlichen Fenstersturz bewahrt. Um sich dem Schicksal zu entziehen, versucht er sich zu verstecken, ändert seinen Namen in Justin Case (Wenn man es langsam ausspricht, kann man es als Just in case = Nur für den Fall ... verstehen).

Er läuft von zu Hause weg und beginnt z ulaufen, immer schneller und schneller, bis er seinen Windhund Boy niemals einholt aber der existiert auch nur in Justins Kopf. Nach und nach wrid Justin immer verwirrter.

Das Buch ist eine Herausforderung. Wegen der Geschichte und Sprache ist es nicht immer einfach zu lesen, und es ist natürlich komplett ausgedacht. Dennoch spielt die Autorin gekonnt mit dem Wechsel zwischen Wirklichkeit und Fantasie und zeigt mit warmem Humor die Ängste eines jungen Teenagers auf. Wer sich davon nicht abschrecken lässt und kein Problem damit hat, dass auch noch das Schicksal das Wort ergreift, wird an dem Buch seine Freude haben.

-jj-

 

 

Anthony McCarten

Superhero


Aus dem Englischen von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié

Diogenes Verlag

ISBN 978-3-257-06575-6

21.90 (D), 22.60 (A), sFr 38.90

Ab 14

Donald ist 14 und wirkt auf den ersten Blick wie eben ein Junge mit 14 wirkt: im Kampf mit sich und der Umwelt. Gegen alles und nichts. Mit Eltern, die ihn natürlich nicht verstehen und einem Bruder, der ihm natürlich auf die Nerven geht. Am liebsten zeichnet Donald Comics mit seinem zweiten Ich, dem Superhelden Miracle Man. Darin geht es natürlich um die zentrale Frage: Was ist Liebe? Und diese Frage brennt Donald auf der Seele, denn Donald hat Leukämie. Und er möchte nicht sterben, ohne die ersten sexuellen Erfahrungen gemacht zu haben.

Keiner weiß so richtig mit der Situation umzugehen. Die Eltern wollen nur das Beste, aber was ist das für einen Menschen, den sie eigentlich gar nicht mehr kennen? So wird der Psychologe Dr. King eingeschalten, der schließlich das Vertrauen des Jungen gewinnt und der seine Sehnsüchte versteht und einen kühnen Plan ausheckt um Donald - und schließlich auch sich - zu helfen...

"Superhero" ist geschrieben wie ein Drehbuch, dazwischen die Comics von Donald - die wie eine Mischung aus Pornos und Superman wirken. Der neuseeländische Autor erzählt diese tragische Geschichte eben nicht traurig, sondern mit viel Witz und Ironie. Der Drehbuch- und Theaterautor hat viel Gespür für die Sprache des Jungen, für seine Ängste und Wünsche und setzt sie gekonnt in Szene. So kann man sich den Film, der derzeit von "Superhero" gedreht wird, ohne Probleme im Kopf vorstellen.

Ein anrührendes Buch, ohne auch nur einen Hauch von Kitsch. Im Gegenteil: Ein cooles Buch, ohne einen Hauch von Oberflächlichkeit. Sehr lesenswert!

(-ab-)

 

Wodzimierz Odojewski

Ein Sommer in Venedig


Aus dem Polnischen von Barbara Schaefer

SchirmerGraf Verlag

ISBN 978-3-86555-044-6

14.80 (D), 15.30(A), sFr 28.90

Ab 16

Der polnische Junge Marek ist noch keine zehn Jahre alt, als seine Mutter ihm verspricht, in den Sommerferien mit ihm nach Venedig zu reisen. Doch dann kommt alles ganz anders, denn in diesem Sommer des Jahres 1939 beginnt der Krieg.

Statt nach Venedig fahren sie ins Anwesen der Tante Weronika. Dort herrscht beschauliches Landleben bis nach ein paar Tagen der Krieg auch hier ankommt. Doch die meiste Zeit über sind Granateneinschläge, Artilleriegedrön und Flüchtlingsströme nur das Hintergrundrauschen für Mareks Gedanken und Gefühle.

Nicht mehr ganz Kind und noch nicht ganz Jugendlicher wird er von Erwachsenenthemen ferngehalten und soll dennoch schon so vernünftig und tapfer sein wie ein Großer. Als er eine heimliche Reise in die nächste Stadt unternimmt, sieht er die Realität des Krieges, die ihm beinahe seine Kindheit raubt.

Doch endlich unternehmen er und die anderen Bewohner des Landgutes doch noch alle gemeinsam eine Reise in die Lagunenstadt - eine ganz besondere Reise, deren Transportmittel ihre Fantasie ist. Diese fantastische Reise verschafft ihm einen Rückzugsort an den er sich vor dem Grauen ringsum flüchten kann. (-lm-)

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt