Franz Kafka Grenzgänger zwischen Traum und Wirklichkeit

Berühmte Personen

Franz Kafka Grenzgänger zwischen Traum und Wirklichkeit

Der Schriftsteller Franz Kafka wurde mit seinen Erzählungen besonders nach Ende des 2. Weltkriegs weltweit bekannt. In seinen Werken spiegelt sich das Lebensgefühl vieler Menschen aus dem 20. Jahrhundert wieder. Sie sind ein Ausdruck der Orientierungslosigkeit und der Entfremdung der Menschen in der modernen Gesellschaft. Diese Verwirrung, mit der sich Kafka auseinander setzt, wurde unter dem Begriff kafkaesk bekannt.

Deutsche Minderheit in Prag

Foto: Kafka als Schüler.

Franz Kafka wird am 3. Juli 1883 in Prag geboren. Die Eltern, Juli und Hermann Kafka, sind von ihrem Galanteriewarengeschäft voll in Anspruch genommen. Der kleine Franz wird von ständig wechselndem weiblichen Dienstpersonal erzogen. Der Vater ist geschäftstüchtig und ehrgeizig, hat aber wenig Verständnis für den zarten und feinfühligen Sohn. Die Mutter ist zwar liebevoll, aber ganz auf ihren Mann konzentriert.

Jura als Brotjob

Nach dem Besuch des deutschen Gymnasiums in Prag - damals gehörten etwa zehn Prozent der Bevölkerung der deutsch sprechenden Minderheit an - studierte er Germanistik und Jura. Anschließend verdiente er sein Geld zum Leben bei einer Versicherungsgesellschaft. Er betrachtete seine Arbeit immer als ungeliebten Broterwerb, als Hindernis für seine eigentliche Bestimmung, das Schreiben.

Zurückgezogener Träumer

Foto: Kafka im Jahr 1906.

Kafka ist von Geburt an eher zart gebaut, schlank und nur mäßig sportlich. Er ist fast ausschließlich an Literatur und Kunst interessiert und empfindet jede Ablenkung von seinem traumhaften Leben als störend. Er entwickelt sich zum zurückgezogenen Einzelgänger. Trotzdem pflegt er intensive Männerfreundschaften.

Schüchtern, aber sehr beliebt

Seine Freundschaft mit Max Brod, ebenfalls Jurist und Autor, hält ein Leben lang. Auch Robert Klopstock und, etwas entfernter, Franz Werfel gehören zu seinem Freundeskreis. Kafka ist bei den meisten, die ihn kennen, sehr beliebt, hat aber selbst immer das Gefühl, ein Versager zu sein und nicht richtig dazuzugehören.

Wenig Glück bei den Frauen

Seine Beziehung zu Frauen ist problematisch. Dreimal hat er sich verlobt und wieder entlobt. Zwei Jahre lang quälte ihn die unglückliche Liebe zu einer verheirateten Frau. Seine Liebesbeziehungen finden fast ausschließlich in Briefen statt. Erst in seiner letzten Beziehung von 1923 bis 1924 mit Dora Diamant erfährt er, was erfüllte Liebe ist.

Berühmt nach seinem Tod

Links: "Die Verwandlung" gehört zu den bekanntesten Werken Frank Kafkas. Hier die Originalausgabe von 1915.

Zu Lebzeiten war Kafka nur wenigen interessierten Literaturliebhabern ein Begriff. Seine Romane wurden erst nach seinem Tod gedruckt. Verantwortlich dafür war sein enger Freund Max Brod. Er veröffentlichte Das Schloß, Der Prozeß und Amerika, obwohl Kafka testamentarisch verfügt hatte, dass die Manuskripte vernichtet werden sollten. Franz Kafka starb am 3. Juni 1924 an den Folgen einer langjährigen Lungenerkrankung in einem Sanatorium bei Wien.

Frühes Talent

Sein literarisches Talent entdeckte Kafka schon in der Schule. Nach ersten Schreibversuchen fand Kafka früh zu seinem eigenen Stil. Die Worte flossen nur so aus ihm heraus. Das Urteil schrieb er im September 1912 in nur einer einzigen Nacht.

Was ist kafkaesk?

Seine Romane und Erzählungen sind leicht lesbar und spannend geschrieben. Inhaltlich geht es in den meisten seiner Erzählungen um Themen wie das Ausgeschlossen sein aus der Gesellschaft und den vergeblichen Kampf um Wiedereingliederung. Das Adjektiv kafkaesk steht für diese Verlorenheit und das Gefühl, fremden unbegreiflichen Mächten hilflos ausgeliefert zu sein. Bezeichnend ist dabei auch die fließende Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit.

Text: 27.06.03/ sw,  Fotos: pd.

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt