Jugendliteraturpreis 2008: Die Kinderbuch - Nominierungen

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Jugendliteraturpreis 2008: Die Kinderbuch - Nominierungen

Wir stellen euch die Bücher vor, die für den Jugendliteraturpreis 2008 in der Kategorie Kinderbuch nominiert wurden. Über die Vorschläge in den anderen Kategorien könnt ihr euch in separaten Artikeln informieren, die demnächst hier auf www.wasistwas.de erscheinen. Die Preisverleihung findet am 17. Oktober 2008 auf der Frankfurter Buchmesse statt.

Hier sind die sechs Kandidaten, von denen nur einer der Preis in der Sparte Kinderbuch gewinnen wird. Welches Buch gefällt euch am besten?

Hermann Schulz (Text)

Tobias Krejtschi (Illustration)

Die schlaue Mama Sambona

Peter Hammer Verlag

ISBN 978-3-7795-0149-7

13.90 (D), 14.30 (A), sFr 25.90

Ab 6

Das Bilderbuch zeigt die Geschichte einer afrikanischen Königin, die so lebt wie eine ganz normale Bäuerin. Zumindest fast so, denn ihr gelingt, was sonst niemand schafft: Der Tod besucht sie dreimal aber kann sie nie mitnehmen, denn jedes Mal schickt sie ihn mit gutem Grund wieder weg. So selbstbewusst und clever Mama Sambona auch wirkt, beschleicht einen doch das Gefühl, dass sie in Wirklichkeit schon halbtot ist. Ihr augenloses Gesicht, ihre dürre Gestalt und die ewige Tabakpfeife verleihen ihr einen morbiden Eindruck.

Der Tod ist in diesem Buch übrigens nicht nur als Person immer anwesend, schon vor der ersten Seite springt er dem Betrachter als dekoratives Element in Form unterschiedlichster Totenschädel ins Auge. Mein Fazit: Die ungewöhnliche Geschichte ist nicht unbedingt als Gute-Nacht-Lektüre geeignet. (-lm-)

Zoran Drvenkar (Text)

Martin Baltscheit (Illustration)

Zarah

Du hast doch keine Angst, oder?

Bloomsbury Kinderbücher & Jugendbücher

ISBN 978-3-8270-5249-0

14.90 (D), 15.40 (A), sFr 27.50

Ab 7

Vier Freundinnen unternehmen einen Ausflug, aber nicht irgendwohin, nein ... Es muss schon ein Wald voller Ungeheuer sein. Dazu nehmen sie die vermeintlich kleine Zarah mit. Die Mädchen pfeifen und lachen und singen im Wald, aber nicht unbedingt weil sie fröhlich sind, sondern weil sie ihre Angst und Unsicherheit nicht zeigen wollen. Immer wieder sprechen sie Zarah an, ob sie denn Angst hätte vor dem Räuberhauptmann Raddek, dem Schlammfresser Feggel, Dem Baumtroll Ogill.

Doch Zarah lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Je mehr sich ihre nicht ganz so wohlmeinenden Freundinnen gruseln, desto weniger lässt sich Zarah beeindrucken. Auf die immer neuen Ungeheuer, die die Mädchen im Wald fürchten und von denen sie erzählen, reagiert sie nur mit einem lakonischen Ach!. Was würden die vier staunen, wenn sie wüssten, wer bei Zarah zu Hause auf sie wartet ...

Zoran Drvenkar und Martin Baltscheit haben mit Zarah Du hast doch keine Angst, oder? ein Buch über echte und vermeintliche Monster, über so genannte Freundinnen, Angst und Mut. Manchmal sind die Dinge nicht so, wie sie scheinen, doch dieses Buch macht auf jeden Fall Mut. (-jj-)

Paula Fox

Ein Bild von Ivan


Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit

Boje Verlag

ISBN 978-3-414-82059-4

11.90 (D), 12.30 (A), sFr 22.00

Ab 10

 In dieser Novelle geht es eigentlich um zwei Bilder von Ivan - um jenes, das der Maler in der Geschichte von dem Jungen malen soll und um das Bild, das der Leser von Ivan bekommt.

