Jugendliteraturpreis 2007: Die Kinderbuch - Nominierungen

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Jugendliteraturpreis 2007: Die Kinderbuch - Nominierungen

Wir stellen euch die Bücher vor, die für den Jugendliteraturpreis 2007 in der Kategorie Kinderbuch nominiert wurden. Über die Vorschläge in den anderen Kategorien könnt ihr euch in separaten Artikeln informieren, die demnächst hier auf www.wasistwas.de erscheinen. Die Preisverleihung findet am 12. Oktober 2007 auf der Frankfurter Buchmesse statt.

Hier sind die sechs Kandidaten, von denen nur einer der Preis in der Sparte Kinderbuch gewinnen wird. Welches Buch gefällt euch am besten?

Jon Fosse (Text)

Aljoscha Blau (Illustr.)

Schwester

Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel

Bajazzo Verlag

ISBN 978-3-907588-70-3

12.90 (D), 13.30 (A), sFr 23.00

Ab 5

Der vierjährige Junge, aus dessen Perspektive dieses Buch erzählt wird, stellt allerhand an. Eigentlich nichts Böses, er will nur etwas erleben, an den Strand gehen, Boot fahren oder Erdbeeren pflücken im Wald. Aber seine Eltern machen sich jedesmal schreckliche Sorgen, weil sie nicht wissen, wo er steckt und Angst haben, dass ihm etwas passiert.

Dann schimpfen sie mit ihm und bestrafen ihn. Das macht ihn ganz unglücklich, schließlich wollte er doch nichts Böses tun. Die Erwachsenen verstehen ihn nicht, verhalten sich so rätselhaft und er fühlt sich oft ganz allein. Zum Glück gibt's aber seine kleine Schwester die immer da ist und das ist einfach gut.

Ein Buch für Eltern, die die Welt einmal aus der Sicht eines Kindes erleben wollen. Aber auch ein Buch für Kinder, die vielleicht staunen, dass sie mit ihren Gefühlen nicht allein sind: da gibt es noch ein Kind, das die Welt der Erwachsenen sehr sehr seltsam findet. Und ganz sicher ein Buch, das Eltern und Kinder dazu anregt, über ihre Gefühle und ihre verschiedenen Sichtweisen zu reden. (-lm-)

Ulf Nilsson (Text)

Eva Eriksson (Illustr.)

Die besten Beerdigungen der Welt

Aus dem Schwedischen von Ole Könnecke

Moritz Verlag

ISBN 978-3-89565-174-8

12.80 (D), 13.20 (A), sFr 22.60

Ab 5

Drei Kinder beerdigen eine tote Hummel auf ihrer geheimen Lichtung. Und das ist eine richtig echte Beerdigung mit allem drum und dran: Sarg und Blumen, Trauerreim und Tränen.  Als sie merken, wie gut das klappt, gründen sie eine Firma: die Beerdigungen AG.

Total professionell ziehen sie nun den ganzen Nachmittag mit ihrem Beerdigungs-Utensilien-Koffer herum und suchen Tiere, die sie unter die Erde bringen können. Dabei handelt es sich aber keineswegs nur um ein komisches Spiel. Gefühle wie Trauer, Angst und Ekel kommen zur Sprache und finden in Beerdigungsritualen einen würdigen Rahmen.

Die vortrefflichen Illustrationen bilden mit der Geschichte eine Einheit, die nicht nur eine Auseinandersetzung mit dem Thema Tod ermöglicht, sondern sogar zum Nachspielen herausfordert. (-lm-)


 

 

Sébastien Joanniez (Text)

Régis Lejonc (Illustr.)

Ein Zwilling für Leo

Aus dem Französischen von Bernadette Ott

Beltz & Gelberg Verlag

ISBN 978-3-407-78977-8

5.90 (D), 6.10 (A), sFr 11.00

Ab 8

Leo wohnt mit seinen Eltern im fünften Stock eines Hochhauses. Er hat keine Geschwister - und das gefällt ihm gar nicht. Leo erzählt seine Geschichte selbst und es sieht fast so aus, als hätte er die vielen kleinen Zeichnungen, die im Text rumschwirren, auch selbst gemacht. Sie sind eine prima Ergänzung zur locker-flockig geschriebenen Geschichte, in der Leo all das berichtet, was ein Junge von - sagen wir acht oder neun Jahren den ganzen Tag so macht.

Er spricht von Nora, in die er ziemlich verliebt ist, von seinem Freund Amédée, der neun Geschwister hat und ihn deshalb gar nicht verstehen kann, von  seinem Vater, der dauernd vor der Glotze sitzt und natürlich von seinem sehnlichsten Wunsch: einem Zwillingsbruder, der ihn versteht. Ob er den am Ende bekommt, wird hier noch nicht verraten. (-lm-)

Xavier-Laurent Petit

Steppenwind und Adlerflügel

Winterabenteuer in der Mongolei

Aus dem Französischen von Anja Malich

Dressler Verlag

ISBN 978-3-7915-1602-8

12.00 (D), 12.40 (A), sFr 21.90

Ab 9

Eine unglaublich spannende, packende Geschichte, aber ganz sicher nichts für schwache Nerven. Denn der Franzose Xavier-Laurent Petit entführt seine Leser in die winterliche mongolische Steppe. Dort lebt das Mädchen Galshan mit ihrem Vater, einem LKW-Fahrer und ihrer Mutter. Jedes Mal, wenn ihr Vater nach den langen Touren endlich wieder nach Hause kommt, freut sich Galshan ungemein.

Doch als ihre Mutter schwanger und sehr schwach wird, muss Galshan zu ihrem eigenbrödlerischen, sehr strengen und altmodischen Großvater in die einsame Steppe. Sie wehrt sich, aber es hilft nichts. Der grummelige Alte hätte lieber einen Enkel gehabt, dem er das Jagen, Reiten und Hüten der Tiere beigebracht hätte. Das lässt er das Mädchen spüren. Doch bald erkennt der Alte, dass seine Enkelin viel mehr kann als so mancher Junge und so lehrt er sie das richtige "Reiten" und wie man einen Raubvogel zähmt. Doch gerade als die beiden sich angefreundet haben, kommt ein unglaublicher Schneesturm, der Galshan vor die schwerste Probe ihres Lebens stellt: Sie muss ihren Großvater retten....

Ein tolles Abenteuer, mit einer fantastischen Heldin - aber wirklich Nichts für schwache Nerven, denn zum Teil geht es ganz schön grausam zu, in dieser mongolischen Geschichte! (-ab-)

Guus Kuijer

Das Buch von allen Dingen

Aus dem Niederländischen von Sylke Hachmeister

Oetinger Verlag

ISBN 978-3-7891-4022-8

9.90 (D), 10.20 (A), sFr 18.10

Ab 10

 Thomas sieht die Welt auf seine ganz eigene Art, er sieht sogar Dinge die andere nicht sehen: Tropische Fische in den Grachten, den holländischen Kanälen in den Städten, er sieht seine Nachbarin ganz anders, als die anderen Leute sie beschreiben: Er erkennt ihren Zauber - und Thomas sieht auch Jesus, der ihm gewissermaßen das "Du" anbietet ...

Aber manche Dinge möchte er nicht sehen: Die Schläge seines Vaters, die Angst, Feigheit und Gemeinheit vieler vermeintlich Erwachsener ... Aber Thomas beschließt, keine Angst mehr zu haben. Schritt für Schritt geht er in kleinen Schritten seinen Weg. Das Buch beschreibt eine Kindheit in den 50er Jahren, eine Zeit die nah ist, und in ihrer Enge und Bedrücktheit doch meilenweit entfernt.

Der Autor Guus Kuijer schafft es, auf 94 Seiten Lebensweisheit und ergreifende Szenen darzustellen, die von Liebe, Glück, Freiheit und Glaube handeln. Obwohl das Buch als Kinderbuch vom Verlag angeboten wird, ist es doch eher ein Buch für Jugendliche, wenn nicht junge (und auch ältere) Erwachsene, denn es werden sehr viele komplexe Themen wie Nationalsozialismus und Widerstand angesprochen oder das deutsch-niederländische Verhältnis, wovon man mit 10 Jahren noch nicht viel weiß und auch nicht wissen muss. Mit einem kundigen Erwachsenen an der Seite erschließt sich das Buch aber auch für Kinder.  (-jj-)

Åke Edwardson

Samuraisommer

Aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch

Carlsen Verlag

SBN 978-3-551-55441-3

13.00 (D), 13.40 (A), sFr 23.60

Ab 11

Kenny ist Samurai - Seinen Namen hat er sich selbst gegeben, letzten Sommer. Kenny kommt vom japanischen Wort für Schwert, eigentlich heißt er Tommy. Auch dieses Jahr geht es wieder für drei Monate ins Ferienlager. Aber Spaß und Spiel kann man dort nicht erwarten, denn die Betreuerinnen machen sich eher einen Spaß daraus, die Kinder zu demütigen, als ihnen einen angenehmen Sommer zu bereiten. Darum flüchten sich Kenny und seine Freunde in eine Traumwelt und spielen Samurai. So lange bis Kerstin, ein Mädchen aus dem Camp, verschwindet. Nun kommt es auf Freundschaft und Zusammenhalt an.

Ake Edwardson ist ein bekannter schwedischer Krimiautor, Samuraisommer sein Kinderbuchdebut. Richtig spannend wird das Buch erst gegen Ende. Bis dahin gibt es durchaus einige Längen. Es ist ein typisches Sommercamp-Buch, es handelt also von Heimweh und Langeweile, von Boshaftigkeit und Freundschaft. Wer Samurais mag, für den lohnt es sich auf jeden Fall zu lesen. Trotz zweihundert Seiten und der genannten Längen ist es dennoch ein schön zu lesendes Ferienbuch. (-jj-)

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