Ehe Ivans Vater den Maler Matt beauftragt hatte, ein Portrait seines Sohnes zu malen, verlief Ivans Leben ohne Höhen und Tiefen: Die Mutter war gestorben, als Ivan noch ein Kleinkind war, und der Vater reist ständig in der Welt umher, weil sein Beruf das so verlangt. So blieb ihm nur das Kindermädchen Giselle aus Haiti, das sich um ihn kümmert.

Erst Matt und die exzentrische Miss Manderby, die als Vorleserin engagiert wurde, lenken Ivans Leben in neue Bahnen. In den Ferien darf er mit den beiden nach Florida reisen. Dort lernt er die gleichaltrige Geneva kennen, ein Mädchen, das in und mit der Natur lebt, mit einem Boot über den Fluss zur Schule fährt und keine Angst vor Schlangen hat.

Am Ende der Reise ist Ivan nicht nur ein wenig älter, sondern auch reifer geworden.

Die Autorin Paula Fox ist eine der großen Stimmen der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Um so mehr verwundert es, dass dieses Buch stellenweise dahingeschludert wirkt, der einfache Stil literarische Tiefe vermissen lässt. Vielleicht liegt das aber auch nur an der deutschen Übersetzung. Dann wäre es sicher besser, das Buch im Original zu lesen. (-rr-)

Mireille Geus

Big


Aus dem Niederländischen von Monica Barendrecht und Thomas Charpey

Verlag Urachhaus

ISBN 978-3-8251-7561-0

11.90 (D), 12.30 (A), sFr 21.30

Ab 11

Lizzy wird von allen außer ihrer Mutter und ihrer Lehrerin "Dizzy"  genannt, denn Lizzy ist ein bisschen langsam und sie hat Angst, dass die anderen ihre Gedanken im Kopf lesen können. Sie wird von den anderen Kindern einfach übersehen und so schaut sie meistens den anderen beim Spielen zu. Bis eines Tages "Big", die eigentlich Abigail heißt, in ihr Leben tritt und unbedingt ihre Freundin werden will. Auch Big hat kaum Freunde. Bald merkt Lizzy, dass Big sehr fordernd ist und eigenartig: Sie spielt wundervoll Klavier, ist - wie Lizzy - viel allein, ist in einem Moment lieb und nett und im nächsten fordernd und böse. Das ist für Lizzy schwer zu verstehen.

Big will den Jungens die Lizzy immer ärgern beweisen, dass Lizzy und sie keine Angsthasen sind. Sie überlegt sich einen Streich, der plötzlich immer ernster wird. Und Lizzy steckt in der Zwickmühle: Soll sie ihr dabei helfen? Soll sie ihrer Mutter alles erzählen? Wo wird alles hinführen? Wird sie ihre Freundin verlieren? Ist Big überhaupt ihre Freundin? Die Katastrophe ist vorprogrammiert - und die beiden finden sich bei einem Verhör auf der Polzei wieder....

Freundschaft, Vertrauen, Verrat, Mitläufer, Einsamkeit, Mut und Angst - das sind die Themen des Romans, der ganz einfach geschrieben daherkommt und den Leser packt. Was passiert, wenn man anders ist, so wie Lizzy? Wir nehmen einen die anderen überhaupt wahr? Die Sprache führt den Leser direkt in das Leben Lizzys. Vom Ende aus erzählend, beweist die niederländische Autorin Mireille Geus viel Gespür für Situationen. Sie erzählt einfach und poetisch - allerdings geht es am Ende nochmal richtig zur Sache. Eigentlich gar nicht nötig, fand ich... Ein sehr packendes Buch und sicher lesenswert.

(-ab-)

Benny Lindelauf

Das Gegenteil von Sorgen

Aus dem Niederländischen von Bettina Bach

Bloomsbury Kinderbücher & Jugendbücher

ISBN 978-3-8270-5214-8

14.90 (D), 15.40 (A), sFr 27.50

Ab 12

Das Mädchen Fing Boon erzählt diese Geschichte von sich, ihren acht Geschwistern, ihrem Vater und ihrer Großmutter, die gemeinsam 1937 in Limburg in ein sagenumwobenes, geheimnisvolles Haus ziehen. Die Mutter ist schon länger gestorben und so ist es die Großmutter mit dem rollenden Auge, die die Kinder erzieht.

Es ist schon der sounsosvielste Umzug, den Fing miterlebt, denn ihr Vater hat zwar viele tolle Geschäftsideen, ist aber alles andere als erfolgreich. Fing und ihre Schwestern Müllche und Ness - das sind die Aachener Plattausdrücke für Josefine, Mündchen - der Kosenname für Maria, -  und Agnes machen sich auf das Geheimnis dieses Hauses zu lüften, das die Eingangstür hinten hat, neben dem Friedhof steht und von ihnen "Neun offene Arme" genannt wird. Dabei hilft ihnen der Landstreicher Humpa Hatschi und schließlich auch die Großmutter, die wie immer mehr weiß, als alle vermuten.

Die niederländische Autorin Benny Lindelauf erzählt diese durchaus spannende, manchmal auch ein wenig gruselige und verwirrende Geschichte mit viel Witz, Ironie und Fantasie. Ihre Erzählung handelt von Freundschaft, Familienbanden, Trauer, Verratenwerden, Anderssein und Lügen. Und sie handelt von der Angst  immer wieder zu verlieren, was man liebt. Die Ausdrücke im Aachener Platt werden im angehängten Glossar erklärt, was beim Lesen manchmal nervt. Aber, es ist eine tolle Geschichte für regnerische Ferien und für alle, die Lust auf Kino im Kopf haben...

-ab-

Cynthia Kadohata

KIRA-KIRA

Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn

Gerstenberg Verlag

ISBN 978-3-8369-5140-1

13.90 (D), 14.30 (A), sFr 25.60

Ab 12

Katie und Lynn sind Schwestern. Sie sind die Töchter japanischer Einwanderer in den USA. Lynn ist vier Jahre älter als Katie. Lynn ist hochintelligent, einfühlsam und kann ihrer kleinen Schwester die ganze Welt erklären. Katie bewundert und liebt ihre große Schwester. Um ein besseres Leben zu finden, zieht die Familie von Iowa nach Georgia um. Die Eltern arbeiten beide Tag und Nacht auf Hühnerfarmen um endlich ein eigenes Haus zu haben und ihren Kindern eine gute Ausbildung bieten zu können. Katie, Lynn und später auch der kleine Bruder Sammy sind viel auf sich gestellt. Dann wird Lynn plötzlich schwer krank und das ganze Familienleben wird von Lynns Krankheit bestimmt. Und dann stirbt die geliebte Lynn...

Das japanische "Kira-Kira" ist das erste Wort, das Lynn ihrer Schwester beibringt. Es bedeutet "funkelnd" und Lynn bringt die Welt zum Funkeln.

DIe Autorin Cynthia Kadohata hat diese wundervolle Familiengeschichte aus der Sicht von Katie verfasst und mit Katie erlebt man all die lustigen und tragischen Momente, die ihre Kindheit ausmachten. Und durch sie wird dem Leser bewusst, was es bedeutet, eine Familie zu haben, in ihr aufzuwachsen, ihre Geborgenheit zu spüren und durch das Älterwerden auch verschiedene Rollen zu übernehmen. Von der kleinen Schwester zur Beschützerin. Vom Schwarzen Schaf zum Motor der Familie. Die Geschichte ist auch sehr traurig, aber nie kitschig, denn gemeinsam mit Katie lernt man zu leben. (-ab-)

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt